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Aus Protest wegen der Corona-Regeln: Bibliothek verliert viele Stammkunden - „auch verbale Entgleisungen kamen vor“

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Von: Klaus Greif

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Die Stadtbibliothek Germering von außen.
Die Corona-Pandemie hat die Stadtbibliothek im vergangenen Jahr vor erhebliche Probleme gestellt. Auch Stammkunden haben aus Protest gegen die Hygienevorschriften ihre Ausweise zurückgegeben. (Archivfoto) © tb

Das Coronajahr 2021 hat der Stadtbibliothek ziemlich zu schaffen gemacht. Der Lockdown und andere Vorgaben führten zu einem Rückgang der Entleihung von Büchern. Viele Nutzer gaben gar ihren Ausweis zurück.

Germering – Bibliotheksleiterin Christine Förster-Grüber listet in ihrem Budgetbericht 2021 deutliche Zahlen auf. Von 2020 bis 2021 ist demnach die Zahl der insgesamt entliehenen Medien von rund 227 394 auf 208 521 gesunken. Der Verlust geht dabei größtenteils auf so genannte analoge Medien, also in der Regel Bücher zurück. Denn die Ausleihzahl der digitalen Medien wie E-Books ist im selben Zeitraum stark gestiegen.

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Der Bericht, der im Hauptausschuss vorgestellt wurde, zeigt aber noch andere Auswirkungen auf, die die Pandemie im Vorjahr verursacht hat. Demnach ist die durchschnittliche Besucherzahl pro Monat von 7924 im Jahr 2019 auf 5723 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Zahl der aktiven Nutzer, die einen Ausweis haben, sank von 5054 auf 3821 und die Zahl der Neuanmeldungen von 981 auf 665.

Die Reaktionen der Nutzer auf die Hygienevorgaben, vor allem die zeitweise Beschränkung auf Geimpfte oder Genesene, waren nicht immer verhältnismäßig. Förster-Grüber schreibt: „Einige Stammkunden sind aus Protest nicht mehr in die Bibliothek gekommen und haben vereinzelt ihre Ausweise zurückgegeben. Auch verbale Entgleisungen gegenüber den Mitarbeiterinnen kamen vor.“

Wegen der 2G und 3G-Zugangsregelung hätten am Eingang auch viele Jugendliche abgewiesen werden müssen, die die Bibliothek zum Lernen besuchen wollten. Für Christine Förster-Grüber war dies eine „ungute Situation, da die Stadtbibliothek seit Jahren ein Konzept des offenen Lern- und Aufenthaltsorts umsetzt“.

Unabhängig vom Corona-Geschehen hat die Stadtbibliothek im Vorjahr mehrere Projekte erfolgreich realisiert. Dazu gehört das Angebot von so genannten Tonie-Boxen. Dank eines Zuschusses der Landesfachstelle für Bibliothekswesen wurden über 200 Tonie-Figuren und drei Tonie-Boxen angeschafft. Tonies sind kleine Figuren, die Audiodateien mit Hörspielen enthalten. Sie sind bei kleinen Kindern äußerst beliebt.

Neu geschaffen wurde im Vorjahr auch die Möglichkeit, über die Bibliothek Filme zu streamen. Es funktioniert über den Streaming-Dienst „filmfriend“, dem die Bibliothek beigetreten ist.

Erfolgreich war laut Förster-Grüber ein Roboter-Projekt, das man gemeinsam mit der Kirchen- und der Kleinfeldschule angeboten hat. Es richtete sich an Kinder von so genannten Deutsch-Klassen, die über einen Migrationshintergrund verfügen. Sie wurden mit dem spielerischen Programmieren von kleinen Robotern an Sprach- und Lerninhalte herangeführt. Das Projekt soll laut Förster-Grüber intensiviert werden.

Die Zukunftspläne der Stadtbibliothek sehen unter anderem vor, dass noch im laufenden Jahr das Logo erneuert werden soll. Das alte gibt es seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1994 und ist laut Christine Förster-Grüber „etwas in die Jahre gekommen“. Das neue Logo soll die Zugehörigkeit zur Stadt grafisch besser verdeutlichen. Gemeinsam mit dem Kulturamt und der Standortförderung wird zudem aktuell ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Ziel ist unter anderem, die Bibliothek noch präsenter im Stadtbild und als Einrichtung bekannter zu machen.

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