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Der Christbaum steht schon. Beim Schmuck folgen Raffaele Dolgetta und seine Familie deutschen Traditionen.

Das Christfest in Süditalien

Heiligabend wie daheim in Sarno

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Raffaele Dolgetta ist Mitte 50, lebt seit fast 40 Jahren in Germering, ist glücklich mit seiner (bayerischen) Frau Karin verheiratet und hat zwei in Deutschland geborene, mittlerweile erwachsene Kinder. An Heiligabend wird bei Dolgettas aber so gefeiert, wie Raffaele es aus seiner süditalienischen Heimatstadt Sarno kennt.

Germering – „Natale con i tuoi, capo d’anno con chi vuoi“ – „Weihnachten mit den Deinen, Silvester mit wem du willst.“ Dieses geflügelte Wort aus Süditalien – Sarno liegt südlich von Neapel ganz nah am Vesuv – spielt auch in Bayern eine zentrale Rolle im deutsch-italienischen Haushalt der Dolgettas. Es bedeutet schlicht und einfach: An Heiligabend ist die Familie das Wichtigste. Und mit dem engsten Kreis der Familie wird dann so gefeiert, wie man es erwartet hatte: Es gibt ein festliches Menü mit mehreren Gängen.

Wie bei der Mama: Broccoli und Wurst

Raffaele Dolgetta erzählt, dass der typische Heiligabend bei ihm wie in seiner Kindheit am frühen Nachmittag in der Küche beginnt. Seine Mama habe da mit der Zubereitung des Essens begonnen. Und um die Wartezeit zu verkürzen, gibt es eine Spezialität, die man hierzulande eher weniger kennt: Eine spezielle Broccoli-Art (Cime die Rapa), gekocht und fein gehackt, mit süditalienischen Salsicce-Würstchen auf Weißbrot serviert. Gottseidank, so Dolgetta, gibt es beide Zutaten mittlerweile in Feinkostläden. Früher sei die Beschaffung weitaus schwieriger gewesen. Vor allem bei den Salsicce habe man sich öfter mit einer bayerischen Variante zufrieden geben müssen.

Das Menü, für das alle vier Mitglieder Familie in der Küche mithelfen, beginnt mit einer typischen Vorspeise der zur provinz Salerno gehörenden Heimat Dolgettas. Es gibt Insalata di Polpo – ein würziger Salat mit Oktopus, Paprika und viel Olivenöl. Als erster Hauptgang folgen – was sonst – in der Regel handgemachte Pasta-, also Nudel-Variationen. Heuer hat sich Tochter Marilena eine Tris di Pasta gewünscht. Folglich gibt es mit Spinat und Ricotta gefüllte Ravioli mit Gorgonzola-Sauce, Kartoffel-Gnocchi („Ja, auch das zählen wir zu Pasta“) mit Tomaten- und Tagliatelle mit grüner Pesto-Sauce.

Frittierter Stockfisch gehört immer dazu

Es folgt ein Gang mit Fleisch, der jedes Jahr ein anderer sein kann – heuer ist es Entenbrust. Der Fisch-Gang darauf ist dagegen wieder ein traditionelles Muss: Baccala fritto. Das ist ein getrockneter Stockfisch, den man zwei Tage lang in Salzwasser aufquellen lassen muss, ehe er frittiert und ohne Beilagen serviert wird.

Ohne Panettone und Krippe geht nichts

Was beim Weihnachtsmenü ebenfalls nicht fehlen darf, ist für die Dolgettas der Panettone zum Nachtisch: „Das muss sein,“ sagt Raffaele Dolgetta bestimmt. Das Vorurteil, diese italienische Kuchen-Art sei staubtrocken, weist er scharf zu zurück. Man müsse nur das richtige Produkt mit Rosinen und kandierten Früchten kaufen. Und zwar von Motta, da schwöre er drauf.

Im Wohnzimmer der Dolgettas steht schon zehn Tage vor Heiligabend ein festlich geschmückter Christbaum. Diesen Brauch, so der Hausherr, gibt es in seiner Heimat eher nicht. Allerdings verbreite sich diese Tradition seit einigen Jahren immer mehr auch südlich der Alpen. Die Bäume seien aber nur aus Plastik und meistens grell und bunt mit Glitzer geschmückt.

Was in süditalienischen Haushalten nicht fehlen darf, ist eine Krippe: „Ohne geht gar nicht,“ sagt Dolgetta. Die Landschaft mit Stall hat er selbst gebastelt. Die Figuren und alle wichtigen Zutaten baue er selbst jedes Jahr neu auf. Das wichtigste dürfe man aber nicht vergessen: „Das Christkind darf erst an Heiligabend um Mitternacht in den Stall gelegt werden.“ Und die Heiligen Drei Könige werden selbstverständlich erst am 6. Januar dazu gestellt.

Zweite Bescherung am Dreikönigstag

Der 6. Januar war übrigens früher in Italien der Tag, an dem die Kinder beschenkt wurden. Und zwar von der Hexe Befana. Wer brav war, so Raffaele Dolgetta, bekommt weiße Asche – eine Süßigkeit. Die weniger braven Kinder mussten mit unappetitlicher schwarzer Asche vorlieb nehmen. Allerdings habe es auch in seiner Kindheit auch an Heiligabend Geschenke gegeben. Diese zweifache Bescherung sei ähnlich wie in Deutschland, wo es ja auch zu Nikolaus schon Gaben gibt. Der Befana-Brauch sei halt ein anderer, der eng mit dem Dreikönigstag verknüpft ist. Die hätten schließlich auch dem Jesuskind Geschenke gebracht. Der Name Befana entspricht dieser Erklärung übrigens exakt: Er stammt von Epiphanie ab, dem Kirchenfest der Heiligen Drei Könige.

Serie, Teil 1: So feiern die Franzosen Weihnachten.

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