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Germeringer Aktion hilft Obdachlosen

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Von: Ulrike Osman

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Mitglieder der Aktion Brücke bei einer Sammelaktion in München (links).
Mitglieder der Aktion Brücke bei einer Sammelaktion in München. © Privat

Obdachlosigkeit ist kein Thema, das nur Großstädte betrifft. Auch im Landkreis gibt es Menschen, die auf der Straße leben. Ihnen zu helfen, hat sich die in Germering ansässige Aktion Brücke zur Aufgabe gemacht.

Germering – Es ist nicht so, dass Anja Sauer (36), Veronika Aichinger (46) und Jorge Martins (39) sich ohne ehrenamtliches Engagement langweilen würden. Alle drei haben Familie und Vollzeitjobs. Aber sie haben eben auch das, was Anja Sauer als „klassisches Helfersyndrom“ bezeichnet. Als die Germeringerin im letzten Winter in den sozialen Netzwerken über einen Spendenaufruf für eine Hilfsorganisation stolperte, war sie auf einmal mittendrin im Thema Obdachlosenhilfe. Im April gründete sie gemeinsam mit Aichinger und Martins die Aktion Brücke.

Seitdem sind die drei und mittlerweile an die 30 Helfer täglich auf Achse. Zwar gibt es im Landkreis – anders als in München – kaum feste Schlaf- und Lagerplätze, an denen man Betroffene findet. Doch über ein wachsendes Netzwerk aus Unterstützern erfahren Anja Sauer und ihre Mitstreiter, wenn irgendwo ein offensichtlich verwahrloster Mensch gesichtet wurde. Dann setzt sich einer der Aktiven ins Auto und fährt los – mit Proviant, Getränken, frischer Kleidung und Hygieneartikeln.

Mitglieder der Aktion Brücke bei einer Sammelaktion in München (links). Gegründet wurde die Initiative von (oben) Anja Sauer und Veronika Aichinger.
Mitglieder der Aktion Brücke bei einer Sammelaktion in München (links). Gegründet wurde die Initiative von (oben) Anja Sauer und Veronika Aichinger. © Privat

Mindestens genauso wichtig wie die materielle Hilfe ist die Zuwendung der Helfer. Sie hören zu, helfen bei Behördengängen und Antragstellungen, gehen mit zur Schuldnerberatung, unterstützen bei der Beschaffung fehlender Ausweispapiere, bei der Korrespondenz mit Krankenkassen und der Suche nach einem Platz in einer Suchteinrichtung. Ist der gefunden, begleiten sie den Erkrankten durch den Entzug.

„Wir versuchen auch, Wünsche zu erfüllen“, erzählt Anja Sauer. Neulich haben sie jemandem eine Campingliege besorgt, der nach jahrelangem Nächtigen auf Parkbänken nicht mehr in einem Bett schlafen konnte. Berührungsängste kennt die 36-Jährige nicht. Als ehemalige Rettungssanitäterin und Sanitätshaus-Fachverkäuferin findet sie leicht Zugang zu Menschen, die Hilfe brauchen. „Wenn man mit einer offenen, warmen Art auf jemanden zugeht, kann man schnell das Vertrauen gewinnen.“ Ausnahmen sind selten, aber es gibt sie. Manchmal will jemand partout nicht zugeben, dass er in Not ist, selbst, wenn es offensichtlich ist. Dann sind Geduld gefragt und lange Gespräche.

Wie viele Menschen im Landkreis ohne ein festes Dach über dem Kopf leben, lässt sich schwer sagen. Die Zahl der Obdachlosen schwankt naturgemäß schon deshalb, weil sie ständig auf Achse sind. Doch Anja Sauer weiß, dass allein in einer Germeringer Unterkunft regelmäßig 140 Menschen übernachten. Das Einsatzgebiet der Aktion Brücke ist nicht auf den Landkreis beschränkt. Neulich meldete sich eine Frau aus Gilching, die im strömenden Regen einen verwahrlosten Mann im Rollstuhl gesehen hatte. Anja Sauer fuhr zu der bezeichneten Stelle und war froh, als sie nach einigem Suchen den Betroffenen fand. Solche Anrufe kommen mittlerweile jeden Tag. „Eigentlich ist das inzwischen ein Fulltime-Job“, sagt die 36-Jährige, weit entfernt davon, über die Belastung zu klagen. „Wir lieben diese Arbeit.“

Jeden Samstag nimmt die Aktion Brücke in der Gabriele-Münter-Straße 3 in Germering Spenden entgegen. Benötigt werden neben Kleidung und Hygieneartikeln auch Dinge wie Campinggeschirr, Isomatten und Rucksäcke. Weitere Infos gibt’s im Internet auf www.aktion-bruecke.de.

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