Hans-Jürgen Gulder (M.) erklärt den Teilnehmern der Führung die Geschichte einer umzäunten Fichtenkultur.

Waldbegehung

Die kälteliebende Fichte wird zum Problembaum

Der frühere Leiter des Forstamts im Landkreis, der Germeringer Hans-Jürgen Gulder, hat Mitglieder und Freunde des Heimatpflegevereins durch den heimischen Wald geführt. Im Mittelpunkt der Exkursion stand die Frage, wie die Germeringer Wälder mit dem Klimawandel zurecht kommen.

Germering Darüber hatte Gulder auch schon bei der Jahresversammlung des Vereins referiert. Unter den über 30 Teilnehmern der Führung waren Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster, Altbürgermeister Peter Braun und der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, Albert Bichler, zu finden.

In der Nähe des Parkplatzes des Germeringer Sees machte Gulder auf eine erste Gefährdung für den Wald aufmerksam. Bei den dort stehenden Eschen waren deutliche Anzeichen des Eschentriebsterbens zu sehen. Diese Baumkrankheit trat laut Gulder erstmals 2007 auf Germeringer Flur auf. Ursache ist aber nicht der Klimawandel, sondern ein aus Ostasien mit dem Seehandel importierter Pilz.

Vorbei an einem Bestand von Hainbuchen führte der Weg entlang der Gräben eines mittelalterlichen Burgstalls weiter zur Orchideenwiese. Diese wächst auf dem Aushub des Germeringer Sees, dessen wasserundurchlässiges Material zur Entwicklung einer artenreichen Feuchtwiese geführt hat. Nächste Station war gesunder, etwa 20-jähriger Bergahornbestand der laut Gulder bei guter Pflege ab einem Alter von 60 bis 80 Jahren als wertvolles Stammholz veräußert werden kann.

Der nächste Halt war einer der Höhepunkte der Führung: Ein kleines umzäuntes naturbelassenes Waldstück, das der Umweltbeirat 2004 mit einer Bepflanzung von kleinen Tannen aus dem Moorenweiser Staatswald angelegt hat. Inzwischen haben sich hier im Schutz von umstehenden Altfichten sechs verschiedene Baumarten selbst angesät. Für Gulder ist dies ein gutes Beispiel, wie sich ein selbst überlassenes und vom Rehwildverbiss geschütztes Waldstück naturnah, kostenlos und ertragversprechend entwickeln kann.

Die nächste Station bildete eine neu aufgeforstete Fläche, deren Altbestand aus Fichten den schweren Stürmen und anschließend Borkenkäferbefall zum Opfer fiel. Gulder verwies auf die Umzäunung dieses Waldstückes, die angebracht wurde, damit sich die jungen Forstpflanzen unbeschadet entwickeln können. Ein angepasster Rehwildbestand wäre hier seiner Meinung nach die einfachste Lösung.

Die Schadfläche verdeutlicht Gulder zufolge auch die zunehmenden Probleme mit der kälteliebenden Fichte im Klimawandel. Die rasant zunehmende Jahresdurchschnittstemperatur seit den 1990er-Jahren und extrem heiße und trockene Sommer setzen dem so genannten Brotbaum der bayerischen Forstwirtschaft enorm zu. Sie erfordern laut dem Experten zufolge neue Waldbau-Strategien mit klima-toleranten Laubmischwäldern.

Den Abschluss der Führung bildete ein Halt vor einer einsam stehenden Kiefer, an der zum Anlass des Tages des Waldes im Jahr 2018 von den Machern des Kunstprojekts Magic Forest ein Sonnenrad installiert wurde. Da die Fläche rund um die Kiefer wegen Windwurf und Borkenkäferbefalls abgeholzt werden musste, öffnete sich nunmehr ein freier Blick auf die Stadt Germering und in die Alpen.

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