Die LOB-Gutscheine wandern alle zwei Monate in den Betonmischer, um die Siegerlose zu ermitteln.

Germering

So kann Schule gehen: Loben statt bestrafen

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Die Realschule Unterpfaffenhofen (RSU) hat den mit 1750 Euro dotierten ersten Preis des Prämienprogramms des Landkreises gewonnen. Die Jury hat damit das LOB-Projekt (LOB=Lernen optimistisch bewältigen) der Schule gewürdigt: Statt strafende Nacharbeiten für Fehlverhalten zu kassieren, können die Schüler für positive Entwicklungen Lobscheine sammeln.

Germering – 592 Nacharbeiten, zwei Verweise, zwei verschärfte Verweise: Diese Zahlen waren der Auslöser des LOB-Projekts, mit dem die Realschule (RSU) einen neuen Umgang mit Schülern wagt, die Hausaufgaben vergessen oder zu spät kommen. Die Zahlen stammen aus dem ersten Halbjahr des Schuljahres 2018/19 und haben Rektor Christoph Breuer die Augen geöffnet. Nach 20 Jahren als Schulleiter oder Konrektor müsse er ganz klar sagen: „Wir haben als Schule versagt.“

Lotterie-Charakter

Er habe lange darüber nachgedacht, wie man dem Problem der nicht gemachten Hausaufgaben besser begegnen kann. Die Lösung sei ihm bei einem Aufenthalt in Taiwan gekommen. Dort werfe keiner Kassenbons aus Geschäften achtlos weg, weil jeder Bon gleichzeitig eine Lotternienummer ist. Sein Gedanke: Man müsse die Schüler dazu bewegen, dass sie Hausaufgaben machen oder pünktlich zur Schule kommen wollen, weil es im Gegenzug etwas dafür gibt.

Das war der Startschuss für das LOB-Projekt , das jetzt seit rund einem Jahr läuft. Im Kern handelt es sich darum, dass die Schüler so genannte LOB-Scheine für gutes Verhalten oder für Verbesserungen ihrer Leistungen erhalten. Nacharbeiten werden bis zur 8. Klasse nicht mehr verhängt. Lediglich in der 9. und 10. Klassen hat man dies auf Wunsch der Eltern wieder eingeführt – sie befürchteten schlechte Abschlussnoten ihrer Kinder.

Jeder der LOB-Gutscheine ist mit einer Nummer versehen. Alle zwei Monate nehmen die Lose an einer Lotterie teil. Zu gewinnen gibt es kleine Preise – wobei laut Schülersprecher Niklas Fehser der Gewinn einer Pizza, die man sich ins Sekretariat bestellen darf, zu den beliebtesten zählt. Die Gewinnermittlung in der Schulaula hat sich zum Hit entwickelt. Was wohl auch am Betonmischer liegt, der die Loszettel durchschüttelt und mischt. Er wurde wurde vom ehemaligen Elternbeirats-Mitglied Julius Wagenführer zur Verfügung gestellt.

LOB-Panini-Album

Mit dem neuen System wage man das Undenkbare, gesteht Rektor Breuer. Er sei deswegen umso stolzer auf sein Kollegium gewesen, weil nur zwei der 70 Lehrkräfte gegen das neue System gewesen seien. Auch die Eltern stünden dem Ganzen positiv gegenüber. Die Schüler sowieso, wie Niklas Fehser und sein Mitsprecher Leopold Tüting erzählen.

Mittlerweile gibt es sogar eine Art Panini-Album. In das werden allerdings keine Fußballer-Portraits geklebt, sondern die LOB-Scheine. Am Ende jeden Schulhalbjahrs erhalten die Schüler mit den meisten Gutscheinen einen Sonderpreis. Klar, dass da jeder mitmacht.

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