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Man sieht ihr die Erschöpfung an: Sabine S. (64) aus Germering wird vom Einsatzleiter der Bezirksrettung Pinzgau, Anton Voithofer, aus der Höhle gebracht, in der sie stundenlang verharren musste.

Germeringer Familie gerettet 

Höhlen-Ausflug wird zum Horrortrip 

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Germering/Lofer - Horrorszenario im Urlaub: Als Sabine S. aus Germering mit Mann Hans und den beiden Enkelkindern eine Höhle in Salzburg besichtigte , kam plötzlich die Flut. Und Tobias (7) wurde vom Wasser mitgerissen. Über drei Stunden war der Rest der Familie im tiefen Gestein eingeschlossen – ohne zu wissen, ob der Bub überhaupt noch lebte.

Am letzten Tag des Campingurlaubs in Fieberbrunn/Tirol war es grau und nass draußen. Also suchten die Großeltern Sabine (64) und Hans S. (71) nach einem Schlechtwetterprogramm, um den beiden Enkeln Tobias (7) und Ani (6) ein letztes Urlaubsabenteuer zu ermöglichen, bevor es wieder heim nach Germering ging. „Wir waren schon mal dort. Mit unseren anderen Enkeln“, erzählt Sabine S.. „Die Höhle ist speziell als Ausflugsziel bei Schlechtwetter angepriesen“, sagt sie. 

Voller Vorfreude lösten die Vier ihre Eintrittskarten und stiegen samt Hund Sunny in das Gestein bei Lofer. „Der Eingang ist unten, in die Höhle geht es dann über mehrere Ebenen nach oben“, erklärt Sabine S.. 

Eine Viertelstunde waren die Ausflügler ins Innere unterwegs, als plötzlich die rote Warnleuchte an der Wand aufblinkte. Sofort kehrten die Vier um. Doch es war bereits zu spät. Der Wasserpegel stieg rasend schnell an, die Großeltern und ihre Enkel wateten zunächst durch knöchelhohes, dann durch kniehohes Wasser. 

Und plötzlich wurde Tobias (7) mitgerissen. „Er war auf einmal weg. Es war furchtbar!“ Bange Minuten vergingen, die Großeltern durchsuchten das Wasser um sie herum, doch der Enkel tauchte nicht mehr auf. „Es hat ihn einfach weggespült. Das war der absolute Horror“, erzählt Sabine S.. 

Und auch ihre eigene Situation wurde immer brenzliger. „Auf einmal war klar, wir kommen nicht mehr weiter.“ Das Wasser war zu tief, der Ausweg versperrt. Die Großeltern und ihre 6-jährige Enkelin waren in der Höhle eingeschlossen – zusammen mit einem weiteren Mann und einem Holländer, der seine dreijährige Tochter in einer Kraxe dabei hatte und dessen Frau und das ältere Kind ebenfalls verschwunden waren. „Wir saßen auf den Steinen und haben uns eingeredet, dass unser Tobias sich irgendwie gerettet hat“, erzählt Sabine S.. Immerhin kann der Bub gut schwimmen, tauchen und ist clever. „Und vielleicht hatte ihm ja auch jemand geholfen“, sagt die Oma. 

Über drei Stunden vergingen, in denen die Großeltern in der Höhle verharren mussten – krank vor Sorge um den Enkelsohn. „Irgendwann haben wir gar nicht mehr viel gesprochen. Wir sind einfach nur dagesessen, haben uns gegenseitig gewärmt und auf den Wasserspiegel gestarrt. Ich bin dann davon ausgegangen, dass das noch ewig dauern wird.“ 

Von den Nischen, die es in der Höhle geben soll, in denen Decken, Getränke und Proviant für den Notfall platziert sein sollen, haben die Eingeschlossenen nichts gesehen. „Einer aus der Gruppe ist sogar wieder weiter rauf in die Höhle.“ Immerhin: Die Oma hatte eine Tüte Haribo in der Jackentasche. „Die habe ich dann verteilt. Nervennahrung.“ Und dann kam endlich Hilfe. Der Pegel war wieder etwas gesunken, die Männer von der Höhlenrettung Salzburg hatten sich durch die Wassermassen gekämpft. „Sie haben dann einen nach dem anderen von uns rausgebracht.“ 

Und draußen dann das große Wiedersehen: Tobias lebte. Der Siebenjährige war ein Stück vom Wasser mitgerissen worden, doch dann kam er wieder auf die Beine und rannte aus der Höhle. „Ich hab’ den Mund zugemacht. Dann bin ich einfach gegangen und irgendwie hinausgekommen“, erzählt er stolz. Aber er habe sich draußen dann Riesensorgen um seine Großeltern gemacht. Glücklicherweise ohne Grund. Kurze Zeit später saßen die Vier samt Hund Sunny auf der Eckbank der Bezirksrettung und wärmten sich mit Decken und Tee. 

Für die Einsatzkräfte war das Ganze quasi eine Routineaktion. Denn immer wieder kommt es in der größten und längsten wasserführenden Höhle Europas zu Zwischenfällen. 26 vorwiegend deutsche Touristen mussten zuletzt 2013 stundenlang wegen eines Hochwassers ausharren. Auch damals blieben alle unverletzt und kamen mit nassen Füßen davon. Der Schock nach einem solchen Erlebnis dagegen sitzt tief.

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