Serie: Was die Kirchen alles bieten (1)

Kolpingsfamilie bringt Leben in die Pfarrei

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Kirchen sind mehr als Gotteshäuser. Die örtlichen Pfarrgemeinden der evangelischen und katholischen Kirche sowie die Freie evangelische Gemeinde könnten mit ihren Angeboten ebenso gut als Bürgerhäuser, Kulturstätten oder Jugendzentren durchgehen. Der Merkur stellt diese Vielfalt jetzt in einer Serie vor.

Germering – Vor 30 Jahren ist an der Pfarrei St. Martin die Kolpingsfamilie gegründet worden. Sie ist Teil des Kolpingwerkes Deutschland, einem Verband mit rund 270 000 Mitgliedern in 27 Diözesanverbänden. Seit kurzem weht im örtlichen Ableger ein frischer Wind. Raphael Cröniger ist neuer Vorsitzender der Kolpingsfamilie. Der 30-jährige Familienvater will den Verband wieder stärker auf die Interessen junger Familien ausrichten. Schon Cröningers Vater Emil Schneider war Vorsitzender.

Mit der Wahl von Raphael Cröniger soll ein Generationenwechsel eingeleitet werden. Die derzeitigen Mitglieder und ihre Kinder wurden älter, was den Verein veränderte. Cröniger: „Wir haben viele ältere Mitglieder und viele Jugendliche. Aber im Alter von 20 bis 30 und bei Kindern sind wir dünn besetzt.“

Das will der neue Kolpings-Chef ändern. Die Arbeit mit jungen Familien sei das Kernstück der Kolpingwerke, sagt er. Der Verein soll eine Anlaufstelle sein, um mit der Familie etwas unternehmen zu können. Cröniger, selbst schon fast sein ganzes Leben Kolping-Mitglied, erinnert sich gerne an die Vater-Kind-Ausflüge mit seinen Geschwistern. „Manchmal war es recht regnerisch, aber wir erzählen uns die Geschichten noch heute.“ Diese Erinnerungen will er auch anderen Familien ermöglichen.

Die Ausflüge sind noch immer populär. Für das Vater-Kind-Wochenende im Juni in Erlach gibt es jetzt schon mehr als 60 Anmeldungen, es ist also ausgebucht. Jeder kann teilnehmen, unabhängig von Konfession und Mitgliedschaft in der Kolpingsfamilie.

Crönigers Ziel ist es, mehr Teilnehmer solcher Veranstaltungen auch als langfristige Kolping-Mitglieder zu gewinnen. Er weiß: „Junge Familiengründer haben wenig Zeit. Wir müssen besser zeigen, warum die Kolpingsfamilie ihnen trotzdem etwas bieten kann. Das ist meine Aufgabe.“

Dazu will Cröniger die Mitgliederwerbung ändern, aber auch neue Veranstaltungen anbieten. Pläne dafür hat er schon, spruchreif sind sie noch nicht. Das neue Programm wird erst im November verabschiedet, bis dahin will sich der Kolpings-Vorsitzende Zeit lassen.

Cröniger hat selbst zwei Kinder, das dritte ist auf dem Weg. Die Interessen junger Familien kennt er also bestens. Auch seine Frau hilft bei der Kolpingsfamilie mit. „Die gleichen Klettergerüste, an denen ich selbst geklettert bin, mit den eigenen Kindern zu erleben, ist etwas ganz besonderes“, meint Cröninger.

Trotz der Neuausrichtung will Raphael Cröniger die bewährten Veranstaltungen beibehalten. Das beliebte Kerzenbasteln für den guten Zweck, zum Beispiel. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen nach Nairobi, zur Unterstützung von Hilfsprojekten für Straßenkinder. 1000 Euro kamen dieses Jahr zusammen. Cröniger sieht das als guten Weg um dem Auftrag der Kolpingsfamilie zu dienen. „Wir wollen in der Gemeinschaft eine schöne Zeit erleben, Kindern Werte vermitteln und die Familienarbeit stärken.“

Der Generationenwechsel mit Cröninger passt zur Gesamtsituation der Kolpingwerke. Auf Verbandsforen diskutieren die Mitglieder dieses Jahr über eine Neuausrichtung des Verbands, die unter anderem eine Öffnung für konfessionslose Menschen einschließen könnte. Cröninger steht dem offen gegenüber. „Bei unseren Vater-Kind-Wochenenden klappt das schon gut.“ (mas)

Jubiläum

Die Kolpingsfamilie feiert ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Gründungsfest. Es geht am Sonntag, 29. April, 10 Uhr, im Pfarrzentrum von St. Martin über die Bühne.

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