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Hier entstehen Germerings neue Bücherboxen

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Von: Klaus Greif

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Aus Müll entsteht etwas Neues: In dieser Bauphase sieht man die künftige Öffnung der Bücherbox. Die ausgeschnittene Eisenwand wird als Tür wieder vorne drauf gesetzt, im Innernen werden Regalböden eingeschweißt. © Eugen-Papst-Schule

Vor einem halben Jahr hat der Stadtrat beschlossen, öffentliche Bücherschränke aufzustellen. Angefertigt werden sollen sie von den Kunst- und Werk-Klassen der Eugen-Papst-Schule. Ein Besuch in der dortigen Metallwerkstatt zeigt, dass die Schüler schon sehr weit sind bei der Gestaltung der eisernen Lese-Boxen.

Germering – Die Eugen-Papst-Schule, die sonderpädagogisches Förderzentrum des Landkreises ist, arbeitet seit vielen Jahren eng mit der Stadt und auch der Stadthalle zusammen, wenn es um die künstlerische Gestaltung des öffentlichen Raumes geht. Die Skulpturen und der Rosenbogen im Rathauspark sind ebenso beispielhaft dafür wie die Graffiti-Verschönerung von Tiefgarage und der Bühnenvorhof der Stadthalle. Federführend mit dabei war immer der freiberufliche Künstler und Werklehrer Oliver Beran, der an der Eugen-Papst-Schule (EPS) die Metallwerkstatt leitet und die verschiedenen Wahl- und Pflichtkurse für die Siebt- bis Neuntklässler anbietet.

Beran war es auch, der nach der Anfrage der Stadt, ob er mit seinen Schülern die zwei geplanten Bücherschränke gestalten will, sofort eine zündende Idee hatte, wie das Ganze umgesetzt werden soll. Ein privater Spender hatte ihm einen alten Wasserboiler zur Verfügung gestellt, der zwar im Inneren verrostet und verkalkt war. Aber für den Kunsthandwerker war dies der ideale Rahmen für eine Bücherbox.

Seine Vorstellung: Eine Fläche der rund eineinhalb Meter langen Eisen-Röhre wird ausgeschnitten und später als Tür wieder eingesetzt. Das Innere wird gesäubert und dann mit Regal-Böden versehen. Obendrauf kommt der kugelförmige Ausgleichsbehälter des Boilers, der mit einigen Accessoires in einen Eulenkopf verwandelt wird. Beran ist überzeugt: „Die Eule verbindet man mit Wissen.“ Und so nimmt die Bücher-Box langsam Form an. Ganz so einfach geht es natürlich nicht. Aber nach zahlreichen Schweiß- und Flexstunden, die auf die Grundidee folgten, sieht das Zwischenergebnis schon sehr vielversprechend aus.

Das Schweißen, Flexen und händische Entrosten machen die Schüler übrigens komplett alleine – natürlich unter Anleitung von Beran, der viel Wert auf Sicherheit legt. Die beiden Achtklässler der Arbeitsgemeinschaft Metall, die in dieser Woche mit Beran arbeiten, sind jedenfalls mit Feuereifer bei der Sache. Leon, der auch bei der jüngsten Graffiti-Aktion an der Stadthalle schon mit dabei war, ist begeistert vom Projekt: „Das macht voll Spaß“, wiederholt er immer wieder. Mitschüler Raphael merkt an, dass man bei dem Projekt noch etwas Wichtiges lernt: „Man muss nicht immer alles wegwerfen, was wie Müll aussieht.“

Diese Erkenntnis passt auch zur zweiten Bücherbox. Sie entsteht aus einem ehemaligen Kühlaggregat, das Beran auf einem Schrottplatz entdeckt hat. Es handelt sich ebenfalls um eine Eisenröhre, die allerdings länger und dicker ist als der Boiler. Das rund 400 Kilogramm schwere Teil wurde mit einem ausgeklügelten Plan auf Rollen von einem Transportfahrzeug zur Werkstatt befördert: „Das war wie im alten Ägypten beim Bau der Pyramiden“, schwärmt EPS-Konrektor Fritz Reichel.

Bevor die Schüler mit der Umwandlung zum Bücherschrank beginnen konnten, musste erst noch die wuchtige Kühl-Spirale aus dem Innern der Röhre entfernt werden. Die wurde übrigens nicht entsorgt – sie lagert im Werkstatthof und findet bei irgendeinem der nächsten Projekte mit Sicherheit wieder Verwendung.

Das Bücherschrank-Projekt zählt zum Angebot der praktischen Berufseinstiegsbegleitung der Schule und wird von der Gröbenzeller Jugendsozialstiftung Familie Dr. Bernd Rieder finanziell unterstützt. Die Arbeiten in der Metallwerkstatt, wo die Schüler unter anderem das Schweißen lernen, sind aus Sicht von Schulleiterin Gabriele Pfob ein unschätzbarerer Vorteil. Bei späteren Bewerbungen spiele das durchaus eine Rolle. Das sieht auch Werklehrer und Künstler Oliver Beran so: „Die Jugendlichen lernen, ausdauernd und regelmäßig einer Aufgabe zu folgen.“

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