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In diesem Gebäude an der Tristanstraße gab es Probleme mit Legionellen. 

Legionellen-Alarm im Nibelungen-Park

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In einigen Gebäuden im Nibelungen-Wohnpark ist Mitte Januar ein erhöhter Legionellen-Wert gemessen worden. Die Bewohner durften teilweise nicht duschen.

Germering – Die Mail des Vermieters erreicht Robert Olkowski Mitte Januar: „Duschverbot in der Wohnung wegen zu hoher Kontamination des Wassers mit Legionellen.“ Das sind stäbchenförmige Bakterien, die Krankheiten auslösen können. Olkowski, der eigentlich anders heißt, fackelt nicht lange. Er recherchiert im Internet und stößt auf einen Duschkopf mit einem speziellen Filter, der die Bakterien abhält. 75 Euro kostet der. Olkowski kauft ihn. Er hat schon öfter davon gehört, dass Legionellen in Haushalten zu einem Problem werden können, erzählt er. Doch nun ist er selbst betroffen, genau wie alle anderen Bewohner der Tristanstraße 16 in Germering.

Mitte Januar hat man in Gebäuden des Nibelungen-Wohnparks eine erhöhte Legionellen-Konzentration festgestellt. In der Tristanstraße 16 war der Wert so hoch, dass die Hausverwaltung den Bewohnern empfahl, besser aufs Duschen zu verzichten. Seit Anfang vergangener Woche ist das Duschverbot wieder aufgehoben. Man habe nach dem Befund umgehend eine technische Untersuchung veranlasst, Armaturen getauscht und die Trinkwassertemperatur erhöht, teilt eine Sprecherin der Hausverwaltung auf Nachfrage mit. Die genauen Legionellen-Werte am Nibelungen-Wohnpark verschweigt sie.

Das Brucker Gesundheitsamt ist über den Vorfall in Germering informiert. Laut Abteilungsleiter Rudolf Summer kommt es zu so drastischen Maßnahmen wie einem Duschverbot nur, wenn in 100 Milliliter mehr als 10 000 keimbildenden Einheiten (KBE) gemessen werden. Schließlich besteht beim Duschen die Gefahr, den Wasserdampf einzuatmen, in dem sich die Legionellen befinden. Das kann eine Lungenentzündung auslösen. Insbesondere ältere Menschen sind gefährdet. Wer das Wasser trinkt, muss jedoch nichts befürchten.

Immer wieder kommt es vor, dass in Wasserleitungen von Wohngebäuden ein erhöhter Legionellenwert gemessen wird. Der so genannte technische Maßnahmenwert, bei dem Handlungsbedarf besteht, liegt bei 100 KBE pro 100 Milliliter. Das Gesundheitsamt überwacht 2200 Anlagen im Landkreis. Davon weisen rund 20 Prozent einen zu hohen Legionellen-Wert auf. Die Zahl wirkt zwar beängstigend. Doch Summer sagt: Auf mehr als 200 000 Einwohner gerechnet, seien das „erstaunlich wenig Fälle“. Die Ursachen seien technischer Natur, wie etwa zu große Heizkessel oder auch defekte Umwälzpumpen. „Je größer die Wohnanlage, desto größer ist das Risiko, dass Legionellen auftreten.“ Dass seit ein paar Jahren vermehrt zu hohe Legionellen-Werte auftreten, liege auch daran, dass man Wasser in Leitungen heutzutage nicht mehr zu stark erhitze, um Energie zu sparen. „Früher hatte man 70 oder 80 Grad warmes Wasser“, sagt er. Ist das Wasser wärmer als 70 Grad, sterben die Bakterien. Bei Temperaturen zwischen 30 und 50 Grad fühlen sie sich dagegen pudelwohl.

Das steht auch in dem Schreiben, das Robert Olkowski bekommen hat. Er erzählt, dass die Hausverwaltung entsprechende Zettel in der Tristanstraße 16 auch im Eingangsbereich und Flur aufgehängt habe. Er selbst nimmt die Sache gelassen. „Das hört man ja immer wieder, dass das Problem auftritt.“ Ob er seinem Vermieter die 75 Euro für den speziellen Duschkopf in Rechnung stellen wird, will man wissen. Olkowski verneint dies und sagt: „Da kann ja keiner was dafür.“

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