Institution feiert geburtstag

Gleichstellungsstelle hat noch viel zu tun

Anfangs wurde sie noch stiefmütterlich behandelt, heute ist sie eine feste Institution in Germering. Jetzt hat die städtische Gleichstellungsstelle ihren 30. Geburtstag gefeiert. Und auch im Jahr 2017 hat sie noch alle Hände voll zu tun.

Germering – Oberbürgermeister Andreas Haas erinnerte im Rahmen der Feier daran, dass die Anfänge im Jahr 1987 eher bescheiden waren. Hauptinitiatorin war die damalige SPD-Gemeinderätin Marhild Liebermann. Der Gemeinderat billigte damals nur eine auf fünf Stunden wöchentlich befristete Abstellung der Hauptamts-Mitarbeiterin Ulrike Abt-Bürkle. Grund: „Es wurde ausgiebig darüber diskutiert, ob man eigens für diese Aufgabe eine hochqualifizierte Fachkraft einstellen sollte“, erklärte Haas, der damals noch nicht im Gremium saß. Dass es vonseiten der Männer im Stadtrat und in der Verwaltung auch den ein oder anderen dummen Spruch zur Gleichberechtigung gab, wusste er aber schon. Letztlich setzten sich die männlichen Skeptiker durch.

Dies bedeutete Haas zufolge aber nicht, dass die Gleichstellung ein Randthema blieb. Abt-Bürkle habe sich sehr gut eingearbeitet und ihre Aufgabe mit Nachdruck verfolgt. Das Amt sei eine wichtige Anlaufstelle gewesen. Abt-Bürkle habe zudem mit der Gleistellungsbeauftragten des Landkreises und anderen Frauengruppen ein Netzwerk geschaffen aus dem letztlich das Brucker Frauenforum hervorgegangen sei. Unter ihrer Regie sind im Jahr 1989 auch die ersten von zehn städtischen Frauentagen veranstaltet worden. Erst im Jahr 1992 ist dann eine Stabstelle für Gleichstellung geschaffen worden. Erste Leiterin war Antje Hettler. In ihre Amtszeit fielen unter anderem die Gründung der Fraueninitiative GeFi und des Frauen- und Mütterzentrums (Frau MütZe). Letzteres war laut Haas damals das einzige weit und breit. Heute sei es eine Institution. Die Gleichstellungsstelle musste in den vergangenen 30 Jahren auch herbe Rückschläge einstecken. Am heftigsten war wohl die Halbierung der Stelle im Zuge der Haushaltskonsolidierung. Diese ist zum Teil mittlerweile wieder rückgängig gemacht worden.

Renate Konrad ist seit 2001 für die Belange der Gleichstellung in Germering zuständig. In einer pointierten Rede gestand sie zunächst zwar zu, dass sich in den vergangenen 30 Jahren vieles verändert habe. Junge Frauen machten sich keine Gedanken mehr über Freistellung. Junge Väter nähmen Elternzeit. Und im Stadtrat säßen mehr Frauen als Männer. Wenn man genau hinsehe, sehe die Realität aber anders aus.

Junge Frauen hätten zwar zunächst alle Karrierechancen. Aber ab einem bestimmten Alter gehe es für sie nicht weiter: „Frauen können halt immer noch Kinder bekommen.“ Man spreche deswegen von einem gläsernen Deckel. Denn Familie und Beruf ließen sich noch immer nicht optimal vereinen. Die kurze Elternzeit der Väter sei auch keine gleichberechtigte Teilhabe an den familiären Pflichten.

Auch die Tatsache, dass im Stadtrat 24 Frauen sitzen, sei eine Ausnahme: Schon im Landkreis sehe das anders aus. Und im neu gewählten Bundestag liege der Frauenanteil bei 30,7 Prozent. „Es gibt noch viel zu tun“, beendete Renate Konrad ihre Geburtstagsbilanz. Ihre persönliche Prophezeiung sah wenig optimistisch aus: „Ich glaube, die Gleichstellung wird erst im Jahr 2490 erreicht sein. Nach dem 503. Geburtstag wird die Gleichstellungsstelle geschlossen.“

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