Die Folie, mit der das Haus abgedeckt war, wurde dem Bauarbeiter fast zum Verhängnis. Denn dadurch konnte das Kohlenmonoxid nicht entweichen.

Kohlenmonoxid kann nicht aus Haus entweichen

Giftalarm am Bau: Arbeiter verletzt 

Germering - Bei Bauarbeiten hat ein 44-Jähriger am Donnerstag eine schwere Kohlenmonoxidvergiftung erlitten. Nur durch die schnelle Reaktion seines Kollegen konnte der Mann noch rechtzeitig ins Krankenhaus eingeliefert werden.

In einem Rohbau in der Schwalbensteinstraße musste der Estrich, also der Fußboden, geglättet werden. Diese Aufgabe sollten zwei Männer im Alter von 44 und 47 Jahren selbstständig übernehmen. Sie arbeiten bei einer Baufirma in Aichach. Gegen 14.30 Uhr rückten sie am Donnerstagnachmittag an und begannen mit benzinbetriebenen Flügelglättern die Arbeiten im ersten Stock.

Nach etwa zwei Stunden klagte der jüngere Mann über Beschwerden. Ihm war schwindelig und übel, außerdem plagten ihn schlimme Kopfschmerzen. Deshalb brachte ihn der ältere Kollege ins Erdgeschoss und setzte ihn an die frische Luft. Dort sollte er sich etwas ausruhen und erholen. Danach machte sich der 47-Jährige wieder an die Arbeit.

Doch dann der Schock: Als er nach zehn Minuten seinen Kollegen rief, bekam er keine Antwort. Blitzschnell stürmte der Mann ins Erdgeschoss und fand seinen Arbeitskollegen bewusstlos vor dem Eingang liegend. Der 47-Jährige alarmierte daraufhin sofort den Rettungsdienst. Der 44-Jährige hatte eine schwere Kohlenmonoxidvergiftung erlitten. Er kam in ein Münchner Krankenhaus.

Bei den Germeringer und Unterpfaffenhofener Feuerwehren ging der Notruf gegen 16.30 Uhr ein. „Mit zehn Mann und drei Einsatzwägen sind wir insgesamt ausgerückt“, erzählt Einsatzleiter Stephan Killer von der Unterpfaffenhofener Wehr. Die erste Messung ergab, dass der Kohlenmonoxidwert zwanzigmal höher war als erlaubt.

Das kam so: Das Dach des Rohbaus ist momentan nicht gedeckt. Zum Schutz gegen Regen hatte man deswegen Baufolien angebracht – extrem luftdicht. Bei der Arbeit mit den benzinbetriebenen Motoren werden Abgase abgegeben, die in dem Haus nicht entweichen konnten. Diese Gefahr hatten die Arbeiter offensichtlich nicht erkannt.

Die Feuerwehren versuchten zuerst durch ein Be- und Entlüftungsgerät, das giftige Gas abzusaugen. „Wir wollten die Folie nicht zerstören“, erklärt der Germeringer Fahrzeugführer Alexander Lichti. Nach etwa 45 Minuten stellte sich aber heraus, dass das nichts bringt. Erst als die Einsatzkräfte die Dachfenster aufschraubten und Schnitte in die Folie ritzten, ließ die Konzentration des Gases nach. „Ab dann ging’s recht schnell“, sagt Lichti. Mittels einer Überdruckbelüftung wurde das farb- und geruchslose Gift innerhalb von 20 Minuten nach draußen befördert.

Der 44-Jährige ist außer Lebensgefahr. Doch er befindet sich immer noch im Krankenhaus: Über das Wochenende muss er noch zur Beobachtung bleiben.

von Elena Wlacil

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