Soll hier gebaut werden? Die Teilnehmer des Ortsrundgangs machten auch an dieser Pferdekoppel Station. 

Ortsbegehung 

Idylle oder Wachstum: Weiler gespalten

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Der Ortsteil Nebel soll seinen idyllischen Dorfcharakter behalten und dennoch wachsen. Wie dies gehen könnte, ist unklar. Vor Ort hat sich jetzt der Stadtrat mit fast allen Nebelern ein Bild von den möglichen Entwicklungen gemacht.

Germering– Nebel ist ein Weiler mit 14 Anwesen und liegt im sogenannten Außenbereich. Dies bedeutet laut OB Andreas Haas, dass Neubauten nur da erlaubt sind, wo es eine bestehende Satzung erlaubt. Ausnahmen sind sogenannte privilegierte Bauten von Landwirten.

Diese bestehende Außenbereichssatzung soll nun nach dem Wunsch einiger weniger Nebeler ausgeweitet werden: Sie wollen an fünf Punkten in Randlagen des Ortes Wohnhäuser errichten. Sie begründen ihren Wunsch vor allem damit, dass man Wohnraum für die eigene Familie, also die Kinder und Enkel schaffen wolle, die ansonsten den Ort verlassen würden. Bei einem einstündigen Rundgang wurden die möglichen Bauplätze besichtigt.

Es handelt sich am westlichen Ortsrand um eine Obstwiese in unmittelbarer Nähe zum Ortsschild. Weiter nördlich soll auf einer Pferdekoppel gegenüber des Reiterhofes gebaut werden. Am östlichen Ortsrand sind weitere drei Baugebiete vorgesehen, die die bestehenden Bauflächen erweitern.

Gleich zu Beginn des Rundganges fielen zwei Neubauten ins Auge, die nicht unbedingt dörflich wirken. Wenige Meter von der alten Nebeler Kapelle entfernt sind drei Reihenhäuser und eine Doppelhaushälfte kurz vor der Fertigstellung. Auch dies entspreche wohl nicht dem dörflichen Charakter, von dem OB Haas gesprochen habe, meinte einer der Antragsteller aus Nebel.

Das könne durchaus so gesehen werden, antwortete der Rathauschef. Allersdings habe der Bauherr nur das bestehende Baurecht ausgenutzt und sich an alle Vorgaben gehalten. Die Stadt hätte dies also nicht verhindern können.

Haas und Stadtbaumeister Jürgen Thum machten den Teilnehmern der Ortsbesichtigung klar, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, die Entwicklung von Nebel zu steuern. Der Stadtrat könnte den Flächennutzungsplan ändern, das Gebiet zur Siedlungsfläche erklären und dann einen Bebauungsplan aufstellen. Sollte man diesen Schritt wählen, würde ein Verfahren in Gang gesetzt, in das alle Fachstellen und Ämter, die es gibt, involviert wären und Stellungnahmen abgeben würden.

Der Stadtrat müsse sich der grundlegenden Frage stellen, welche Vorgehensweise er für besser hält. Am Ende käme aus Sicht von Haas aber dasselbe heraus: Es wird Baurecht geschaffen. Das könnte nur verhindert werden, wenn man die Entwicklung von Nebel komplett ablehnt.

Beim Rundgang wurde deutlich, dass die Nebeler in dieser Frage gespalten sind. Die Gegner der zusätzlichen Bebauung befürchten eine Zerstörung des idyllischen Dorfcharakters.

Die Befürworter, meist alteingesessene Nebeler, verwiesen unter anderem darauf, dass es heute nur vier statt 14 Anwesen im Ortsteil geben würde, wenn sich die Verweigerer einer zusätzlichen Bebauung in den 1960er-Jahren durchgesetzt hätten.

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