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In Germering protestierten über 1000 Menschen.

CO2-Ausstoß

Klima-Streik: Weit über 1000 Demonstranten gehen auf die Straße

Hunderte Menschen haben sich am Freitag auch im Landkreis Fürstenfeldbruck zum Klima-Streik getroffen. Sie fordern die Politik auf, etwas gegen den CO2-Verbrauch zu unternehmen.

Germering/Puchheim - 

Update 16.38 Uhr: Bericht aus Puchheim 

Zwar sah man auch hier und da Erwachsene, aber der Grüne Markt am Puchheimer Bahnhof war am Freitag mittag fest in der Hand von Kindern und Jugendlichen. Zwischen 500 und 800 Schüler, so die Schätzungen, demonstrierten unter dem Motto „Puchheim for future“ für wirksamen Klimaschutz. 

Auch die Kleinsten hatten Plakate dabei und mochten beim Hochhalten schwere Arme bekommen haben, aber auf diese Weise war ein kleines Meer von Forderungen zu sehen. „Endlich Taten statt Worte“ hieß es beispielsweise oder „Plastikverbot statt Atemnot“, „Make earth cool again“, forderten zwei Mädchen auf ihrem Transparent. Bei den selbstgemalten Bildern sah man oft einen fragil aussehenden Planeten oder gleich – wie bei dem Werk aus dem Kunstunterricht der 7a des Gymnasiums – eine Welt mit Fieberthermometer. 

Umdenken bei den Gewohnheit für den Klimaschutz

Aber die Jugend kam auch selbst zu Wort. Mauricio (11) und Sophie (9) warben für „Plant for the planet“, ein Bündnis, das seit 2007 bereits 13 Milliarden Bäume gepflanzt hat. Ob im heimatlichen Petershausen wie Sophie oder indirekt in Mexiko. Mauricio erklärte am Mikrophon Photosynthese und Treibhauseffekt. Er forderte – wie ältere Redner nach ihm – ein Umdenken bei den Gewohnheiten: „Wir sollten nicht soviel fliegen, Autofahren und Fleisch essen.“ 

Mit konkreten Forderungen waren die beiden weiterführenden Schulen angerückt, die rechtzeitig zur Kundgebung unterrichtsfrei bekommen hatten. Lilly und Charlotte von der Realschule baten den „lieben Bürgermeister“ und die „liebe Stadt Puchheim“ unter anderem um mehr Mülleimer, Fahrradständer sowie ein bike- und car-sharing-Konzept. Der Fünf-Punkte-Forderungskatalog von Hirad und Tobias vom Gymnasium enthielt eine bessere Taktung von Bus und S-Bahn, mehr Fahrradwege, -streifen und -straßen. Nur den Wunsch nach Solarstrom vom Schuldach mustten die beiden anschließend korrigieren. 

Erinnerung an das Waldsterben

Es gibt auf dem Gymnasium eine Photovoltaik-Anlage. Aber nur „drei Platten“, die man kaum sehe. Außerdem sei noch Platz reichlich für mehr. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) quittierte den Empfang der beiden Petitionen mit einem „Eingangsstempel“ und versprach, sie nicht in der Ablage verschwinden zu lassen. In seiner eigenen Rede erinnerte er an das Waldsterben aus den 1970er Jahren. „Ich war damals nicht bei Demonstrationen, weil ich nicht kapiert hab, dass ich was ändern kann.“ Die Protestierenden von heute forderte er auf, „den Druck im Kessel hoch zu halten“. Eine Ansprache mit politischen Seitenhieben hielt schließlich Umweltreferent Manfred Sengl von den Grünen. Es genüge nicht, öffentlich einen Baum zu umarmen, aber an einer unseligen 10-H-Regelung festzuhalten, die den Windkraftausbau verhindere. Und für einen Seitenhieb auf die örtliche CSU gab es viel Beifall: „Die, die das hier heute als Aktionismus kritisieren, sind die, die sich ins gesellschaftliche Abseits stellen. (op)

Update 16.36 Uhr: Bericht aus Germering

Die Stadt hat ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt im Kampf gegen Klimawandel. Weit mehr als 1000 Demonstranten haben sich auf dem Platz vor der Stadthalle mit „Germering for Future“ für mehr Klimaschutz ausgesprochen. Neben vielen Schülern haben sich auch jede Menge Erwachsene der Protestaktion angeschlossen.

Michael Lorenz, der als Pfarrer der evangelischen Dietrich Bonhoeffer-Kirche die „Germering for Future“-Bewegung initiierte, war um 11.40 Uhr noch etwas skeptisch. Der Platz vor der Stadthalle war da noch recht leer, nur die an den Rändern ringsum aufgestellten Stände der Parteien und Einrichtungen wie AWO, Sozialdienst oder Bund Naturschutz waren schon gut bestückt mit den jeweiligen Vertretern. Aber Lorenz blieb optimistisch: „Eine Viertelstunde haben wir noch. Die Schüler kommen noch.“

 Er sollte recht behalten. Als um 11.55 Uhr wie geplant die Glocken aller Germeringer Kirchen mit ihrem Geläut den Beginn der Kundgebung signalisierten, war auf dem Platz vor lauter Menschen kein Durchkommen mehr. Polizeichef Jürgen Dreiocker, der mit einem Kollegen vor Ort war, schätzte die Zahl auf mindestens 1000. Es könnten aber auch 1200 gewesen sein. Pfarrer Lorenz – er stand mittlerweile auf der Bühne und eröffnete den Reigen der Redner – war überwältigt vom Zuspruch. Noch vor wenigen Monaten seien die demonstrierenden Schüler von den Politikern belächelt worden: „Jetzt nicht mehr.“ Wie auf Pop-Konzerten rief er dann immer wieder in die Menge und forderte die Vertreter der einzelnen Schulen auf, sich bemerkbar zu machen – die Antwort war jedes mal ein hundertfaches, lautes „Yeah“. 

