Natalie Fischer und ihr Buch „Diagnose Krebs“. Ihre Erkenntnisse lassen sich auch auf den Umgang mit der Corona-Krise anwenden.  

Nach Krebserkrankung

Germeringerin schreibt Krisen-Ratgeber 

Als Psychologin begleitet Natalie Fischer Menschen durch Krisen.  Als sie selbst Krebs bekam, lernte sie die Situation von der anderen Seite kennen. Nun hat die Germeringerin einen Ratgeber herausgebracht. 

Germering – „Diagnose Krebs – und jetzt?“, heißt das Buch. Mit genau dieser Frage wurde die 44-Jährige aus heiterem Himmel konfrontiert. Bis auf einen geschwollenen Lymphknoten hatte sie keinerlei Symptome. Als die Schwellung nach drei Monaten immer noch da war, ging sie zum Arzt. „Aber ich war gar nicht in Sorge“, erzählt die Mutter einer zwölfjährigen Tochter. Sie hatte sich immer gesund ernährt, Sport getrieben, keinen Alkohol getrunken. „Ich war kein Risikopatient.“ Umso größer der Schock, als sie erfuhr, dass sie unter einem Non-Hodgkin-Lymphom litt, einer bösartigen Erkrankung des lymphatischen Systems.

Vorletztes Jahr war das. Inzwischen ist Natalie Fischer wieder gesund, aber sie hat aus ihrer Krankheitsgeschichte eine Erfahrung mitgenommen, die sie „unfassbar und bedrückend“ fand – nämlich die, dass Menschen nach einer Krebsdiagnose zwar schnell schulmedizinische Hilfe bekommen, vieles andere jedoch ausgespart wird. Informationen über ergänzende Medizin und die Linderung von Nebenwirkungen, psychologische Unterstützung, Ernährungsempfehlungen, guten Rat für den Umgang mit Angehörigen, vor allem den Kindern – alles meist Fehlanzeige.

Fischer suchte nach Literatur und fand nichts, was alle Aspekte berücksichtigte, die ihr wichtig erschienen. Deshalb hat die 44-Jährige, die mit einem Arzt verheiratet ist und mit ihm zusammen eine allgemeinärztlich-psychotherapeutische Praxis in Germering betreibt, einen 156 Seiten starken „Erste-Hilfe-Ratgeber“ zu Papier gebracht. Darin behandelt sie in kompakter Form unter anderem unterschiedliche medizinische Ansätze, Patientenrechte und zuverlässige Informationsquellen. Sie gibt Tipps für die Vorbereitung auf Untersuchungen und Arztgespräche, für die richtige Ernährung und die Verringerung von Nebenwirkungen. Vor allem geht es um die Frage, wie man sich als Betroffener in dieser schwierigen Situation gut um sich selbst kümmern kann.

Denn die Psyche und ihre Interaktion mit dem Körper spielen – nicht nur bei Krebserkrankungen – eine entscheidende Rolle. Negative Gedanken und Emotionen führen zu einer schlechteren Immunabwehr, schreibt Fischer. Hilfreiche Gedanken und eine ausgeglichene Gefühlslage würden die körpereigene Abwehr verbessern. Das hat nichts damit zu tun, sich eine Situation schön zu reden. „Immunzellen sind sensibel für Emotionen“, so die Psychologin. „Sie reagieren positiv auf emotionale Verfassungen, in denen es uns gut geht.“

Diese Erkenntnis lässt sich ebenso auf die aktuelle Corona-Situation anwenden. „Wir erleben ja nicht nur eine Virus-Pandemie, sondern auch eine Pandemie der Angst.“ Die Zahl der Patienten, die mit Depressionen und Angststörungen in Fischers Praxis kommen, gehe derzeit „völlig durch die Decke“. Mindestens die Hälfte von ihnen leide unter Corona-Ängsten.

Was rät sie ihnen? „Den Ball flach halten. Ins Hier und Jetzt kommen.“ Gegen die im Kopf ablaufenden Katastrophenfilme helfen Visualisierungs- und Entspannungstechniken, Meditation und Achtsamkeit - „das ist eine der wirksamsten Methoden, um in den Moment zu kommen, sich von Ängsten zu distanzieren und Stress abzubauen“. Sie selbst hat aus ihrer Krankheit vor allem eines mitgenommen: „Jeden Moment immer für sich zu genießen und zu nutzen. Und für jeden Tag sehr dankbar zu sein.“

Mediendaten

Diagnose Krebs – und jetzt? Ein ganzheitlicher Ratgeber für Betroffene und Angehörige, um Diagnose, Behandlung und mögliche Nebenwirkungen gut zu überstehen“ von Natalie Fischer ist bei Books on Demand erschienen und kostet 17,99 Euro.

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