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Gift: Der Horror für Hund und Herrchen - Besuch bei einem Tierarzt

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Von: Tobias Gehre

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Tierarzt Alexander Gebel hat schon oft Vierbeiner mit Vergiftungssymptomen in der Germeringer Tierklinik behandelt.
Tierarzt Alexander Gebel hat schon oft Vierbeiner mit Vergiftungssymptomen in der Germeringer Tierklinik behandelt. © Gehre

Viele Menschen lieben Hunde. Einige scheinen die Vierbeiner allerdings zu hassen. Immer wieder werden mit Gift oder Nägeln präparierte Köder gefunden – vor allem in und um Germering. Die letzte Rettung ist oft der Tierarzt. Jetzt spricht ein Veterinär über die Leiden der Tiere – und die der Menschen.

Germering – Es ist ein unscheinbarer Betonklotz in Germerings Gewerbegebiet an der Industriestraße. Im Inneren befindet sich jedoch die oft letzte Rettung für Vierbeiner. Brüche, Atemnot, Organschäden oder Kreislaufprobleme – in der Germeringer Tierklinik werden große und kleine Gebrechen behandelt. Seit einigen Jahren haben es die Veterinäre aber auch mit Vergiftungen zu tun. Denn in der Gegend rund um Germering treibt offenbar ein Hundehasser sein Unwesen. Immer wieder tauchen dort mit Gift und manchmal auch mit Nägeln oder Klingen präparierte Köder auf. Und immer wieder fressen Hunde diese auch – und landen dann in der Tierklinik.

Vergifteter Hund: Jüngster Fall Anfang August

Der jüngste Fall ereignete sich Anfang August. Es ist Sonntagvormittag. Tierarzt Alexander Gebel schiebt seit ein paar Stunden Dienst. Ein paar Zecken hat er schon entfernt, eine eingerissene Kralle behandelt und einem Hund etwas gegen Durchfall gegeben. Nichts Dramatisches. Ein ruhiger Sonntag. Das ändert sich schlagartig als zwei Hunde – Mutter und Sohn – im Behandlungszimmer des 31-Jährigen landen. Die Tiere zittern, lassen unkontrolliert Kot und Urin ab, die Hündin erleidet einen Krampfanfall. Für Alexander Gebel ist klar: Das sind Symptome einer Vergiftung.

Nicht nur den Tieren geht es schlecht. Auch die Besitzer leiden mit ihren Hunden. „Die waren ziemlich aufgelöst“, berichtet der Veterinär. Trotzdem helfen sie dem Tierarzt bei der Behandlung, versuchen ihre Lieblinge zu beruhigen.

Dass längst nicht jedes Herrchen oder Frauchen so gefasst ist, weiß Alexander Gebel aus eigener Erfahrung. Vor allem wenn klar wird, dass das geliebte Tier nicht mehr zu retten ist, brechen nicht selten alle Dämme. „Manche bekommen einen Schreikrampf, brechen regelrecht zusammen“, sagt der Tierarzt. Für solche Fälle hat die Klinik vorgesorgt. Es gibt eine Kooperation mit einem Psychiater, der sich dann um die Trauernden kümmert.

Es gibt aber auch das andere Extrem. „Manche sagen, dass wir das Tier einschläfern sollen, wenn ihnen die Kosten für eine Behandlung zu hoch sind“, so der Tierarzt.

Vergiftete Hunde: Noch deutlich gemeiner

Die Besitzer der Hunde, die Anfang August mit Vergiftungssymptomen in die Klinik kamen, haben laut Tierarzt Alexander Gebel alles richtig gemacht und die Leiden ihrer Tiere richtig erkannt. Doch das sei längst nicht immer der Fall. Denn viele Gifte (nicht immer nur ausgelegt, um gezielt Hunden zu schaden) seien äußerst hinterhältig. Während etwa Schneckenkorn schnell Krämpfe und Zittern auslösen würde, käme es etwa bei einigen Rattengiften erst nach drei bis fünf Tagen zu inneren Blutungen. „Die sind deutlich gemeiner“, sagt der Veterinär. Noch fieser ist das modernere Rattengift Alpha-Chloralose. Tiere sterben nach der Einnahme an Unterkühlung – sie erfrieren.

Generell gelte: Beim Verdacht auf eine Vergiftung ist die Zeit bis zur Behandlung entscheidend. Die Genesungs-Chancen steigen auch, wenn man das Tier zum Erbrechen bringt. Eine Rolle spielt auch die Farbe des Erbrochenen. Starke Farben – etwa blau oder rosa – deuten auf Gift hin.

Doch nicht immer kommt die Rettung noch rechtzeitig. Für die Hunde-Mama, die Anfang August in der Germeringer Tierklinik eingeliefert wurde, kam jede Hilfe zu spät. Immerhin: Ihr Sohn hat die Vergiftung überstanden.

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