Noch in Germering, schon bald vor den Philippinen: OB Andreas Haas (M.) und Günter Bonin (r.) begutachten den Seehamster 9, der in der Germeringer Schlosserei von Michael Lingenfelder gebaut wurde.
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Noch in Germering, schon bald vor den Philippinen: OB Andreas Haas (M.) und Günter Bonin (r.) begutachten den Seehamster 9, der in der Germeringer Schlosserei von Michael Lingenfelder gebaut wurde.

Germering

Seehamster sammelt Müll vor den Philippinen

  • vonHans Kürzl
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Plastikmüll und Algenbildung – der „Seehamster“ hat dafür gesorgt, dass im Germeringer See nichts mehr davon zu sehen ist. Jetzt wird ein weiteres der Wasserfahrzeuge, das in Germering gebaut wurde, vor den Philippinen Müll einsammeln.

Germering – Das Müllsammelschiff ist längst schon international unterwegs. Jüngst wurde ein weiteres Richtung Asien entlassen. Gebaut wurde der „Seehamster 9“ in der Germeringer Schlosserei Lingenfelder. Künftig wird er in den Gewässern vor der philippinischen Hauptstadt Manila kreuzen und das tun, was er am besten kann: Plastik aus Gewässern fischen.

Auch wenn er mit einer Sammelkapazität von 500 Kilogramm nur einen winzigen Bruchteil der 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren auffischen kann, bleibt es für Günther Bonin, 2011 Begründer der Umweltorganisation „One Earth – One Ocean“, dennoch ein Signal: „Man sieht, was technisch für den Umweltschutz möglich ist.“ Vor gut acht Jahren hat Bonin das Konzept entwickelt, bei dem im Prinzip ein Katamaran mit einem herunterklappbaren Fangnetz ausgestattet ist.

Bei der „Seekuh“ mit einem Fassungsvermögen von zwei Tonnen fand das Konzept seine Fortsetzung. Am Ende des Sammelkette soll in naher Zukunft schließlich der „See-Elefant“ stehen, ein Recycling- und Energieschiff, das den Müll übernimmt, sammelt, sortiert, zerkleinert. „One Earth – One Ocean“ erhielt im Vorjahr für das Konzept des „See-Elefanten“ den Bundespreis „ecodesign“ des Bundesumweltministeriums verliehen. Das ist die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland.

Keine Algen mehr am See

Auf dem Germeringer See hat man den „Seehamster“ seit zwei Jahren nicht mehr gesichtet. „Es hat keine Algenbildung mehr gegeben“, nennt Bonin den Grund dafür. Da sei noch der Prototyp unterwegs gewesen, erinnerte sich Oberbürgermeister Andreas Haas angesichts der Nummer neun, die nun im Einsatz sein wird. Vielen Bürgern sei das Sammelschiff daher noch in bester Erinnerung, so Haas.

Von Seiten der Großen Kreisstadt war das Engagement des jetzt 64-jährigen Bonin daher vor vier Jahren mit der Bürgermedaille gewürdigt worden. Mittlerweile sind die SeeHamster nicht nur in Nord- und Ostsee unterwegs. Sie ziehen ihre Spuren auch vor Rio den Janeiro sowie in Indonesien – und ab 2021 dank „Nummer neun“ ebenso vor den Philippinen.

Für Kambodscha hat sich „One Earth – One Ocean“ das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Mekong sauber zu bekommen. „Wir haben uns vorgenommen, das bis 2025 zu schaffen“, hofft Bonin. Dass einige Projekte coronabedingt nicht angegangen oder vollendet werden konnten, bedauert Bonin, der 30 Jahre lang in der IT gearbeitet hatte und 2008 auf einer Segeltour den Entschluss gefasst hatte, dem Plastikmüll in den Weltmeeren etwas entgegenzusetzen.

Sein Elan bleibt trotz allem ungebremst. „Es gibt einige Pläne für das kommende Jahr“, kündigt er an. Und ganz global gesehen wird Bonin darauf achten, dass das Umweltbewusstsein immer wieder geschärft wird. Schließlich würde der Plastikmüll durch die Nahrungsmittelkette in kleinsten Teilen wieder beim Menschen landen. Jedes Stückchen weniger sei da wertvoll. Ganz lokal, in Germering, am Germeringer See, hat Bonin gezeigt, dass es funktionieren kann.

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