Etwas verloren wirkten die knapp 150 Teilnehmer der Nominierungsveranstaltung. Im großen Rund der Kaltenberger Arena finden normalerweise um die 10 000 Menschen Platz.
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Etwas verloren wirkten die knapp 150 Teilnehmer der Nominierungsveranstaltung. Im großen Rund der Kaltenberger Arena finden normalerweise um die 10 000 Menschen Platz.

Wahlkreis Germering-Landsberg-Starnberg

CSU kürt ihren Bundestagskandidaten in Arena der Ritterspiele

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Vor einer ungewöhnlichen Kulisse trafen sich die CSU-Delegierten des Bundeswahlkreises Starnberg-Landsberg-Germering, um ihren Direktkandidaten für die Bundestagswahl aufzustellen.

Kaltenberg – In der Arena von Schloss Kaltenberg war das Spannende weniger die Wahl selbst – Michael Kießling galt von vornherein als gesetzt – als vielmehr die Frage, wie die Veranstaltung mit über 100 Teilnehmern im mittelalterlichen Ambiente über die Bühne gehen würde. Gut 150 Personen sind in Coronazeiten schon fast eine Massenansammlung – zu viel auf jeden Fall für einen geschlossenen Raum, selbst wenn es, wie ursprünglich geplant, die Germeringer Stadthalle gewesen wäre.

Doch in der Arena, wo sich in normalen Zeiten beim Kaltenberger Ritterturnier tollkühne Reiter gegenseitig aus dem Sattel werfen, haben 10 000 Zuschauer Platz. Und so wirkten die CSU-Vertreter fast ein bisschen verloren in dem weiten Oval, wo sie mit Maske und mehreren Plätzen Abstand zueinander saßen. Er habe ja schon manche Schlacht geschlagen, witzelte der Germeringer Ortsvorsitzende Oliver Simon zur Begrüßung, aber noch nie eine Nominierungsversammlung an einem so symbolträchtigen Ort wie einer Kampfarena erlebt.

Michael Kießling fordert Öffnungsperspektiven

Michael Kießling wurde mit 140 von 145 möglichen Stimmen erneut für eine Bundestags-Kandidatur nominiert.

Michael Kießing fühlte sich dennoch nicht „wie der Schwarze Ritter“, die traditionelle Hauptfigur des Kaltenberger Mittelalter-Turniers. Er sieht auch keine Schlacht heraufziehen, wohl aber eine Richtungswahl, bei der es vor allem um drei Fragen gehen werde. „Wie kommen wir aus der Pandemie, wie schützen wir das Klima und wie finanzieren wir das?“ Zum Thema Corona forderte der 47-Jährige neben Impfen und Testen auch „Öffnungsperspektiven, um die Menschen mehr mitzunehmen“. Er will Unternehmen stärken, in Familien und Ehrenamt investieren und das Klima mit „Anreizen, nicht Verboten“ schützen.

In der Frage der Kanzlerkandidatur vermied Kießling allzu kämpferische Töne an die Adresse der Schwesterpartei CDU. Man habe ihr mit Markus Söder „ein Angebot gemacht“ und sei „gespannt“, ob sie es annehmen werde. Söder habe die besseren Ausgangschancen. „Gute Umfragewerte sind ein Pfund, das man mitnehmen kann.“

In Richtung der politischen Mitbewerber wurde der Ton rauer. Noch-Koalitionspartner SPD sieht Kießling vor einem Links-Ruck. „Alles, was die SPD vorhat, wird zu Steuererhöhungen führen.“ Auch den Grünen warf er vor, „auf breiter Front“ Steuern anheben zu wollen und eine neue Gesellschaftsordnung anzustreben. „Der grüne Staat ist ein Umverteilungsstaat.“

Seine ersten vier Jahre im Bundestag sind für den Bau-Ingenieur nach eigener Aussage schnell vergangen. Er hat im Bau- und Umweltausschuss mitgearbeitet, war viel in seinem Wahlkreis unterwegs und hatte „eine Riesenfreude“ daran, die Bürger der Region in Berlin zu vertreten. Die allermeisten der 145 anwesenden Delegierten wollten, dass er das weiterhin tut. Mit 140 Ja-Stimmen wurde Kießling nominiert. Gegenkandidaten gab es nicht.

Abstand wird eingehalten, der Blumenstrauß nur zugeworfen

Coronakonform verzichtete Oliver Simon darauf, Kießling den vorbereiteten Blumenstrauß zu überreichen –lieber warf er ihn dem frisch gekürten Kandidaten zu. „Eine schnelle Versammlung“ hatte sich die Starnberger Kreisvorsitzende Stefanie von Winning zu Beginn gewünscht. Und da Kießling seine Rede auf zehn Minuten beschränkte, seinen Rechenschaftsbericht schriftlich in Form eines Flyers vorlegte und man auf Grußworte verzichtete, wurde Winnings Wunsch erfüllt. Nach einer Stunde schon war alles vorbei.

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