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Vor der Dorfkirche St. Jakob: Die Feuerwehrleute begleiten Kirchenmusikerin Sul Bi Yi, Stadtpfarrer Hans Christian Jaster (mit Monstranz) und Mesner Joseph Schneider beim Segnungsgang.

Coronabedingt anders 

Kleine Fronleichnamsprozession in Germering - mit großem Effekt

  • vonHans Kürzl
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Die Stadtkirche Germering hat als einzige eine Fronleichnamsprozession abgehalten, wenn auch nur in abgespeckter Form. Die Gläubigen steuerten ihren eigenen Teil dazu bei.

Germering – Es ist fünf Minuten vor neun Uhr am Fronleichnamstag, als die Glocken der Dorfkirche St. Jakob zur Prozession bitten – eigentlich wie jedes Jahr. Doch in Corona-Zeiten ist trotzdem alles anders. Der Dorfplatz ist völlig leer, nur vier Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Unterpfaffenhofen, Stadtpfarrer Andreas Christian Jaster, Mesner Joseph Schneider und Kirchenmusikerin Sul Bi Yi machen sich auf den Weg zum eucharistischen Segnungsumgang durch das Dorf. So wurde es offiziell im Pfarrbrief angekündigt.

Nach einer guten Dreiviertelstunde wird Stadtpfarrer Jaster davon sprechen, dass er dieses Erlebnis als sehr intensiv empfunden habe. Normal spüre er zwar ebenso, wenn viele Menschen hinter ihm auf die Straße ziehen. „Auch wenn man sich auf die Gebete, den Heiland und die Monstranz konzentriert.“ Heuer aber sei das anders gewesen, so Jaster. „Ganz anders.“

Fronleichnamsprozession in Germering: Lieder unplugged

Weil die Gläubigen nun am Straßenrand stehen, in den Hofeinfahrten, auf den Balkonen. Jaster erklärt: „Ich habe die Menschen bewusster wahrgenommen, ihr Kreuzzeichen oder wenn sie das Knie gebeugt haben.“ Genauso freut er sich, dass sich viele Unterpfaffenhofener mit einem kleinen Altar oder einem geschmückten Altar beteiligt haben. Es sind gefühlt genauso viele wie in den vergangenen Jahren.

Geschmückte Altäre gab es in etwa genauso viele wie in den vergangenen Jahren.

Auch ein zufällig vorbeikommender Fußgänger wie Otto Muhrmann spürt das Besondere dieser Prozession, auch wenn sich der 41-Jährige nicht als übermäßig gläubig erachtet. „Es hat etwas von Ursprung und Unaufgeregtheit.“ Das empfinde er als wohltuend in einer Zeit mit so vielen aufgeregten Mitteilungen. Wer ein Stück Ruhe in den Alltag bringe, sei aber letztlich egal.

Pfarrer mit Monstranz: Andreas Christian Jaster an einem Altar an der Salzstraße.

Der Lautstärkepegel ist allein deshalb schon niedriger, weil die mobilen Lautsprecher fehlen. Lieder und Gebete kommen unplugged, wie es in der Musik heißen würde – getragen lediglich von den Stimmen des Stadtpfarrers, der Kirchenmusikerin Sul Bi Yi und Mesner Schneider. Für Stadtpfarrer Jaster war es wichtig, ein Stück Gewohnheit und christlichen Alltag auch in Krisenzeiten zu bewahren. „Selbst wer einen starken Glauben hat, braucht Rituale.“ Die Menschen könnten gerade in Krisenzeiten etwas Vertrautes brauchen, an dem sie sich festhalten können. Das sei der Grundgedanke gewesen, die Prozession trotzdem durchzuführen. Jaster versteht es als Zeichen, dass die Kirche in schweren Zeiten zu den Menschen kommt.

Und so hat die Stadtkirche auch am Weg festgehalten, den die Prozession in normalen Zeiten genommen hätte. Er führt an möglichst vielen Häusern und Höfen vorbei. Das ist den Unterpfaffenhofenern bei dem Umgang seit jeher wichtig, um die Bindung untereinander zu stärken im Dorf, das mit der Zeit zu einem Stadtteil geworden ist.

Fronleichnamsprozession in Germering: Die Angst nehmen

Jaster sieht das zudem als ein Stück Gesundheitsfürsorge für die Menschen, aber durchaus im ganzheitlichen Sinn. „Es gibt die rein medizinische Seite, dann die wirtschaftliche und schließlich die soziale.“ Da sei die Fronleichnamsprozession ein kleiner, aber nicht zu unterschätzender Mosaikstein, der den Menschen Angst nehmen könne – vor dem nächsten Tag, wieder in den sozialen Kontakt zu kommen oder vor neuen Vorschriften.

Letztere hat die Stadtkirche natürlich bei dem eucharistischen Segnungsumgang beachtet. Stadtkirche und die Große Kreisstadt mit Oberbürgermeister Andreas Haas haben sich im Vorfeld untereinander abgestimmt. „Das war vollkommen unproblematisch“, so Jaster. Schließlich seien dir grundlegenden Corona-Maßnahmen zu Abstand oder Mundschutz allseits bekannt.

Fronleichnamsprozession in Germering: Feuerwehr beruhigt

Die vier Feuerwehrkräfte hätten zusätzlich einen beruhigenden Charakter gehabt. Da sei schon eine gewisse Autorität und Absicherung gegeben, gibt der Germeringer Stadtpfarrer zu. Man wisse ja im Vorfeld nie, ob oder wie viele Menschen sich spontan zu einer Teilnahme entschließen würden. In Germering sind es allenfalls vier oder fünf Menschen, die streckenweise mitgehen.

Nur an den Altären haben sich ein paar Gläubige mehr versammelt. Grund einzugreifen hatte das Quartett der Unterpfaffenhofener Feuerwehr allerdings trotzdem nicht.

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