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Kirchen erobern sich die Nacht

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Die Lange Nacht der Kirchen ist nach drei Jahren Coronapause wieder zurück. Das Programm präsentierte sich zwar leicht abgespeckt, wurde aber gut angenommen. Und es bot selbst für Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster noch Überraschend

Germering – Dass die Kongressglocke im Turm von St. Cäcilia über 1000 Kilo wiegt war einer der Aha-Effekte bei der Führung durch das Kirchenareal der katholischen Pfarrei am östlichen Rand der Stadt. Pfarrheim, Sakristei und Jahreskrippe, die Gruppe der Interessierten lauschten den Ausführungen Regine Thalhammer andächtig – darunter auch Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster. Dann aber berichtete Thalhammer über die 1960 eingeweihte Kirche: „Der Altar war einer der ersten Volksaltäre. Das sind die Menschen damals sogar von weit her gekommen, um sich das anzusehen.“ Jaster hob erstaunt den Kopf: „Das ist neu für mich. Aber interessant, das zu erfahren.“

Aber auch ganz persönliche Geschichten lieferte die Lange Nacht der Kirchen – wie die von Ella Anders. Erst 2015, mit 69 Jahren, ist sie zum Malen gekommen, berichtete sie. Trotzdem sind schon jede Menge farbenfrohe Bilder zusammen gekommen. So viele, dass sie die Ausstellung in der Freien Evangelischen Gemeinde gut füllen. „Manchmal fange ich mit geschlossenen Augen, da lasse ich meine Hand von Gott führen“, erzählt die gläubige Frau. Beim Malen und dann bei Betrachten der Bilder empfinde sie immer viel innere Freude, so Anders.

So richtig nach außen getragen haben dagegen ihre Begeisterung „Sound-around“, ein Crossover-Chor, der in Don Bosco Pop und Gospel vereinte. „Endlich können wir wieder für Sie singen“, kündigten sie ihren Auftritt vor den doch recht dicht besetzten Reihen an. Und das Publikum ließ sich dankbar mitreißen, reagierte mit Beifall und spontanen Jubelrufen – fast wie bei einem Popkonzert. Passte aber: Der Chor hatte Stücke von Robby Williams und Rammstein im Gepäck. Für Diakon Benno Saruba ein Beweis, dass Kirche nicht langweilig und verzopft ist. „Wir hatten viel junges Publikum“, erzählte er. Da könne die Lange Nacht der Kirchen schon bewirken, dass der eine oder andere im Alltag den Weg in eine Kirchengemeinde finde.

Pfarrer Lange Nacht Kirchen
Beim abschließenden Zusammenkommen vor der Stadthalle segneten (v.l.): Pfarrer Michael Lorenz (Dietrich Bonhoeffer-Kirche, Thomas Scheitacker (Freie evangelische Gemeinde) und Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster die Besucher. © Hans Kürzl

Für die Vorbereitungen dazu hatten die katholischen und evangelischen Pfarreien ihre eigenen Beitrag vorbereitet und geleistet. „Dank vieler engagierter Menschen ist das recht reibungslos gegangen“, berichtete Pastor Thomas Scheitacker von der Freien Evangelischen Gemeinde. Wie in den andere Kirchen auch hatte Scheitacker die Türen seines Hauses stets offen gelassen, um ein herzliches Willkommen zu signalisieren. Das entsprach dem aus dem Matthäus-Evangelium entnommenen Motto: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“

Das galt gleichermaßen für die eher ruhigen Angebote, zu denen unter anderem Vorträge über „Verrat und Widerstand im Dritten Reich“, den Sinn des Glaubens, stille Anbetungen und Meditiationen, aber auch der Filmgottesdienst im Jochen-Klepper-Haus gehörten.

Den Abschluss der Langen Nacht der Kirchen bildete das „Come together“, das Zusammenkommen vor der Stadthalle. Wie bei den bisherigen Langen Nächten wurde dabei der ökumenische Segen erteilt. Stadtpfarrer Jaster nahm dies zu m Anlass, um von einer „wunderbaren Verbindung zwischen Amtskirche und den Gläubigen zu sprechen“. Es sei auch eine große Freude zu spüren gewesen, nach den Corona-Berschränkungen wieder zusammen kommen zu können.

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