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So macht Unterricht gleich noch viel mehr Spaß: „Die Schüler sind ganz aufmerksam bei der Sache“, sagt Lehrerin Jeanette Dittmeier (3.v.l.). Wenn Elian mit Mama Tineke Deckert (r.) ins Klassenzimmer kommt, richten die Schüler alles her, damit sich alle wohlfühlen.

An der Kerschensteinerschule

Klassen-Baby Elian sorgt für gute Stimmung

Germering – Baby Elian ist der Mittel- und Höhepunkt im Stundenplan. Wenn er freitags mit seiner Mama Tineke Deckert die Klasse 5a der Kerschensteiner Schule besucht, wird es leise im Klassenzimmer. 

Schon bevor Elian und seine Mama in der Kerschensteiner Schule ankommen, gehen die Vorbereitungen los und im hinteren Teil des Klassenzimmers wird Platz gemacht. Die Schüler nehmen den Besen zur Hand, kehren Papierschnipsel oder Brotzeitbrösel weg und richten alles schön her. Denn gleich kommen sie: Mama Tineke Deckert und ihr zweieinhalb Monate alter Sohn. Und dann wird die Babydecke im Klassenzimmer ausgebreitet und eine ganz besondere Schulstunde beginnt.

Die zehn bis 13-jährigen Schüler der Kooperationsklasse 5a um Lehrerin Jeanette Dittmeier richten alles schön her, damit sich Elian und seine Mama in der kommenden Unterrichtsstunde in ihrem Klassenzimmer so richtig wohl fühlen. Die 23 Mittelschüler freuen sich riesig auf diesen Besuch: „Wenn mal Ferien waren und wir ihn erst nach zwei Wochen wieder sehen, dann ist der ja richtig gewachsen“, sagt Iman. Und Lukas hat schon festgestellt: „Elian ist immer in Bewegung.“

Die Schüler schauen genau hin, wenn dieses Baby vor ihnen auf der Krabbeldecke liegt und mit seinen kleinen Beinchen strampelt. Oder wenn es seine Händchen zu kleinen Fäustchen ballt und fröhlich vor sich hin gluckst. Meistens lächelt das Baby. „Mittlerweile kann er schon Gesichter erkennen“, erzählt die Mama den Schülern.

Elian bezirzt die Schülerinnen mit seinem Lächeln

Elian ist ihr drittes Kind. „Mit meinem ersten Kind hätte ich mich wohl nicht getraut, an diesem Projekt teilzunehmen“, meint sie. Aber als dreifache Mama habe sie längst eine gewisse Routine entwickelt. „Als ich vom Projekt Babywatching an der Kerschensteiner Schule hörte, habe ich sofort Kontakt aufgenommen“, sagt sie.

Früher arbeitete Tineke Deckert als Jugendsozialarbeiterin an einer Mittelschule. Seit einigen Jahren ist sie auch noch Tagesmutter.

„Grad eben im Auto hat Elian noch geschlafen, aber langsam wird er munter“, erzählt sie den Schülern. „Ja schau, er lächelt uns schon an und strampelt wie wild“, freut sich die Klasse um Lehrerin Dittmeier. Es rührt sich was in dieser etwas anderen Unterrichtsstunde, die unter der Überschrift Babywatching heute auf dem Lehrplan steht.

Zwischendruch gähnt der kleine Elian schon mal in die Runde rein, aber so manches Lächeln seinerseits freut die Mädels der Klasse: „Schau mal wie er strahlt. Ich glaub’ er flirtet grad mit mir“, scherzt eine Schülerin.

Kurz bevor Elian und seine Mama in die Klasse kamen, ging es im Klassenzimmer noch relativ laut zur Sache. Doch längst sind die Schüler auf ganz leisen Sohlen unterwegs und nehmen Rücksicht auf das kleine Wesen, das seit Anfang Oktober inmitten ihrer Runde seinen Platz gefunden hat.

Gerne würden sie ihn mal auf den Arm nehmen und knuddeln, doch sie halten sich dezent zurück. Sie sind einfach nur mit dabei und schauen zu, was als nächstes passiert.

Das steckt hinter dem Projekt

Babywatching ist ein Projekt der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Konrektorin Claudia Wagenführer betreut das Projekt, das in fünf Klassen der Kerschensteiner Schule seit Schuljahresbeginn mit Erfolg durchgeführt wird. 

Beim Projekt erfahren die Kinder hautnah und jede Woche aufs Neue, wie sich die Kleinsten entwickeln. Dadurch lernen auch Kinder, die ohne Geschwister aufwachsen, feinfühliger und sozialer zu reagieren.

„Wir beobachten in allen Klassen, dass die Schüler während der Besuche von Mutter und Kind sich ganz ruhig und aufmerksam verhalten“, freut sich die stellvertretende Schulleiterin. Der Aufmerksamkeitspegel in den Klassen hat sich seit Beginn des Projekts deutlich erhöht. 

von Angi Kiener

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