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Am Schusterhäusl entsteht ein Erlebnishof - einige bekannte Tiere vom Streichelzoo sind dabei

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Von: Helga Zagermann

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Nicole Amberger und ihre Tochter Lucia auf dem „dienstältesten“ Pferd Suni, das seit 20 Jahren für pädagogische Arbeit eingesetzt wird.
Nicole Amberger und ihre Tochter Lucia auf dem „dienstältesten“ Pferd Suni, das seit 20 Jahren für pädagogische Arbeit eingesetzt wird. © Peter Weber

Der beliebte Streichelzoo der Familie Frischmuth am Schusterhäusl ist Vergangenheit. Doch nun erwacht das Areal aus dem Dornröschenschlaf: Zwei Frauen und ihr Team bauen dort einen Erlebnishof auf. Angeboten werden sollen Reitpädagogik, tiergestützte Therapie, Förderung und Coaching.

Germering – Jeden Samstag ab 10 Uhr wird gewerkelt. Dann sind Freiwillige eingeladen, die Zukunft des großen Geländes am Schusterhäusl mitzugestalten. Viele kennen den Streichelzoo aus ihrer Kindheit oder waren früher mit ihrem Nachwuchs dort – und deshalb freuen sie sich, wenn das Areal zum Leben erweckt wird. Sie rücken mit Arbeitshandschuhen und Mückenschutz an, Werkzeuge sind vor Ort vorhanden.

Nicole Amberger mit „Willkommensgeschenk Snow“.
Nicole Amberger mit „Willkommensgeschenk Snow“. © Peter Weber

Bis zu zehn Helfer sind samstags dabei, berichtet die Germeringerin Sandy Kaiser (34). Sie und die 46-jährige Nicole Amberger aus Puchheim-Ort sind für die Unterstützung sehr dankbar. Die beiden, ihre Familien und weitere Familien haben sich nämlich eine Mammutaufgabe vorgenommen: Der „Erlebnishof am Schusterhäusl“ soll ein Paradies für Tier und Mensch werden.

Zwei Hektar Land, die sie von einem Privatbesitzer langfristig gepachtet haben, werden umgestaltet. Das wird Monate dauern. Aber Sandy Kaiser, Heilpraktikerin für Psychotherapie, spezialisiert auf Kinder, Jugend und Familie, und Nicole Amberger, Reitpädagogin und Kinderpflegerin, sind optimistisch: Sie nehmen sich die Zeit für ihr Paradies. Anfang Juni haben sie mit der Arbeit begonnen. Seitdem sind sie jeden Tag vor Ort.

Der private Streichelzoo, zuletzt 2018 für die Öffentlichkeit zugänglich, wird ein Ort der Begegnung zwischen Mensch und Tier. Die Tiere dürfen ihr Dasein genießen – sie seien kein Streichelobjekt, obwohl sie sich natürlich über Zuwendung freuen, sagt die 34-Jährige: „Die Tiere sind viel mehr – sie sind unsere Co-Therapeuten.“ Über sie bekomme man Zugang zu den Menschen. Begleitet werden können zum Beispiel von Lern- und Konzentrationsstörungen, Depressionen oder Burn-out Betroffene, aber auch körperlich eingeschränkte Menschen.

Auf dem Areal sollen Kurse und Seminare angeboten werden, Förderung und Training, Achtsamkeitsübungen und „Auszeiten vom Alltag“, natürlich auch für Gesunde. Sogar Kindergeburtstage sollen möglich sein. Mit der Stadt will man zusammenarbeiten, etwa wie früher beim Ferienprogramm. Zudem kooperiert der Erlebnishof mit sozialen Einrichtungen wie Altenheimen, Kindergärten und Schulen. Die Nachfrage nach all dem sei vorhanden, betonen die beiden Frauen. Sie haben viele Anfragen.

Esel Rudi als Wachhund

Wichtig ist dem Duo, dass es den Tieren gut geht: Sie wollen eine rundum artgerechte Haltung umsetzen. Das beginnt bei Ställen und Freiflächen und endet beim Futter.

Sandy Kaiser mit Esel Rudi, der 24 Jahre alt ist und schon immer am Schusterhäusl wohnt.
Sandy Kaiser mit Esel Rudi, der 24 Jahre alt ist und schon immer am Schusterhäusl wohnt. © Peter Weber

Ein paar Tiere bewohnen das Gelände bereits. Da ist Esel Rudi, 24 Jahre alt und mit seinen „Iah“-Rufen ein prima Wachhund. Lautstark unterstützt wird er von einem Hahn, der mit vier Hühnern am Hof lebt. Zudem gibt es Mini-Shettys mit einem Fohlen, das just an dem Tag auf die Welt kam, als das Duo das Gelände übernahm. Es wurde auf den Namen „Snow“ getauft. Und schließlich sind da noch einige Zwergziegen, die als „Rasenmäher“ beim Umbau des Areals mithelfen.

Rosengarten: Anita Jörger-Blumberg.
Rosengarten: Anita Jörger-Blumberg. © Peter Weber

Gründer der Anlage kürzlich verstorben

Für das Duo war vollkommen klar, dass es alle tierischen Bewohner von der Familie Frischmuth übernimmt – Streichelzoo-Gründer Walter Frischmuth war kürzlich mit 89 Jahren verstorben. Zuletzt hatten sich seine Tochter Sylvia und seine Frau Anni um die Bewohner des dann schon geschlossenen Streichelzoos gekümmert.

Kontakt zur Familie Frischmuth aufgenommen hatte Anita Jörger-Blumberg (43), seit ihrer Kindheit mit Nicole Amberger befreundet und Teil der Hofgemeinschaft. Sie hatte der Familie schon vor Jahren gesagt, sie kenne jemanden, der an dem Gelände interessiert sei, sobald sich die Frischmuths von der Pacht zurückziehen wollen. Einige Zeit später wurde der Familie dann das Konzept für den Erlebnishof vorgelegt.

Die langjährigen Betreiber des Streichelzoos setzten sich beim Verpächter des Geländes für das Frauen-Duo ein. „Wir sind der Familie Frischmuth unheimlich dankbar für das Vertrauen und die aufblühende Freundschaft“, sagt Sandy Kaiser. „Und wir sind stolz, dass wir diesen Ort für Tiere und Menschen weiterführen dürfen.“

Das Duo will auch mit den eigenen Pferden auf dem Hof arbeiten. Nicole Amberger betreibt bereits seit einigen Jahren ihre Firma „Mit Pferden erleben“ in Alling.

Leo Blumberg (11) darf die Ziegen füttern.
Leo Blumberg (11) darf die Ziegen füttern. © Peter Weber

Am „Erlebnishof am Schusterhäusl“ werden erweiterte Angebote möglich sein – einfach weil dort noch mehr Platz ist. Etwa für einen Rosengarten zur Meditation – hier kann sich Floristin Anita Jörger-Blumberg besonders einbringen.

Auch ein Wassergarten soll gestaltet werden. Insgesamt sind also Räume für Naturpädagogik im Entstehen. „Das hier ist unser Lebenstraum“, sagt Sandy Kaiser. „Dafür ackert das Team vom Erlebnishof gerne jeden Tag.“

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