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1997: Die Künstlerin Brigitte Storch und ihre Helfer errichten die Wachstumsspirale. Sie halten sich dabei an eine mathematische Folge.

Serie: Die Kunst der Öffentlichkeit (Folge 3) 

Steineklau an der Wachstumsspirale

Im Park hinter dem Rathaus liegen Steine, die im Kreis angeordnet sind. Sie bilden ein Kunstwerk, die Wachstumsspirale – ein Symbol für Leben. Leider schrumpft sie seit Jahren, weil Steine gestohlen werden.

Germering – Am Anfang war nicht das Wort, sondern der Stein – zumindest in dieser Geschichte über ein Kunstwerk im Park hinterm Rathaus, bei dem sich so mancher Passant fragt: Warum liegen hier Steine rum? Genauer gesagt handelt es sich um 20 Tonnen schweres Dolomitgestein. Es bildet die so genannte Wachstumsspirale.

Ihre Erschafferin ist die Künstlerin Brigitte Storch. Vor genau 20 Jahren und im Zuge des Agenda-21-Projekts Roter Faden richteten die Eichenauerin und ihre Helfer Stein an Stein auf einer Fläche hinterm Rathaus aus. „Damals wurde die Isar renaturiert, ein befreundeter Bauingenieur vermittelte mir den Kontakt zu einer Firma, die die Steinbrocken kostenlos lieferte“, erinnert sich die heute 70-Jährige, die seit 1991 Mitglied im Kunstkreis Germering ist. „Die Spirale gilt als Zeichen für Involution und Evolution im gesamten Kosmos mit Wiederkehr und Erneuerung – sie ist Ursymbol des Lebens“, sagt Storch. „Leider ist sie heute nur noch in Teilen erhalten.“

2017: Heute ist von der Spirale nicht mehr viel übrig. Unbekannte haben Steine geklaut.

Die Wachstumsspirale ist über die Jahre immer kleiner geworden. Storch vermutet, dass Steine geklaut wurden und nun in irgendwelchen Häusergärten herumliegen. Nun erwägt man bei der Stadt, die Spirale an einen anderen Ort zu verlegen. Schließlich stoßen auch die Bauhofmitarbeiter bei der Pflege der Grünanlage rund um den Steinkreis an ihre Grenzen. Außerdem will die Stadt den Rathauspark umgestalten.

Auf Tagblatt-Nachfrage teilt Thomas Wieser vom Umweltamt mit, dass eine Umsiedelung des Kunstwerks kurz bevorstehe. Er wolle sich allerdings noch mit der Künstlerin kurzschließen. Als neuer Standort komme eine Fläche oberhalb des Germeringer Sees, beim Biotop in Richtung Waldkindergarten/Burgstall, beim Gehölzerlebnispfad, in Frage. „Dort ist eine geeignete Fläche mit niedrigem Bewuchs, die Maßnahme soll am Besten noch im Frühjahr über die Bühne gehen.“ Auch Storch hofft, dass ihr Kunstwerk erhalten bleibt. „Die Spirale ist eines der ältesten Symbole vieler Urvölker – seit den 1980er-Jahren beschäftige ich mich damit“, sagt sie.

Bei der Gestaltung der Wachstumsspirale hielt sich Storch an die so genannten Fibonacci-Folge. Demnach ergibt die Summe der jeweils vorangegangenen zwei Zahlen die nächste Zahl (1+2=3; 2+3=5....). Doch beim Aufbau der Spirale war nicht nur Gehirnarbeit, sondern auch Muskelkraft gefragt. „Damals haben viele Freunde und Kollegen aus dem Kunstkreis mitgeholfen, damit ich es realisieren konnte – wir hatten hinterher alle ziemlich Kreuzweh“, sagt die Künstlerin.

Stein an Stein: Lange ist die Spirale im Park hinter dem Rathaus gut erhalten. Sie ist ein Zeichen für Wiederkehr und Erneuerung.

Letztens hat Storch alte Unterlagen zu ihrem Werk durchforstet. Dabei fand sie einen Text, der ihr schon vor 20 Jahren besonders wichtig war: „Der Mensch kann nicht aufhören, sich zu entwickeln, Fortschritt kann positiv und auch negativ sein; doch der Mensch hat die Möglichkeit, die Natur zu achten, damit das Leben nach uns noch gedeihen kann.“

Brigitte Storch sagt, die Wachstumsspirale solle die Menschen genau daran erinnern und einen Denkanstoß geben für eine Rückbesinnung auf frühere Kulturen, die im Einklang mit der Natur und in Ehrfurcht vor ihr lebten. Vielleicht trägt die Wachstumsspirale fortan an ihrer neuen Stelle oberhalb des Germeringer Sees dazu bei.

Von Angi Kiener

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