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In Germering entsteht ein Briefzentrum.

Mit 22:19 Stimmen

Knappe Entscheidung im Stadtrat: Germering stimmt pro Briefzentrum

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Der Germeringer Stadtrat hat mit der knappen Mehrheit von 22:19 Stimmen am Dienstag für die Ansiedlung des Briefverteilzentrums der Post gestimmt. Sie leiteten mit der Entscheidung die notwendige Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Areal im Gewerbegebiet Nord ein. 

Germering - Die Abstimmung verlief quer durch die Fraktionen. Fünf der 21 CSU-Stadträte lehnten das Vorhaben ab. Zwei Grüne und eine SPD-Stadträtin sowie die drei Stadträte der FWG/UBG gleichen dies aber wieder aus. OB Andreas Haas stimmte ebenfalls dafür. Die Post will in Germering das modernste Briefzentrum Europas bauen. Es soll die Verteilzentren in der Münchnern Arnulfstraße und in Schorn bei Starnberg ersetzen. Auch die Verwaltung der Münchner und die des Briefzentrums Rosenheim soll nach Germering verlegt werden. Insgesamt entstehen so rund 1300 Arbeitsplätze. 

Update: 

Die Diskussion über das geplante Briefzentrum im Gewerbegebiet Germeringer Norden ist seit Bekanntwerden der Pläne vor eineinhalb Jahren nicht abgeebbt. Das war auch bei der entscheidenden Sitzung am Dienstag im Stadtrat zu spüren. Sämtliche Sitzplätze für Besucher waren belegt. Sie erlebten eine Sitzung, die zunächst von den Vertretern der Post geprägt war. 

Post baut Kindergarten am Briefzentrum

 Dietmar Büdenbender, im Konzern für die weltweit insgesamt rund 22 000 Liegenschaften der Post zuständig, Projektleiter Thomas Schlickenrieder, und Architektin Andrea Gebhard stellten noch einmal in aller Ausführlichkeit ihr Projekt vor. Dabei gab Schlickenrieder neben den schon bekannten Argumenten ein weiteres Zugeständnis an die Stadt bekannt. Die Post wird auf dem Areal westlich des bestehenden DHL-Zentrums einen zweigruppigen Kindergarten bauen. Der soll sogar Teil des Bebauungsplanes werden, versicherte Schlickenrieder. Dass die Post ihre Versprechungen ernst nehme, verdeutlichte auch Büdenbender noch einmal deutlich: „Wir werden alle Zusagen einhalten.“ 

Diese betreffen unter anderem die Schaffung von 1300 Arbeits- und Ausbildungsplätzen, eine Vermeidung von innerörtlichem Verkehr, jährliche Gewerbesteuern von rund einer Million Euro und den Bau einer Gewerbeansiedlung, die den höchsten ökologischen Standards genügt. 

Das sagen die Gegner des Briefzentrums

Die folgende Diskussion war geprägt von Stellungnahmen der Fraktionssprecher. Manuela Kreuzmair (CSU) machte den Auftakt und erklärte, dass es sich die CSU nicht leicht gemacht habe. Es gebe gute Gründe für und gute Gründe gegen die Ansiedlung der Post. Die CSU werde nicht geschlossen abstimmen. Sie selbst stimmte gegen das Vorhaben. Die übrigen vier CSU-Ablehner waren Paul Wunderl, Christian Ganslmeier, Eduard Sammiller und Gaby Pichelmaier. 

Für die SPD kündigte Robert Baumgartner dasselbe an. Seine ablehnende Haltung begründete er mit der Dimension des Vorhabens: „44000 Quadratmeter werden zu betoniert.“ Fraktionskollege Helmut Ankenbrand steuerte noch das Argument bei, dass die Zahl der Arbeitsplätze seiner Meinung nach wegen des zurück gehenden Aufkommens an Briefsendungen nicht sicher sind. Grünen-Sprecherin Agnes Dürr begründete die mehrheitliche Ablehnung ihrer Fraktion ebenfalls mit den riesigen Ausmaßen der Ansiedlung dem zu erwartenden Verkehr und dem großen Flächenverbrauch: „Das könne auch die hohen ökologischen Standards des Baus nicht ausgleichen.“ Geschlossen gegen das Postvorhaben stimmten die zwei Räte von ÖDP/Parteifreie. Maximilian Streicher begründete dies mit den vielen Unbekannten bei der Beurteilung der Post-Versprechen. FDP-Solist Peter Klotz gehörte ebenfalls zu den Gegnern. Warum er dagegen stimmte, war seinen Argumenten allerdings nicht zu entnehmen. Seinem Wunsch nach einer geheimen Abstimmung konnte nicht entsprochen werden. „Das ist nicht zulässig,“ erklärte OB Andreas Haas. Der Antrag von Agnes Dürr (Grüne) auf namentlicher Abstimmung wurde dann aber einstimmig angenommen. 

