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Radiomoderator aus Germering „enttäuscht von Putin“ - Cousine moderiert russische Talkshow

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Von: Thomas Benedikt, Peter Loder

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Zutiefst enttäuscht ist Alexander Tauscher vom Verhalten Wladimir Putins. Der Radiomoderator hatte eine russische Mutter und war zuletzt an Silvester zu Besuch bei seiner Cousine in Russland. Auf dem Foto steht er vor dem Kreml in Moskau.
Zutiefst enttäuscht ist Alexander Tauscher vom Verhalten Wladimir Putins. Der Radiomoderator hatte eine russische Mutter und war zuletzt an Silvester zu Besuch bei seiner Cousine in Russland. Auf dem Foto steht er vor dem Kreml in Moskau. © Privat

Vom einfachen Menschen bis zum Politiker. Der Ukraine-Krieg beschäftigt alle. Während die einen von Putins Aggression enttäuscht sind, bereiten die anderen den Weg in die politische Zukunft.

Landkreis – „Ich habe eine russische Seele und werde Russland immer lieben, doch jetzt ist in mir ein Weltbild zusammengebrochen.“ Alexander Tauscher ist vor 49 Jahren zwar in der damaligen DDR geboren und deutscher Staatsangehöriger. Doch in dem Radiomoderator aus Germering fließt russisches Blut. Seine verstorbene Mutter war Russin.

Die jüngsten Ereignisse haben ihn aufgewühlt, er ist schockiert. Mehrmals im Jahr flog Tauscher bislang immer nach Moskau, um seine einzig noch lebende Verwandte zu besuchen. Mit der Cousine feierte er noch vor wenigen Wochen den Jahreswechsel. Damals dachte er noch nicht, dass es sein vorerst letzter Besuch in der zweiten Heimat sein würde. Am 6. Mai war das nächste Wiedersehen geplant. Der Flug war schon gebucht, das Visum erst vor wenigen Tagen erteilt worden. Doch jetzt sind alle Lufträume zwischen München und Moskau gesperrt.

Tauschers Cousine ist die für den landesweit ausgestrahlten russischen TV-Sender „Swesda“ (Der Stern) arbeitende Journalistin Natalia Metlina. Sie moderiert in der zum russischen Verteidigungsministerium gehörenden Fernsehanstalt viermal pro Woche eine Talkshow und gehört als parteilose Abgeordnete dem Moskauer Stadtrat an. Tauscher schaut dank der auf seinem Germeringer Balkon installierten Satellitenschüssel regelmäßig zu, wenn sie im 2300 Kilometer entfernten TV-Studio auf Sendung ist – so auch jetzt, während des Kriegs in der Ukraine.

Dabei fällt ihm vor allem die „auseinandergehende Sichtweise auf die Geschehnisse“ auf. Über seine Cousine sagt er: „Sie versucht vor der Kamera immer, möglichst neutral zu sein, und vermeidet jede abwertende Äußerung über die Ukraine. Dies ist in russischen staatlichen Medien nicht selbstverständlich.“

Der 49-Jährige, dessen Reisereportagen seit 15 Jahren von bundesweit 40 Radiosendern ausgestrahlt werden, hatte bis vor zwei Wochen „noch viel Verständnis“ für Putins Ukraine-Politik. „Jetzt aber macht er mir Angst. Ich bin enttäuscht von ihm.“ Tauscher kennt Land und Leute zu genau, weshalb er glaubt: „Die Mehrheit steht weiterhin hinter Putin, er wird als starker Mann gesehen.“

Trotzdem: Eine erst an Silvester gemachte „rührende Begegnung“ macht Tauscher Hoffnung auf Entspannung: „Ein Vertrauter des ehemaligen Präsidenten Gorbatschow hat zu mir gesagt: Wir würden doch niemals aufeinander schießen.“

Politiker sprechen von Zeitenwende

Und während Menschen wie Alexander Tauscher noch auf Entspannung hoffen, wurden in einer Sondersitzung des Bundestags in Berlin die Weichen für eine Neuausrichtung der Außenpolitik gestellt. Mit dabei war der Olchinger SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi. Von einer angemessenen und treffenden Rede des Bundeskanzlers spricht der SPD-Mann. „Die Debatte am Sonntag war historisch“, sagt auch Grünen-Abgeordnete Beate Walter-Rosenheimer. Das Signal nach innen und außen sei laut Schrodi klar: „Wir werden alles tun, um uns und die europäischen Nachbarn zu schützen.“ Die letzten Tage seien das Ende der europäischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur gewesen. „Wir haben deshalb unsere Außen- und Sicherheitspolitik an den neuen Herausforderungen schnell und klar angepasst“, sagt Schrodi.

Von einer Kehrtwende der Außen- und Verteidigungspolitik spricht auch Katrin Staffler. Die CSU-Bundestagsabgeordnete, die wegen einer Corona-Infektion nicht an der Sitzung teilnehmen konnte, unterstützt den Vorstoß der Regierung, mehr Geld in die Bundeswehr zu investieren. lo/ben

Fleißige Helfer sammeln weiterhin Spenden im Landkreis und fahren sie an die polnisch-ukrainische Grenze. Nach der Atomdrohung Putins steigt in der Region die Nachfrage nach Jodtabletten.

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