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In Germering

Grapsch-Attacke im Supermarkt

 Erst wollte er sich an nichts mehr erinnern, dann brach er in Tränen aus: Ein 64-jähriger Germeringer musste jetzt wegen eines versuchten sexuellen Übergriffs in einem Germeringer Supermarkt auf der Anklagebank des Brucker Amtsgerichts Platz nehmen. Der 64-Jährige hatte vor einigen Monaten, an einem Juliabend, versucht, einer ihm völlig fremden Frau in den Schritt zu fassen.

Germering –In dem Germeringer Einkaufszentrum waren sich die beiden zufällig begegnet. Die 47-Jährige wollte eigentlich nur schnell etwas einkaufen, als ihr in einem langen Gang ein Mann entgegenkam. Bekleidet mit einem Hawaiihemd und einer weißer Hose mit offenem Hosenstall, kam der Angeklagte immer näher und wich nicht zur Seite, erinnerte sich die Frau am Amtsgericht. Machte sie einen Schritt zur Seite trat er auf dieselbe Seite, trat sie auf die andere Seite, folgte er ihr. Letztlich stand er neben ihr, bückte sich und wollte ihr von unten zwischen die Beine fassen. Dank ihrer schnellen Reaktion – sie beugte sich weg – bekam er aber lediglich ihren Oberschenkel zu fassen. Als sie sich mit den Worten „Hey was soll das“ beschwerte, wurde er laut und entgegnete „Ich bin ein freier Mann, ich kann machen was ich will“. Dann entfernte er sich.

Die 47-Jährige aber wollte den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen. Mit einer Kollegin suchte sie den Grapscher einige Zeit später vor dem Einkaufszentrum – und entdeckte ihn sofort an einem Tisch sitzend. Als sie sich ebenfalls setzte, stand er sofort auf, wollte sich zu ihr setzen und stellte sich als Baron von A. vor. Diese Situation hielt die 47-Jährige mittels ihrer Handykamera fest.

Erinnerungslücken

Der Angeklagte beteuerte vor Gericht immer wieder, dass er sich nicht erinnern könne. „Ich weiß nichts von dem Vorfall, ich habe die Frau noch nie gesehen“, sagte er. Er betonte, eine Frau niemals sexuell anzugreifen. „Mir so etwas zu unterstellen ist eine Unverschämtheit.“ Doch im Laufe der Verhandlung änderte sich seine Stimmung. Er berichtete von Depressionen und einem Alkoholproblem. Letztlich saß er in Tränen aufgelöst vor dem Richter und entschuldigte sich bei seinem Opfer. „Es tut mir von Herzen leid, dass es so weit gekommen ist.“

Verurteilt wurde er zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe, wobei der Richter von einer verminderten Schuldfähigkeit ausging. Zudem muss er 200 Stunden soziale Arbeit leisten und seinem Opfer 500 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Zudem wurde ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Vor rund einem Jahr wäre die Verurteilung wohl ganz anders ausgefallen. Denn damals wäre der Übergriff als Beleidigung angeklagt worden. Doch seit Mitte November 2016 werden solche Taten als sexueller Übergriff geahndet.  sus

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