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Wurde Opfer russischer Internet-Krimineller: Anton Schober musste das komplette IT-System der Firma erneuern.

Vorsicht bei E-Mails

Hacker-Angriff: Cyber-Piraten entern Germeringer Firma

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Germering - Bei Bewerbungen per E-Mail müssen Firmen derzeit vorsichtig sein. Denn manchmal enthalten diese eine Schadsoftware. Jetzt hat es eine Germeringer Firma erwischt.

Die Firma Autozubehör Germering (AZG), hat im Gewerbegebiet Nord einen großen Laden und eine Werkstatt. Sie wurden Opfer von Cyber-Betrügern aus Russland, obwohl die Inhaber Thomas Nigl und Anton Schober in Sachen Internet extrem vorsichtig und durchaus auch versiert sind. Doch die Masche, mit der die Kriminellen seit einigen Wochen Unternehmen in Deutschland, Österreich und den USA zu schaffen machen, ist unglaublich raffiniert.

Der Schaden beim Germeringer Autozubehör sei nicht zu beziffern, meint Schober. Man müsse sich nur vorstellen, was passiere, wenn jemand seine Reifen bei AZG eingelagert habe und sie jetzt wechseln möchte: „Wir haben keine Unterlagen über die Einlagerung. Wir wissen nichts darüber.“

Und so agieren die Internet-Betrüger: Firmen erhalten täuschend echt aussehende Bewerbungen auf einen Arbeitsplatz, der im Unternehmen tatsächlich existiert. Bei AZG ging diese Mail am vergangenen Freitag ein.

Marcel Meier hieß der angebliche Absender

Marcel Meier hieß der angebliche Absender. Das ist einer von nur drei falschen Identitäten, die verwendet werden, wie AZG-Inhaber Schober inzwischen weiß. Lebenslauf und Zeugnisse waren als Exel-Datei (xls) angehängt. „Da hätte man eigentlich stutzig werden müssen“, gesteht Schober. Eine Exel-Datei sei ja für diese Zwecke völlig ungeeignet. Sein Kompagnon hat die Datei aber trotzdem geöffnet, ohne sich etwas dabei zu denken. Damit fing das Dilemma an. In dieser Datei war ein Computer-Virus versteckt. Der breitete sich auf dem Server des Betriebs aus und verschlüsselte alle Daten, die dort gespeichert waren.

Einen Tag später erhielt das Unternehmen eine Erpresser-Mail mit russischem Absender. Inhalt: Wenn AZG fünf Bitcoins (eine Art Internet-Währung) via Darknet (anonymes Internet, das vor allem Kriminelle nutzen) bezahlt, erhält das Unternehmen im Gegenzug eine Datei, mit der die Daten wieder hergestellt werden könnten. Fünf Bitcoins hätten für AZG rund 4000 Euro bedeutet.

Die Firma verweigert den Deal

Das habe man natürlich nicht gemacht, erzählt Schober: „Wer weiß denn, ob die ihr Versprechen einhalten?“ Er sei stattdessen sofort zur örtlichen Polizeiinspektion gegangen, die den Vorfall aufgenommen und an die Kripo weitergeleitet habe.

Am Montag mussten Schober und Nigl dann feststellen, welche schmerzlichen Folgen die Zahlungsverweigerung hatte: Das komplette IT-System der Firma musste auf Null gefahren und erneuert werden. Sämtliche Kundendateien waren unwiederbringlich verloren. Für Germerings Polizeisprecher Andreas Ruch ist der Vorfall ein deutliches Zeichen dafür, wie sich die Cyber-Kriminalität ausweitet. Die Zahl der gemeldeten Fälle steige in einem ungeahnten Ausmaß.

Aus Sicht der Polizei könne man nur einen Tipp geben: „Öffnen Sie niemals Anhänge von Mails mit unbekanntem Absender.“ Das gelte nicht nur für Exel-, sondern auch für Word-Dateien.

kg

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