Die Stadt Germering beschäftigt mehr Frauen als Männer.
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Die Stadt Germering beschäftigt mehr Frauen als Männer.

Germering

Stadt beschäftigt mehr Frauen als Männer

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Renate Konrad war rund 20 Jahre lang Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Vor kurzem hat sie als Leiterin des OB-Büros eine neue Stelle im Rathaus angetreten.

Germering - Im Stadtrat legte sie jetzt ein letztes Mal den Gleichstellungsbericht vor. Grundlegendes Ergebnis: Das Verhältnis der Geschlechter der bei der Stadt angestellten Menschen hat sich laut Renate Konrad in ihrer Amtszeit nicht verändert. Nach wie vor sind rund 65 Prozent der Beschäftigen Frauen und 35 Prozent Männer.

Grundlage des Berichts sind Daten vom August 2020. Beschäftigte mit Mini- und Midijobs sind dabei nicht erfasst. Zum Zeitpunkt der Datenübergabe waren 440 Menschen bei der Stadt und ihren Eigenbetrieben als Angestellte, Beamtinnen und Beamte erfasst. Davon waren 153 Personen männlich und 287 Personen weiblich. 271 Personen (61,6 Prozent) arbeiteten in Vollzeit, davon 141 Männer und 130 Frauen. 169 Personen (38,4 Prozent ) gingen einer Teilzeitbeschäftigung nach – wobei dies nur zwölf Männer aber 157 Frauen taten.

Von den acht Auszubildenden der Stadt und der Eigenbetriebe, die es im August gab, waren fünf männlich und drei weiblich. Weitere neun Personen – drei Männer sechs Frauen – absolvierten ein so genanntes Optiprax. Dabei handelt es sich um eine neue Art der Erzieherausbildung, bei der Praxisphasen eine wichtige Rolle spielen.

Gesellschaft widergespiegelt

Die Verteilung der Geschlechter und die Handlungsoptionen bei der Verteilung der Arbeitszeiten in der Stadtverwaltung spiegelt Konrad zufolge die momentane Realität in der Gesellschaft wider. Angefangen beim hohen Anteil der weiblichen Beschäftigten im pädagogischen Bereich, vor allem in den Kindertagesstätten, stellt die offiziell immer noch amtierende Gleichstellungsbeauftragte fest: „Es lässt sich feststellen, dass gesellschaftliches Umdenken von althergebrachten Geschlechterrollen langsam in Sicht ist. Was früher als typisch weiblicher Beruf galt, wird heute – nicht zuletzt aufgrund des akuten Fachkräftemangels – für beide Geschlechter attraktiver gestaltet.“ Es könnten zunehmend mehr männliche Auszubildende in den pädagogischen Berufen verzeichnet werden, eine geschlechterparitätische Besetzung der Stellen lasse sich aber noch nicht verwirklichen.

Innerhalb der klassischen Verwaltungsberufe ist bei der Stadt ein hoher Frauenanteil zu erkennen. Aus Sicht von Renate Konrad liegt dies auch daran, dass Arbeit in der Verwaltung vor allem in den niederen bis mittleren Lohngruppen lange als typisch „weiblich“ galt. Denn hier gab es für Frauen gute Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Teilzeit

Der hohe Frauenanteil bei den Teilzeitbeschäftigten bestätige zudem die gesellschaftlichen Strukturen, dass nach wie vor Frauen in Teilzeit arbeiten und in der Regel zusätzlich für die Belange der Familienarbeit zuständig sind. Auch hier sieht Renate Konrad aber einen langsamen Wandel: „Mehr Väter nehmen seit mehreren Jahren zumindest drei Monate Elternzeit.“

Um eine geschlechterparitätische Besetzung aller Stellen zu ermöglichen und einer Ungleichbehandlung der Geschlechter entgegenzuwirken und sie zu vermeiden, habe die Stadt verschiedene Bausteine entwickelt. So würden beispielsweise Bewerbungsverfahren transparent, diskriminierungsfrei und nach strengen fachlichen Kriterien einheitlich gestaltet. Alle oberen und mittleren Führungskräfte seien außerdem für diese Verfahren geschult worden.

Darüber hinaus biete die Stadt ihren weiblichen wie männlichen Mitarbeitern Möglichkeiten zur Vereinbarung von Beruf und Familie/Freizeit an, die individuell genutzt werden können. Nicht zuletzt die Dienstvereinbarung zur flexiblen Arbeitszeit ermögliche es Frauen wie Männern, ihre Arbeitszeit nach individuellen Bedürfnissen zu gestalten.

Sepp Dürr (Grüne) kommentierte den Bericht mit den Worten „Es gibt noch Luft nach oben.“ Sprich: In Führungspositionen ist der Frauenanteil nicht so hoch wie sonst. Renate Konrad begründete dies damit, dass es in Führungspositionen nicht so oft Wechsel gebe.

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