Stadthalle

Konzert-Chor begeistert mit Haydns „Schöpfung“

Wie aus einem Guss wirkte die Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn in der Stadthalle. Michael Leyk leitete den Chor und ein Orchester.

Germering– Mit weit ausholenden Bewegungen dirigierend gestaltete Leyk, seit 2016 Kirchenmusiker in St. Cäcilia, das aus Miltons Gedicht „The Lost Paradise“ zusammengestellte, von Gottfried van Swieten als „Verlorenes Paradies“ verdeutschte Oratorium. So konnte man einleitend bei der „Vorstellung des Chaos“ den Befehl Gottes, „Es werde Licht, und es ward Licht“ das letzte Wort als C-Dur-Aufschrei des Chors erleben.

Vor allem aber prägte sich in der Einleitung ein feierliches und zugleich geheimnisvolles Largo, der Gegensatz von kraftvollem, weich gerundetem Orchesterklang im Wechsel mit besänftigendem Piano, ein. Diese Grundstruktur beherrschte weiterhin das kunstvoll komponierte Werk.

Als Germeringer Kammerchor 1999 gegründet, dank stetigem Zuwachs 2015 umbenannt in Konzert-Chor Germering, wird das Ensemble seit Juni 2016 von Leyk bei Probentagen und Wochenenden geschult. Die Arbeit hat sich gelohnt. Das zeigte unter anderem die enorme Präzision von Fugen und Doppelfugen.

Wie bei anderen Chören mit vier Registern sind die weiblichen Stimmen gegenüber den Tenören und Bässen in der Überzahl. So leuchteten die Soprane nicht nur bei Jubelchören wie „Stimmt an die Saiten“ heraus, sondern verstärkten auch allgemein die positive Stimmung eines Gesangswerks, das den Menschen, wie Aussagen Haydns belegen, nicht etwa nur unterhalten, sondern bessern soll.

Beim Bemühen, die schöne Melodik, womit der alternde Haydn auch hier zum volkstümlichen Altmeister der Klassik wurde, in ihrer Ausdrucktiefe darzustellen, konnte sich der sangesfreudige Chor an Solisten orientieren. Sie harmonierten bestens. Mit leuchtenden, singspielhaften Koloraturen erschloss die in München geborene Sopranistin Irina Firouzi als Erzengel Gabriel Arien wie „Nun beut die Flur das frische Grün dem Auge zur Ergötzung dar“.

Seinen markigen Bass brachte der 1993 in Günzburg geborene, für Oratorien begabte Alexander Kiechle als Raphael bei Rezitativen ein, wie „Und Gott schuf große Walfische“ samt der Mahnung: „Seid fruchtbar alle, mehret euch!“ Als weich timbrierter Tenor setzte Camilo Delgado Diaz in der Rolle des Uriel, ein weiterer prägnant gestaltender Oratorien-Sänger, das vom Sopran begonnene Terzett von den wogenden Hügeln und dem kühlenden Bach fort, „In frohen Kreisen schwebt, sich wiegend in der Luft, der munteren Vögel Schar. Auch hier für die Fische zuständig rundete der Bassist das Terzett ab.

von Arno Preiser

Rubriklistenbild: © tb

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