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Ein Herz und eine Seele mit Gitarre: Gus Backus und seine Frau Heidelore in ihrer Germeringer Wohnung.

Der Star von einst lebt heute zurückgezogen in Germering

Gus Backus - der Schlager-Häuptling wird 80

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Gus Backus war in den 1960er-Jahren der Schlagerkönig Deutschlands. Heute wird er 80 Jahre alt. Seit 1990 lebt er in Germering. Das Tagblatt hat ihn und seine Gattin Heidelore zum Geburtstag besucht.

Germering - Jahrelang war der einstige Schlagerkönig aus den Schlagzeilen und von den Bildschirmen verschwunden. Keiner schien sich mehr so recht für Gus Backus zu interessieren. Doch jetzt zu seinem heutigen 80. Geburtstag finden Regenbogenpresse und TV-Stationen wieder Gefallen an dem singenden US-Bajuwaren, der seit 1990 in Germering lebt. Ganzseitig wurde zuletzt in Frauen-Gazetten beschrieben, in welch ärmlichen Verhältnissen er mit seiner Gattin Heidelore doch lebe und wie finanziell abgebrannt er sei. Aber keine Spur davon, wenn sich seine Wohnungstür im dritten Hochhausstock in Germering öffnet.

Gus Backus hat sich arrangiert mit seinen Lebensumständen, hat eine schmuck eingerichtete Dreizimmer-Eigentumswohnung und nach eigenen Angaben ausreichend Geld, um den Alltag zu bestreiten und sich einmal im Jahr einen Urlaub bei seiner im spanischen Marbella lebenden Schwester leisten zu können. Seiner ehemaligen Managerin lastet er an, dass sie die damals nicht unerheblichen Gagen (noch in DM-Währung) nicht in einer Pensionskasse angelegt habe. Aus den USA wird ihm monatlich eine kleine Rente überwiesen. Dort arbeitete er auf Ölfeldern in Texas, nachdem er 1973 seine deutsche Showkarriere für beendet erklärt hatte. Zuletzt im Geburtsland war er 2010. Die aktuellen politischen Verhältnisse und vor allem die jüngsten rassistischen Ausschreitungen in den USA sind ihm ein Dorn im Auge. Zumal Gus Backus 1957 mit The Del-Vikins als erster Weißer unter drei Schwarzen in einer Band spielte („Eigentlich undenkbar für damalige Verhältnisse“) und gleich zwei Top-Zehn-Notierungen in den US-Charts verbuchte. Noch immer hängt die Goldene Schallplatte an einem Ehrenplatz im Wohnzimmer.

Gus Backus, der einstige „Häuptling der Indianer“ (dieser Song hat ihn unsterblich gemacht und wird bei YouTube noch immer tausendfach geklickt), vergöttert heute seine Squaw und „Lebensretterin“ Heidelore. Mit ihr, die locker aus Doppelgängerin von Wencke Myhre durchgehen könnte und die mit der norwegischen Schlager-Ikone in jungen Jahren auch gemeinsam auf der Bühne stand (Heidelore war Mitglied des Deutschen Fernsehballetts), ist Gus Backus zum zweiten Mal verheiratet. Zwei weitere Ehen sind gescheitert. Am Tiefpunkt angelangt, eroberte er Heidelore „und mit ihr mein Lebensglück“ zurück. Erstmals kennengelernt hatten sich Gus und Heidelore bei einer TV-Show in Baden-Baden. „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ hieß die damals erfolgreiche Musiksendung. Heidelore weiß sogar noch, wann sie aufgezeichnet wurde: „Am 7. April 1977.“ Vier Kinder leben ebenfalls in Bayern (Tim in Maisach, Astrid in Dachau, Patrick im Chiemgau und Kevin im Allgäu). „Mit ihnen jetzt Geburtstag zu feiern, ist mein schönstes Geschenk.“ Einer hat mittlerweile eine Zweitberuf-Karriere als Countrysänger gestartet und tritt regelmäßig im Münchner „Rattlesnake“ auf. Papa Gus begleitet ihn oft stolz.

Aus dem Showbusiness hat sich der 80-Jährige vor drei Jahren zurückgezogen. Sein letzter Auftritt war beim Benefizkonzert zugunsten der Hochwasseropfer in Simbach. Vor zwölf Monaten war er dann noch mal nostalgischer Begleiter einer Fanbustour auf den Spuren von Johnny Cash. Ziel war der Fliegerhorst in Penzing, wo der Country-Sänger stationiert war. Bei der Neuauflage am 16. September wird Gus Backus heuer fehlen. Ohnehin sind die Kontakte zur Schlagerszene gänzlich abgerissen. Sein bester Freund, der britische Entertainer Chris Howland, ist mittlerweile ebenso verstorben wie sämtliche Del-Vikings-Bandmitglieder.

Von einem Schlaganfall hat sich Gus Backus zwar einigermaßen erholt, doch nun hat ihm der Arzt wegen eines Rückenleidens das geliebte Radfahren verboten. Weshalb der einstige Schlagerstar, der in seiner gemeinsamen Militärzeit mit Elvis Presley regelmäßig auf dem Rücksitz im Auto des Rock’n’Roll-Idols von Bad Nauheim nach Frankfurt gedüst war, mittlerweile nur noch selten aus dem Haus geht. US-Sport im TV schauen und die Fußball-Bundesliga verfolgen – das sind jetzt seine großen Leidenschaften. Die ersten Kontakte zur deutschen Kickerszene hat Gus Backus (er legt Wert auf die Original-Aussprache Gaes Baeckaes) dank Löwen-Legende „Radi“ Radenkovic geknüpft. Weshalb er es noch immer als „sehr seltsam“ betrachtet, dass er nicht Mitglied beim TSV 1860, sondern später ausgerechnet beim FC Bayern wurde.

Aktiven Sport betreibt die ehemalige Stimmungskanone („Der braune Bär“, „Der Mann im Mond“, „Bohnen in den Ohren“) lediglich noch im Germeringer Freibad. Dort wird er auch regelmäßig erkannt. „Neulich“, erzählt Heidelore, „hat sich eine Stimme aus dem Wasser gemeldet und verkündet, dass bei einem Comeback die hiesige Stadthalle ausverkauft sein würde.“ Sollte es wider Erwarten dazu kommen: Die Sauerkraut-Polka, mit der Gus Backus 1961 20 Wochen in den Hitparaden war, wird sicher nicht im Repertoire sein. Diesen Song, so gesteht der 80-Jährige, habe er aus seinem Gedächtnis gestrichen. Grund: Der deutschen Sprache zur damaligen Zeit kaum mächtig, hatte er den Text („Ich esse gerne Sauerkraut und tanze gerne Polka. Und meine Frau heißt Edeltraut...“) nur abgelesen und den Inhalt nicht verstanden. Heute versteht Gus Backus auch bairisch.

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