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Stadtrat

In Germering: Mieten seit 2016 um 7,8 Prozent gestiegen

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Die Stadt hat turnusgemäß einen neuen Mietspiegel aufgestellt. Ein Vergleich zu dem Instrument aus dem Jahr 2016 bestätigt: die Mieten sind seit 2016 um 7,8 Prozent gestiegen.

Germering – Die Stadt erstellt mit einer kurzen Unterbrechung seit über 20 Jahren eine Mietspiegel. Er muss nach anerkannt wissenschaftlichen Grundsätzen gefertigt, alle zwei Jahre erneuert und vom Stadtrat anerkannt werden. Nur so wird er als so genannter qualifizierter Mietspiegel vor Gericht anerkannt. Darauf wies Rechtsanwalt Peter Irrgeher im Stadtrat hin. Der Experte für Mietrecht ist beim Mieterverein München tätig und führt seit Jahren Beratungen in Germering durch. Seiner Erfahrung nach hat sich die Einführung eines Mietspiegel bewährt. Die Zahl der Rechtsstreite habe seitdem deutlich abgenommen: „Wir können jetzt meist schon im Vorfeld alles schnell und einfach regeln.“

Eingeführt wurde der Mietspiegel wegen einer Mieterhöhung in den damaligen WWK-Wohnungen um 30 Prozent, erinnerte Irrgeher. Es habe damals eine turbulente Mieterversammlung in einer Schule gegeben. Der in der Folge eingeführte Mietspiegel sei allerdings zunächst vom Amtsgericht Fürstenfeldbruck nicht anerkannt worden. Das Landgericht München hat Irrgeher zufolge dann entschieden, dass das Germeringer Instrument vor Gericht verwendet werden darf.

Erstellt wird der Mietspiegel alle zwei Jahre. Die Stadt verschickt dabei im Vorfeld Fragebögen an alle Mieterhaushalte in Gebäuden mit mehr als vier Wohneinheiten. Bei der Ausarbeitung der Fragen arbeitet die Stadt eng zusammen mit dem Mieterververein und dem Eigenheimerverein sowie dem Statistischen Beratungsbüro der Münchner Universität. Das Beratungsbüro wertet die zurückgesandten Fragebögen dann aus und erstellt den Mietspiegel.

Insgesamt erhielt die Stadt bei der Neuaufstellung 1648 Fragebögen zurück – vor zwei Jahren waren es 1678. Von diesen 1648 mussten der Verwaltung zufolge aus verschiedenen Gründen 873 aussortiert werden – unter anderem, weil die fraglichen Wohnungen auch gewerblich genutzt werden oder weil die Angaben widersprüchlich waren. Die Rücklaufquote ist aber mehr als ausreichend, um plausible Aussagen zu den örtlichen Mieten zu machen.

Demnach beträgt die mittlerere Nettomonatsmiete pro Quadratmeter mittlerweile 10,33 Euro. Im Jahr 2016 lag sie noch bei 9,59 Euro. Der Anstieg in den vergangenen zwei Jahren kam allerdings nicht überraschend. Bei der Vorstellung des Mietspiegels 2016 wurde schon festgestellt, dass die Mieten seit 2014 deutlicher angestiegen sind als jetzt. Damals lag der Satz bei 8,1 Prozent – 2014 bezahlte man durchschnittlich noch 8,87 Euro pro Quadratmeter.

Der Mietspiegel zeigt deutlich auf, welche Wohnungen in Germering am günstigsten sind. Zieht man in ein 72 Quadratmeter großes Domizil, das zwischen 1949 und 1965 erbaut wurde, beträgt die durchschnittliche Monatsmiete 8,70 Euro je Quadratmeter. Handelt es sich um eine neue Wohnung ab dem Baujahr 2017 steigt der Mietzins für diese Wohnungsgröße auf 14,66 Euro.

Hinzu kommen in beiden Fällen Auf- oder Abschläge für bestimmte Mietmerkmale. Eine ältere Wohnung im Stadtgebiet bis zum Baujahr 1977 dürfte dann beispielsweise um 1,42 Euro teurer sein, wenn sie über eine Dachterrasse verfügt. Sollte hier auch noch das Bad komplett erneuert worden sein, kommen noch einmal 1,25 Euro hinzu.

Kommentar: 

Über eines sollte man sich im Klaren sein: Ein Mietspiegel ist keine Mietpreisbremse, führt also nicht zu einer Beschränkung der Mieten. Das wird an der Entwicklung der Zahlen in den vergangenen Jahren mehr als deutlich. Was der Mietspiegel stattdessen leistet, ist aber nicht unwichtig. Er stellt objektiv dar, wie hoch das Mietniveau in Germering ist. Diese so genannte ortsübliche Vergleichsmiete zeigt meist schon vor einer Gerichtsverhandlung auf, ob eine Mieterhöhung rechtens ist oder nicht. Der Mietspiegel vermeidet also Streitigkeiten. Er wird deswegen bei Neuvermietungen auch von Vermietern herangezogen. Das kann für Mieter allerdings eine negative Folge haben. Der Vermieter weiß, was er verlangen darf – und wird dies in der Regel ausnutzen. (Klaus Greif)

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