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Stadtkapelle wird 50 und feiert sich selbst

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Von: Ulrike Osman

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Die Stadtkapelle begeisterte bei ihrem Jubiläumskonzert im Orlandosaal. Am Dirigentenpult stand coronabedingt Harald Stößner.
Die Stadtkapelle begeisterte bei ihrem Jubiläumskonzert im Orlandosaal. Am Dirigentenpult stand coronabedingt Harald Stößner. © Peter Weber

Ein halbes Jahrhundert Stadtkapelle Germering –wenn das kein Grund ist, es musikalisch so richtig krachen zu lassen. Und so geriet das Jubiläumskonzert im Orlando-Saal der Stadthalle zu einem glanzvollen Musik-Event und einer Verbeugung vor großen Komponisten und Musikern.

Germering – Im Programm fanden sich ausschließlich Namen, die heuer ebenfalls mit runden Zahlen in Verbindung gebracht werden. Franz Liszt hätte seinen 210. Geburtstag gefeiert, Gustav Mahler seinen 110., Camille Saint-Saens und Astor Piazolla jeweils ihren 100. Mozart hatte seinen 230. Todestag, Louis Armstrong den 50. Todes- und 120. Geburtstag. Die Pop-Giganten Phil Collins und Sting wurden heuer beide 70 Jahre alt. Was für eine tolle Mischung, freute man sich bereits vorab beim Lesen des Programms – und wurde in den eineinhalb Konzertstunden nicht enttäuscht.

Dirigent in Quarantäne

Zackig ging es los mit Liszts Ungarischem Sturmmarsch, doch wer war da eigentlich auf das Dirigentenpult marschiert? Der mit Spannung erwartete neue Stadtkapellen-Dirigent Matthias Zippel war es nicht. Er war kurz zuvor als Kontaktperson eines Infizierten in Corona-Quarantäne geschickt worden. Vize-Dirigent Harald Stößner musste übernehmen und führte die Stadtkapelle gut gelaunt und zunehmend aus sich herausgehend durch die anspruchsvollen Stücke, darunter der „Danse Bacchanale“ aus der Oper „Samson und Delila“, Mozarts „Türkischer Marsch“, Piazollas „Libertango“ und ein Phil-Collins-Medley.

Zum besonderen Schmankerl geriet „Der Titan“ aus Gustav Mahlers 1. Symphonie, eine zum Trauermarsch verfremdete Bearbeitung des Volkslied-Kanons „Bruder Jakob“ – trotz Moll-Tonart und einer gewissen klanglichen Düsternis ein großer Hör-Spaß. Bei Stings „Englishman in New York“ und einem Medley aus Louis-Armstrong-Hits schlug die Stunde einiger ganz hervorragender Solisten, darunter Bernhard Götz (Klarinette) und Robert Baumgartner (Trompete).

Nachwuchs-Probleme

Angesichts der musikalischen Qualität und Leidenschaft der Mitglieder zeigte sich OB Andreas Haas in seinem Grußwort überzeugt, dass die Stadtkapelle auch noch ihren 100. Geburtstag feiern wird. Ein Problem gibt es dabei allerdings – es fehlt der Nachwuchs. Schon seit einigen Jahren hat die Stadtkapelle kein eigenes Jugendorchester mehr. „Leider hat auch eine Zusammenarbeit mit Musikschule und befreundeten Vereinen bisher nicht zum Erfolg geführt“, heißt es im Jubiläums-Programmheft. „Jugendliche und Kinder, die ein Blasinstrument lernen und im Orchester mitspielen wollen, sind rar.“

Erschwerend hinzu kommt, dass mit dem Sinfonischen Blasorchester eine starke zweite musikalische Kraft im gleichen Genre existiert. Doch Zukunftssorgen wollte sich am Jubiläumsabend niemand machen, zumal sie mittelfristig sicher unbegründet wären – in den Reihen der Musiker sah man viele junge und jung gebliebene Gesichter.

So fing alles an

Reinhard Hofmann ist der einzige, der schon dabei war, als die Stadtkapelle 1971 als „Musikzug Unterpfaffenhofen-Germering“ gegründet wurde. Er war es auch, der die Grundlagen für das erste Repertoire des damaligen Spielmannszugs legte. Mit dem Kassettenrekorder nahm Hofmann 1970 vor dem Fernseher die Musik auf, die bei den großen Rosenmontagsumzügen im Rheinland gespielt wurde, und übertrug sie in Noten. In der Anfangszeit spielte die Kapelle bis zu 50 Mal im Jahr. Doch Qualität geht ohnehin über Quantität. Wenn die Auftritte zu solch musikalischen Festmenüs werden sollen, wie das Jubiläumskonzert eines war, braucht es viel Vorbereitungs- und Probenzeit. Das Publikum war jedenfalls begeistert und erklatschte sich zwei Zugaben.

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