Der hohe Lebensstandard Thema beim Klimaschutz

Mehrere Schüler wagten sich auch selbst mit vorbereiteten Reden auf die Bühne.  Alt-OB Peter Braun, der wie alle anderen von der großen Zahl der Demonstranten beeindruckt war, sah den gewohnten hohen Lebensstandard als größte Hürde für ein Umsteuern. 

Den weitaus größten Beifall der Redner heimste Mitorganisatorin Sophie Schumacher ein. Angelehnt an den Aufbau der berühmten „Ich habe einen Traum“-Rede von Martin Luther King, schmetterte die 23-jährige Grünen-Stadträtin eine „Es kotzt mich an“-Suada über den Platz. Beispiel: „Es kotzt mich an, wenn ein Haufen Jugendlicher den Politikern sagen muss, was zu tun ist. Es kotzt mich an, wenn ich nicht in den Urlaub fahren kann, weil das Bahnticket zu teuer ist.“ Dem stimmten nicht nur die vielen hundert Schüler auf dem Platz zu. 

Urgestein beim Klimaschutz

Die 54-jährige Germeringerin Susanne Kollmann eilte nach der Rede spontan zur Bühne und drückte Sophie Schumacher die Hand: „Ich möchte mich bei der Jugend bedanken. Unsere Generation hat es verpennt, was zu machen.“ Einer aus der Generation der Älteren durfte dann aber auch noch auf die Bühne: Jürgen Wrede, als Urgestein des Klimaschutzes vor Ort angekündigt. Wrede hat schon vor rund 30 Jahren für die Mitgliedschaft der Stadt im Klimabündnis gekämpft und ist jetzt immer noch im Bund Naturschatz aktiv. Mit einem Stand vertreten war übrigens auch die Vereinigung „Scientists für Future“. Der Germeringer Volker Grewe, Professor für Klimawirkungen im Luftverkehr an der Universität Delft, will diese Bewegung auch vor Ort etablieren. Er und seine Kollegen aus der Wissenschaft seien dafür da, die Klimaschutzbewegung mit Fakten zu unterfüttern.

 Er hatte immerhin Positives zu vermelden: „Es ist noch möglich, den weltweiten Temperaturanstieg auf unter 1,5 Grad zu beschränken.“ Dazu seien aber neben einer Umstellung des Wirtschaftssystems auch negative Emissionen notwendig: Sprich: Der CO2-Verbrauch muss reduziert werden. OB Andreas Haas war auch zur Demo gekommen. Eine Ansprache hielt er aber nicht – „Ich bin nicht gefragt worden.“ Er sei vor allem da, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die große Zahl der Teilnehmer bedeute natürlich auch, dass Germering mehr tun müsse. Allerdings sei die Stadt auch bisher nicht untätig gewesen. (Klaus Greif)

Update 14.21 Uhr: In Puchheim waren zwischen 500 und 800 Demonstranten auf den Beinen - die Schätzungen variieren derzeit noch etwas. Zum Grünen Mark waren vor allem Kinder und Jugendliche gekommen.

Update 13.38 Uhr: In Germering kamen die Veranstalter mit dem Zählen der Besucher gar nicht nach - der Andrang war weit größer als gedacht. Nach einer sehr vorsichtigen Schätzung der Polizei geht man von mindestens 1000 Demonstranten aus. Nach dem Ende der Veranstaltung an der Stadthalle machten sich viele Teilnehmer auf nach München zur nächsten Demo. Die Kirchen unterstützen den Protest. Daher läuteten alle Glocken Germerings für fünf Minuten gleichzeitig.

Update 12.15 Uhr:  In Germering war zu einer zentralen Veranstaltung an der Stadthalle aufgerufen worden. Das Motto lautet „Germering For Future“. Ein breites Bündnis rief dazu auf, die Arbeit nieder zu legen und überparteilichen Protest zu äußern. Ziel ist eine wirkliche Veränderung im Klimaschutz. Nach ersten Einschätzungen sind rund 1000 Menschen zur Stadthalle gekommen. Es sind Stände aufgebaut, es werden Reden gehalten.

Über 500 Demonstranten waren es in Puchheim.

 In Puchheim findet der Klima-Streik (“Puchheim For Future“) am Grünen Markt statt - rund 500 Demonstranten kamen. In Bruck laufen am Freitag Aktionen im Rahmen der europäischen Mobilitätswoche, am Nachmittag etwa der Parking-Day in der Innenstadt. 

Ausführliche Berichte folgen.

Einen Überblick über weitere Aktionen finden sie unter diesem Link.

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