Christoph Maier will Landrat werden.

Anwalt aus Türkenfeld

SPD glaubt an ihren Landratskandidaten

Im Germeringer Roßstall-Theater wurde jetzt der Gegenkandidat zu Thomas Karmasin vorgestellt. Christoph Maier will für die SPD Landrat werden. Er gibt sich zuversichtlich.

Germering – Hinter der Bühne im Roßstall-Theater hingen schon Plakate, die ein Fachgespräch zum Klimawandel unter Moderation des Landratskandidaten Christoph Maier ankündigten. Aber sehr gewagt war die vorzeitige Drucklegung nicht: Der Rechtsanwalt aus Türkenfeld wurde am Donnerstagabend mit 54 von 56 Stimmen tatsächlich zum SPD-Herausforderer von Thomas Karmasin (CSU) gewählt. Am Ende seiner Vorstellungsrede hatte er sich zuvor optimistisch gezeigt: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass ich die Mehrheit der Stimmen erringen kann.“

Sein einstündiger Vortrag mit teils heftigen Attacken auf den Amtsinhaber wurde wiederholt von höflichem Applaus unterbrochen. Mit ihrer stehenden Ovation zum Schluss blieb eine Genossin allerdings allein. Dafür trat ein Lobredner auf, der laut Tagesordnung eigentlich nicht vorgesehen war: Ein Mandant von Maier, der parteilose Oberammergauer Bürgermeister Arno Nunn, der als Quereinsteiger vor elf Jahren in der Passionsspiel-Gemeinde gesiegt hatte. „Wähler sind schlau,“ meinte der Überraschungsgast, „die haben ein Gespür dafür, was echt ist. Und der Christoph ist absolut echt.“

Christoph Maier will mehr für Flüchtlinge im Ankerzentrum machen

Sich selbst nannte Maier einen „knallharten Realisten, keinen Träumer“, der den Menschen einen Gegenentwurf zum jetzigen Landrat bieten werde. Immer wieder betonte er sein christliches Menschenbild, seine Empathie: „Ich leide wie ein Hund, wenn es Menschen schlecht geht.“ So wie den Asylbewerbern im Brucker Ankerzentrum, die hinter Stacheldraht, umgeben von Security und ohne Privatsphäre eingepfercht seien. „Das ist unsere Art von Ersaufen lassen im Mittelmeer. Ich schäme mich dafür.“

Ein inhaltlicher Wahlkampf-Schwerpunkt soll der Klimaschutz sein, eine Aufgabe, bei der Karmasin „vollkommen versagt“ habe. Der habe die selbst aufgestellten Klimaziele „krachend verfehlt“ und produziere nur „show acts“, vor allem viel Papier mit Absichtserklärungen. „Wohnen für alle“ ist eine weitere programmatische Kernaussage. Denn die Mietpreise schnürten „der Mitte der Gesellschaft die Luft ab“. Die SPD will innerhalb von sechs Jahren 3000 Wohnungen bauen lassen, in denen die Miete bei zehn Euro gedeckelt ist. Dass der Landrat bei seiner eigenen Nominierung die Wohnungsnot zur neuen sozialpolitischen Herausforderung erklärte, hält Maier für einen Witz. Denn der habe sich jahrelang gegen eine interkommunale Wohnungsbaugesellschaft mit Landkreis-Beteiligung gesträubt.

Der MVV steht auch auf Christoph Maiers Agenda

Auch bei der digital vernetzten Mobilität könne der Landkreis Vorreiter sein, statt wie bisher hinterherzustolpern. Und beim S 4-Chaos stelle sich die Frage: „Wer vertritt uns bei diesem MVV eigentlich?“ Maier fordert zudem Sanierungen an allen weiterführenden Schulen in der nächsten Amtsperiode, gegen den Fachkräftemangel könnte ein berufliches Ausbildungszentrum helfen.

Maier sieht sich als jemand, der auf Augenhöhe programmiert ist, sich um den Zusammenhalt in der Gesellschaft sorgt. Er als Landrat werde jedenfalls ein echtes Interesse am Wohlergehen aller Bürger haben.

Nach der Rede meldete sich noch die SPD-Prominenz zu Wort. Die frühere Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner berichtete von viel Zuspruch für Maier aus dem westlichen Landkreis. Olchings Bürgermeister Andreas Magg erwähnte die beruflichen Kernkompetenzen des Anwalts – Bau, Energie, Wohnen – die auch in der Kommunalpolitik wertvoll seien. Und begeistert zeigte sich die neue Juso-Vorsitzende Nicole Oesterling: „Du sprichst unsere Sprache, du triffst den richtigen Ton.“

Christoph Maier kickte schon für den SV Puchheim

Der Vater zweier Kinder, der nächste Woche 50 wird, ist in Puchheim aufgewachsen, wo er auch Gemeinderat war. Der begeisterte Fußballer war 1990 mit 34 Toren für den SV Puchheim Landkreis-Torschützenkönig, noch heute ist er Jugendtrainer beim FC Puchheim. Seit sieben Jahren führt er zusammen mit zwei Partnern eine Münchner Anwaltskanzlei.

von Olf Paschen

Sein Konkurrent Thomas Karmasin wurde vor Kurzem in Mammendorf erneut zum Spitzenkandidaten der CSU für den Landratsposten gewählt. 

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