Hans-Jürgen Schaal kuratiert seit zehn Jahren die Jazz-Reihe der Stadthalle.

Das aktuelle Interview

„Im Jazz ist Germering eine Weltstadt“

Die JazzIt-Reihe der Stadthalle wird zehn Jahre alt. Künstlerischer Leiter ist Hans-Jürgen Schaal, einer der profiliertesten Jazz-Publizisten Deutschlands. Im Gespräch zieht der in Germering lebende Schaal Bilanz.

-Herr Schaal, im April 2007 startete JazzIt. Kann man zehn Jahre später sagen: Es ist eine Erfolgsgeschichte?

Dass die Konzertreihe seit zehn Jahren ohne Pause besteht, zeigt ja schon: Sie ist ein großer Erfolg. Am 14. Juli wird unser 87. Konzert stattfinden, wir erwarten das 100. Konzert fürs Jahr 2019. Die Besucherzahl liegt seit Beginn der Reihe ziemlich stabil um die 150 pro Konzert, mal mehr, mal weniger. Die genauen Abonnentenzahlen kennt das Team der Stadthalle. Frau Schmitt hat es bis jetzt immer geschafft, rasch und flexibel auch auf geringfügigste Trends zu reagieren – was die Zahl der Konzerte pro Jahr angeht, aber auch, was die Abopreise betrifft. Momentan sind wir bei sieben Konzerten im Jahr und einem Abopreis von 98 Euro, also umgerechnet 14 Euro pro Konzert. Ich denke, das ist ein klasse Angebot.

-Das erste Konzert der Jazz-Reihe mit Aki Takase war eher nichts für konservative Jazz-Hörer. Sie wurden mit dem zweiten, es spielte Dusko Goykovich, versöhnt. Ist diese Mischung aus eher sperrigem Jazz und traditionelleren Formen Programm?

Unser Programm wendet sich an Jazzhörer mit offenen Ohren. Selbst wenn einige Hörer eher konservativ eingestellt sein sollten (was immer das heißt), erkennen sie doch musikalische Qualität und können sie genießen. Unser Programm bemüht sich um Vielfalt – das macht seine Qualität aus. Da werden nicht etwa zwei Sorten von Jazz gemischt, sondern es sollen 1000 verschiedene Spielarten zu Wort kommen. Auch in der Bandgröße, in der Instrumentierung, der Altersstruktur, der Nationalität der Musiker und so weiter achten wir auf Abwechslung. Dass man es da nicht mit jedem Konzert jedem Besucher recht machen kann, ist klar. Aber das Germeringer Publikum ist fachmännisch genug, um musikalisches Talent zu erkennen und sich an Vielfalt zu erfreuen. Es wird bei uns also auch künftig verschiedene Formen von swingendem Modern-Jazz neben eher unkonventionellen und abenteuerlustigen Bands geben.

-Auftritte von US-Stars wie dem mittlerweile verstorbenen Larry Coryell sind Mangelware. Bleibt dies so?

„Stars“ sollte man eher nicht erwarten, denn unser Budget ist realistisch und bescheiden. Larry Coryell zu verpflichten war eine günstige Gelegenheit, da er erstens ohne Band auftrat, also bezahlbar war, und zweitens von einer deutschen Agentur frühzeitig angeboten wurde.

Es ist durchaus nicht unsere Absicht, US-amerikanische Musiker auszublenden, aber es gibt hier einfach ein grundsätzliches logistisches Problem. Eine amerikanische Band extra einzufliegen, ist finanziell nicht machbar. Und ob eine Europatournee zustande kommt, bei der man sich als Veranstalter einklinken könnte, wissen die Bands oft erst sehr kurzfristig. Da unser Jahresprogramm den Abonnenten aber schon im September des Vorjahres präsentiert wird, müssen praktisch alle Details schon im Frühjahr des Vorjahres geklärt sein – diese zeitliche Diskrepanz ist nicht zu lösen. Ein Jazzclub mit Monatsprogramm kann da natürlich flexibler arbeiten.

Angesichts dieses logistischen Problems bin ich sehr stolz, dass wir im Lauf der Jahre doch etliche großartige Musiker aus den USA in Germering hatten. Auch 2018 erwarten wir mit Matt Penman (Bass) und Ted Poor (Drums) wieder US-amerikanische Musiker der ersten Kategorie. Von einer „Beschränkung“ auf die europäische Jazzszene kann also nicht die Rede sein – zumal man bei der sensationellen Vielförmigkeit des Jazz in Europa kaum von einer Beschränkung sprechen kann.

-Wie geht’s weiter? Bleibt alles wie gewohnt? Werden es mehr oder weniger Konzerte? Welche Highlights stehen an?

Wenn „wie gewohnt“ heißt: weiterhin so vielfältig und voller Überraschungen: Ja! Auch 2018 werden es wieder sieben Konzerte sein. Wir werden viele hervorragende deutsche Musiker in Germering begrüßen, aber auch Künstler aus der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, den USA, Kuba und sogar Indien. Im Jazz ist Germering eine Weltstadt. Das Programm 2018 ist noch nicht veröffentlicht. Aber für mich ist jedes nächste Konzert immer ein Highlight, dem ich zutraue, dass es noch aufregender, noch brillanter wird als alles, was wir bisher gehört haben.

Interview: Klaus Greif

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