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Rick Peperkamp, Dirigent des SBO, mit Partitur und Posaune im Wohnzimmer.

Dirigent erzählt

So kommen die Musiker des Sinfonischen Blasorchesters durch die Corona-Zeit

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Es ist erst ein paar Monate her, dass das Sinfonische Blasorchester (SBO) Germering die oberste Klasse seiner Kunst erreicht hat.

Germering– Seit dem letzten Wertungsspiel des Musikbunds von Ober- und Niederbayern (MON) im November musizieren die rund 60 Musiker unter der Leitung von Rick Peperkamp offiziell in der Höchststufe der Blasmusik. Für das laufende Jahr hatte das SBO ein neues, anspruchsvolles Repertoire einstudiert. Doch nun schweigen die Instrumente.

Sicher, privat wird weiterhin gespielt. „Jeder übt zu Hause mit Metronom“, sagt Peperkamp. Er versucht, mit jedem seiner Musiker in Kontakt zu bleiben. Verschickt Tipps, wie man fit bleibt an Trompete, Tuba und Co., damit das Niveau gehalten wird. Doch echte Proben kann das nicht ersetzen.

„Wir haben in den letzten zwei Jahren so viel erreicht“, sagt der 30-Jährige. Zuletzt hatte das SBO für sein Jahreskonzert eine große Star Wars-Sinfonie einstudiert sowie weitere Werke der Ober- und Höchststufe zum Thema Weltraum. Ende April hätte all das in der Stadthalle zu hören sein sollen. Nun hoffen Peperkamp und das Orchester, das Konzert am 18. Oktober nachholen zu können.

„Aber das ist alles sehr unsicher“, bedauert der in München lebende Niederländer, der neben dem SBO ein Universitätsorchester in Passau sowie ein weiteres Laienorchester leitet und als Lehrer für tiefes Blech arbeitet. Letzteres darf er seit Kurzem wieder, aber unter erschwerten Bedingungen – mit Mundschutz, hinter Plexiglas, mit jeweils nur einem Schüler, ohne etwas zu demonstrieren oder vorzuspielen. „Ich zeige mit Händen und Füßen, wie man das Instrument auspackt und reinpustet.“

Es sind Beschränkungen, die Peperkamp als übertrieben empfindet. Wenn ein Blechbläser einen Ton produziert, ströme zwar Luft aus dem Instrument. „Aber sie kommt maximal 20 Zentimeter weit. Mit Husten und Niesen kann man das gar nicht vergleichen.“

Ansonsten sitzt Peperkamp zu Hause und bereitet Projekte für das nächste Jahr vor, darunter auch das Jubiläumskonzert zum 20-jährigen Bestehen des SBO. Ob wie eigentlich vorgesehen ein Gastorchester und Solisten eingeladen werden können, ob eine geplante Orchesterreise stattfinden kann – wer weiß. Er versuche, positiv zu bleiben, versichert der 30-Jährige. Aber er fühle sich oft deprimiert, zumal unter vielen Kollegen Existenzängste umgehen. „Die Arbeit steht einfach still.“

Selbst Peperkamps Hochzeit Anfang April stand im Zeichen von Corona. Weder konnte seine Familie aus den Niederlanden dabei sein noch die Angehörigen seiner Frau aus Kasachstan. Eine Feier mit Freunden aus München gab es natürlich auch nicht. Und so verbrachte das frisch gebackene Ehepaar den Abend vor dem Fernseher – immerhin mit Hochzeitstorte.

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