Ein Luftreiniger steht in der Landesgeschäftsstelle von Die Linke Baden-Württemberg.
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Germering wird vorerst keine Luftfilteranlagen für die Klassenzimmer der örtlichen Schulen zur Verhinderung von Corona-Infektionen anschaffen. (Symbolbild)

Einstimmig entschieden

Germering verzichtet auf Kauf von Luftreinigern für Klassenzimmer

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Der Stadtrat hat entschieden: Vorerst werden keine Luftfilter für die Klassenzimmer der örtlichen Schulen zur Verhinderung von Corona-Infektionen angeschafft.

Germering – Nach einer Empfehlung der Verwaltung kam der Stadtrat in der letzten Sitzung des Jahres einstimmig zu dem Ergebnis keine Luftfilteranlagen anzuschaffen. Auch die SPD, die einen entsprechenden Antrag gestellt hatte, unterstützte dieses Vorgehen. Das Bauamt hatte im Vorfeld die Pros und Kontras der Anschaffung detailliert untersucht.

Ein weiterer Punkt des SPD-Antrags wurde aber schon erfüllt. In den Klassenzimmern werden so genannte CO2-Ampeln installiert. Sie messen die Kohlendioxid-Konzentration, die als Indikator einer möglichen Viruskonzentration gilt. Wenn ein bestimmter Wert überschritten ist, zeigen sie an, dass wieder gelüftet werden muss. Die Stadt hat 70 dieser Ampeln bestellt. Zusätzlich wurden noch vier Bausätze angeschafft, die die Wittelsbacher Mittelschüler im Werkunterricht selber zusammenbauen sollen.

Bauamtsmitarbeiter Andreas Robrecht, als Ingenieur mit der Thematik bestens vertraut, hat sich in den vergangenen Wochen eingehend mit den Luftfilteranlagen befasst. Er berichtete im Stadtrat, dass aktuell von den Experten Filteranlagen nur in Ausnahmefällen empfohlen werden.

Auch das Umweltbundesamt sei zum Schluss gekommen, dass das Lüften der Räume vorzuziehen sie. Begründet wird das unter anderem auch mit der Geräusche-Entwicklung, die von den Anlagen ausgeht. Außerdem müssten umfangreiche Randbedingungen erfüllt sein, damit das Aufstellen von Luftreinigern sinnvoll ist. Das Fazit des Umweltbundesamtes ist deutlich: Nur in Zimmern, die nicht ausreichend gelüftet werden könnten, sollten solche Geräte eingesetzt werden – mit richtig Lüften meinen die Sachverständigen, dass Fenster nicht nur gekippt, sondern quer geöffnet werden können. Der Freistaat würde den Kauf von Luftreinigern deswegen nur für Räume fördern, die nicht gelüftet werden können.

Robrecht hat sich in allen Schulen und auch in den Kindertagesstätten umgesehen und die Räume inspiziert. Sein Ergebnis war eindeutig: „Wir können alle Räume über Fenster lüften.“ Die wenigen Zimmer, die nicht geeignet waren, sind ohne großen Aufwand umgebaut worden – unter anderem wurden Öffnungsbegrenzer an den Fenstern entfernt und Rahmenschlösser entriegelt. Diese Fenster können jetzt also auch quer geöffnet werden.

Die Stadt wird die Thematik laut Robrecht weiter beobachten. Sollten sich der Wissensstand oder auch die Fördervoraussetzungen ändern, werde man die Entscheidung überprüfen.

SPD-Sprecher und Antragssteller Daniel Liebetruth, er ist selbst Lehrer, bedankte sich bei der Verwaltung für die „vorbildliche Analyse“. Das von Robrecht ausgearbeitete umfangreiche Lüftungskonzept für jede einzelne Schule sei auch eine große Hilfe für die Lehrkräfte. Er sei jetzt auch dafür, keine Luftfilteranlagen zu kaufen.

Die CO2-Ampeln für die Schulen sind laut Martin Rattenberger, Leiter des städtischen Sozial- und Jugendamtes, schon bestellt. Sie werden wohl noch nächste Woche installiert. Auch für die städtischen Kindertagesstätten sollen 30 dieser Frühwarnsysteme gekauft werden. Der zusätzliche Kauf von Bausätzen, den Grünen-Stadtrat Gerhard Blahusch angeregt hatte, sei von der Schule begrüßt worden.

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