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Wirt Alfred Fastl versteht die Welt nicht mehr.

Streit in Germering

Jetzt muss das Gericht entscheiden: Darf dieser Rauch-Pavillon stehen bleiben?

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Eigentlich schien sich die Aufregung ums Rauchen in Gaststätten gelegt zu haben. Doch in Germering flammt der Streit zwischen Gegnern und Verfechtern des blauen Dunstes nun wieder auf – es wird wohl einen Richter brauchen, um ihn zu beenden.

Germering – Seit dreieinhalb Jahren betreibt Alfred Festl am Kleine Stachus in Germering seine Enoteca del tufo. Das kleine Restaurant mit Café-Charakter befindet sich im Gebäude der Sparkasse und hat zum vor einiger Zeit runderneuerten Platz hin zwei abgestufte Terrassen mit mehreren Tischen. Auf einen kleinen Bereich direkt vor der Enoteca hat Fastl ein Pavillonzelt gestellt. Dieses erlaubt Frischluftfanatikern bei Regen weiter draußen sitzen zu bleiben. Im Winter zieht Fastl noch seitliche Planen ein. Vor allem Raucher freuen sich über diesen Schutz.

Pro Rauchfrei sieht das Zelt als geschlossenen Raum

Das könnte dem Wirt jetzt zum Verhängnis werden. Denn der Verein Pro Rauchfrei hat Fastl verklagt. Die erklärten Kämpfer gegen Nikotinverschmutzung sehen das Zelt als geschlossenen Gastronomieraum an – obwohl man davon aus Sicht von Fastl nicht sprechen kann: „Der ist nicht geschlossen. Die Wände reichen nicht bis zum Boden. Hier zieht es überall.“

Der Rechtsstreit entzündet sich an den Seitenwänden, die im Winter eingezogen werden.

Eine erste Abmahnung der Nichtraucher-Lobbyisten über 200 Euro vor rund einem Jahr habe er noch akzetiert, weil er dachte, einen Fehler gemacht zu haben, gesteht Fastl. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt des Landkreises habe er zudem am Pavillon ein Schild „Rauchen erlaubt“ anbringen müssen, dann sei alles klar gewesen.

Das Schild ließ Fastl dann auch anfertigen und anbringen. Die Hoffnung, damit sei die Geschichte erledigt, hat sich aber nicht erfüllt. Denn jetzt forderte Pro Rauchfrei das Abhängen des Schild. Als Fastl das nicht tat, verklagte ihn die Initiative auf Zahlung einer Vertragsstrafe in Höhe von 1000 Euro.

Stephan Weinberger ist Jurist und Vize-Vorsitzender von Pro Rauchfrei. Er erklärt im Gespräch mit dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt/Germeringer Merkur, dass man noch versucht habe, dem Wirt entgegen zu kommen. Gegen eine Zahlung von 500 Euro hätte man das Verfahren beendet. Darauf ließ sich Fastl aber nicht ein. Jetzt kommt es zur Verhandlung.

Ein Termin, der vergangene Woche anberaumt war, wurde mittlerweile auf Dezember verlegt. Aus Sicht von Pro-Rauchfrei-Anwalt Weinberger ist die Situation klar: Wenn der Wirt der Enoteca im Winter die Seitenwände des Pavillons einzieht, sei dieser rechtlich gesehen als geschlossener Nebenraum zu betrachten. Und in einem solchen dürfe in Bayern nicht geraucht werden. Der offene Pavillon im Sommer sei dagegen kein Problem, so der Jurist.

Aktivist von Pro Rauchfrei schießt Fotos von qualmender Frau

Das Gesundheitsamt Fürstenfeldbruck bestätigt diese Auffassung. Ein auf allen Seiten geschlossenes Zelt, auch ein Pavillon, gelte als geschlossener Raum. Dort sei Rauchen nicht erlaubt – auch wenn man ein Hinweisschild aufhänge. Das ändere sich allerdings schon, wenn der Pavillon auf nur einer Seite offen sei.

Auf die Situation am Kleinen Stachus ist Pro Rauchfrei laut Fastl durch ein Kraillinger Mitglied des Vereins aufmerksam gemacht worden. Das habe im vergangenen Dezember Fotos von einer im Pavillon rauchenden Frau gemacht und diese an den Verein und auch ans Fürstenfeldbrucker Gesundheitsamt weiter geleitet. Diese Foto können laut Fastl auch noch Anlass für ein eigenes Gerichtsfverfahren werden. Die rauchende Frau sei da eindeutig zu erkennen. Sie überlege sich eine Klage wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts.

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