Die Befürworter des Briefzentrums

Die Befürworter Martina Seeholzer kündigte ein einheitliches Votum der drei FWG/UBG-Stadträte an. Die Post habe alle Einwände, die in den vergangen Monaten aufgekommen seien, ernst genommen und immer wieder nachgebessert. Wichtig sei ihr vor allem, dass tarifgebundene Arbeitsplätze entstehen und das Versprechen der Reduzierung des Verkehrsaufkommens. Barbara Hagmann (Grüne) meinte, dass sie den Versprechen der Post glaube, sie sehe im Briefzentrum mehr Vorteile als Nachteil. Wenn dann auch noch wie von Thomas Schlickenrieder angekündigt die Prüfung für eine Holzbauweise positiv ausfalle, dann enstehe ein Vorzeige-Industriebau, der weltweit Wirkung haben werde. 

Das sagt der OB zum Briefzentrum 

OB Andreas Haas gestand allen Stadträten zu, dass sie sich die Entscheidung nicht einfach machen würden. Im Kern gehe es aber darum, ob man auf der Fläche wie im Rahmenplan von 2001 vorgesehen Gewerbe haben will oder nicht. Er hätte es deswegen auch verstanden, wenn der Antrag gekommen wäre, die Brachfläche so zu lassen wie sie ist. Dies sei aber nicht geschehen. Der Stadtrat habe vor fast 20 Jahren für ein Gewerbegebiet gestimmt mit dem Ziel, Arbeitsplätze nach Germering zu holen. Denn nach wie vor sei es so, dass nur jeder sechste Germeringer vor Ort arbeite, während es in Fürstenfeldbruck oder in Dachau jeder Dritte sei. Mit der Ansiedlung der Post könne dies zumindest etwas angeglichen werden. 

Briefzentrum überzeugt trotz anfänglicher Skepsis

Sophie Schumacher (Grüne) erklärte, dass das Konzept bei aller Skepsis, die sie anfangs gehabt habe, sehr überzeugend sei. „Das ist besser als ein übliches Gewerbegebiet.“ Sie sei vor fünf Jahren als 18-jährige in den Stadtrat gewählt worden und wolle deswegen vor allem den jüngeren Germeringern eine Stimme geben. Und da habe sie in den vergangenen Wochen in ihrem Freundeskreis ausschließlich Zustimmung gehört. Für Schüler und Studenten, also auch für sie selbst, eröffnet das Briefzentrum ideale Job-Möglichkeiten. Auch der Jugendrat habe sich deswegen einstimmig für die Post ausgesprochen. Sie vertraue den Zusagen der Post. Unterstützung erhielt sie daraufhin von Centa Keßler , die als einzige SPD-Vertreterin für das Vorhaben stimmte. Sie sei fast viermal so alt wie Sophie Schumacher, teile aber deren Optimismus. Auch sie glaube, dass Germering vom Briefzentrum profitieren werde.

Kommentar: 

Die Spannung im Sitzungssaal war bei der Abstimmung über das Briefzentrum mit Händen zu greifen – auch weil das Prozedere nicht das einfachste war. Jeder einzelne Stadtrat wurde namentlich aufgerufen, um sein Votum abzugeben. 

Weil die erste Entscheidung im Bauausschuss gegen die Post ausgefallen war, mussten die Befürworter im ersten Abstimmungsdurchgang den Empfehlungsbeschluss des Ausschusses mit einem Nein kundtun. Da war immer wieder mal ein zögerliches Nachdenken zu spüren. Den stärksten Eindruck in der relativ kurzen sachlichen Debatte der Stadträte hinterließ Sophie Schumacher. 

Die jüngste Stadträtin machte sehr glaubwürdig deutlich, dass die Ansiedlung der Post von den Germeringern ihren Alters positiv gesehen wird. Sie gab den Post-Vertretern aber auch sehr deutlich zu verstehen, dass diese Zustimmung schnell kippen kann, wenn die Post ihre Versprechungen nicht hält. Den Gegenpol zu dieser deutlichen Haltung lieferte FDP-Stadtrat Peter Klotz ab. Er schaffte es, nicht zum ersten Mal, minutenlang zu schwadronieren, ohne klar zu machen, ob er jetzt dafür oder dagegen ist. Verständlich, dass er eine geheime Abstimmung wünschte. Die er aber nicht bekam. Seine Ablehnung musste er also doch noch öffentlich machen. 

Dem Stadtrat muss man aber auch noch ein Lob aussprechen. Bei einem derart strittigen Thema bis zum Schluss sachlich zu bleiben und vernünftig zu diskutieren ist nicht alltäglich. Die Demokratie vor Ort hat hier auf jedem Fall Pluspunkte gesammelt. (Klaus Greif)

Auch interessant: Germering wächst und wächst - das bringt große Herausforderungen mit sich

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