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Die neue Kreisbäuerin Ka rin Sepp mag an der Landwirtschaft die Vielseitigkeit. Mit ihrem Mann eröffnete sie vor Jahren den Milchautomaten im Landkreis. 

Das aktuelle Interview

Landwirtin ist der schönste Beruf

In der Großen Kreisstadtist Landwirtin Karin Sepp schon seit langem eine bekannte Frau. Doch nun ist die 59-jährige Stadträtin und Hofladenbetreiberin im ganzen Landkreis aktiv – als Kreisbäuerin. Sie wurde zur Nachfolgerin von Gabi Waldleitner (Haspelmoor) gewählt, die nach zehn Jahren im Amt auf eine weitere Kandidatur verzichtet hatte.

-Herzlichen Glückwunsch zur Wahl. Sie sind ja nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen. Wie wurden sie Landwirtin?

Karin Sepp:Ich bin im Unterpfaffenhofener Altdorf groß geworden und hatte deshalb früh Kontakt zu den Bauernkindern in der Nachbarschaft. Allerdings hatte ich nie vor, einen Bauern zu heiraten, aber: wo die Liebe hinfällt...

-Sie wurden also Landwirtin der Liebe wegen. Lieben Sie den Beruf auch?

Landwirtin zu sein ist für mich längst zum schönsten Beruf geworden, den es gibt, weil er so viele Möglichkeiten bietet, seine Talente zu leben und weil die Aufgaben so vielseitig sind. Man arbeitet in der Natur und natürlich auch im Büro. Ich bin gelernte Erzieherin und Familie in diesem besonderen Maß leben zu können und trotzdem berufstätig zu sein, empfinde ich als großes Glück – auch dafür bin ich sehr dankbar.

-Welche Landwirtschaft betreiben Sie?

Milchviehhaltung und Ackerbau, Direktvermarktung im Hofladen und mittels Milchautomat. Unser Milchautomat war übrigens der erste im Landkreis. Mein Mann Herbert und ich haben den Betrieb schon vor fünf Jahren an unseren Sohn Josef übergeben, arbeiten aber natürlich noch mit.

-Stichwort Hofübergabe: So gesehen haben Sie das Thema ja bereits von beiden Seiten kennengelernt...

Das ist richtig. Wir haben 1987 übernommen und die Verantwortung vor fünf Jahren wieder abgegeben. Dieses Thema will ich als Kreisbäuerin gerne in den Fokus rücken, denn es betrifft schließlich alle Landwirte und das Thema birgt erfahrungsgemäß immer Konfliktpotential. Meine Devise lautet: Redet frühzeitig miteinander!

-Sie haben damals ja einiges auf dem Hof verändert.

Das stimmt. Die große Leidenschaft meines Mannes war das Milchvieh, dafür haben wir den Kartoffelanbau aufgegeben, viele Investitionen getätigt bis hin zur Direktvermarktung und den Hoffesten. Wie gesagt: Hofübergabe ist ein großes Thema, sicher nicht nur für unseren Betrieb. Von meinen Erfahrungen und meinem heutigen Wissen darüber würde ich gerne etwas weitergeben.

-Wo sehen Sie die Chancen der Landwirtschaft, was müssen die Bauern Ihrer Meinung nach künftig anders, eventuell besser machen, um auch beim Verbraucher ein besseres Standing zu haben?

Die Chance sehe ich in der Vielfalt der Höfe: Urlaub auf dem Bauernhof, Direktvermarktung, Erlebnisbauernhöfe, Kräuterpädagogik – fast jeder Hof birgt Potenzial über das es sich lohnt nachzudenken. Ich finde: Jede Krise birgt auch eine Chance und Veränderungen gelingen oft am besten und leichtesten, wenn es grad mal nicht glatt läuft. In der Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Unser Berufsstand steht sehr in der Öffentlichkeit. Wenn sich ein Bäcker für viele tausend Euro einen neuen Ofen kauft, um weiter wirtschaftlich arbeiten zu können, sieht das der Verbraucher nicht. Investiert hingegen der Landwirt in Maschinen, um sich die Arbeit zu erleichtern, ist es für jeden sichtbar und wird oftmals kritisch kommentiert. Von manchen Verbrauchern würde ich mir wünschen, sich vor der Kritik erst zu informieren.

-Was ist die Voraussetzung dafür, dass landwirtschaftliche Betriebe im ländlichen Raum Zukunft haben?

Ich glaube, dass das lang gedachte ‚Wachsen oder Weichen’ aus den Köpfen verschwinden muss. Der Größte ist nicht unbedingt der Erfolgreichste und der Erfolgreichste ist nicht immer der Glücklichste. Die Bauern sollen mehr auf ihre eigenen Talente schauen und darauf vertrauen und den Mut haben, neue Wege zu gehen. Gelungene Beispiele dafür gibt es mittlerweile genug.

-Weht mit Ihnen jetzt ein neuer, frischer Wind durch die Kreisbauernschaft?

Wir hatten mit meiner Vorgängerin Gabi Waldleitner eine attraktive und vor allem sehr kompetente Vertreterin unseres Berufsstandes. Ich muss mich in meine neue Aufgabe erst einfinden, aber ich werde gerne versuchen, mein Bestes zu geben und ich freue mich auf diese neue Herausforderung, denn ich glaube: Auch mit 59 Jahren kann und soll man ruhig noch ein bisserl an seinen Aufgaben wachsen. (akk)

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