Justitia
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Weil er ein Nacktfoto von seiner betrunkenen Mitschülerin gemacht hat, stand ein 20-jähriger Germeringer vor dem Amtsgericht. (Symbolbild)

Aus dem Amtsgericht

Nach Abi-Feier am Germeringer See: Betrunkene Mitschülerin nackt fotografiert

Weil er ein Nacktfoto von seiner betrunkenen Mitschülerin gemacht hat, stand ein 20-jähriger Germeringer vor dem Amtsgericht.

Germering – Was genau in der Nacht auf den 4. Juli im vergangenen Jahr im Bett eines 20-jährigen Germeringers passiert ist, ist nicht mehr aufzuklären. Der junge Mann war als Folge der Nacht auf die Anklagebank am Brucker Amtsgericht vor die Jugendrichterin zitiert worden. Sexueller Übergriff unter Ausnutzung einer Lage zur mangelnden Willensbildung und die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch eine Bildaufnahme wurden dem 20-Jährigen vorgeworfen. Er soll eine betrunkene Mitabiturientin, einejetzt 19-jährige Studentin, begrapscht und heimlich ein Foto von ihrem blanken Hinterteil gemacht haben.

Die beiden hatten zuvor mit weiteren Mitschülern am Germeringer See das bestandene Abitur gefeiert und dabei tief ins Glas geschaut. Die junge Frau war kurz vor Mitternacht so betrunken, dass sie sich übergeben hatte und weder stehen noch laufen oder sitzen konnte. Da sie in diesem Zustand nicht in ihr strenges Elternhaus heimkehren sollte, brachten Freundinnen sie zum Angeklagten. Dieser hatte angeboten, dass sie bei ihm übernachten könne. Nach einer kurzen Reinigung und einem Wechsel der Kleidung legten die Freundinnen die 19-Jährige dort in das Doppelbett des Angeklagten. Der 20-Jährige legte sich dazu, um zu verhindern, dass ein Unglück geschieht, sie etwa an ihrem Erbrochenen erstickt.

Was dann in dem Bett geschah, dazu gingen die Aussagen der beiden jungen Leute auseinander. Er räumte ein, die junge Frau ohne deren Wissen fotografiert zu haben, jedoch habe er das Foto nicht ins Netz gestellt, sondern sofort wieder gelöscht und sich auch bei der 19-Jährigen dafür entschuldigt. Und da er frisch verlassen von seiner Freundin menschliche Nähe gesucht habe, hätten beide gekuschelt und Zärtlichkeiten ausgetauscht. Womit sie einverstanden gewesen sei, wie er betonte. Sie sei es sogar gewesen, die Sex gewollt habe, was er aber abgelehnt habe.

Die 19-Jährige stellte das Geschehen dagegen anders dar. Sie habe geschlafen und sei von seinen Berührungen an ihrem Gesäß aufgewacht. Er habe zudem versucht, sie zu küssen, ihr unter dem T-Shirt an die Brust zu fassen, was sie aber mit ihrer Hand verhindert habe. Sie berichtete aber auch, dass er sie gefragt habe, „wenn du etwas nicht willst, sag es.“ Und dies habe sie mit den Worten „passt schon“ beantwortet. „Ich hatte keine Kraft zu sagen, dass ich es nicht möchte“, erklärte die junge Frau. Sie habe nur schlafen wollen. Zudem habe er erst gefragt „nachdem es schon passiert war“.

Für die Verteidigerin stellte sich damit die Frage, „wie sollte mein Mandant wissen, dass sie das nicht wollte“. Sie beantragte daher den Freispruch ihres Mandanten in diesem Anklagepunkt.

Für den Staatsanwalt stand zwar fest, dass es einen Übergriff gegeben hatte. Doch auch die Jugendrichterin war der Ansicht, die Tat sei nicht mit Sicherheit nachzuweisen und sprach den Angeklagten in diesem Punkt nach der Maßgabe „im Zweifel für den Angeklagten“ frei. Verurteilt wurde er aber für das Foto, und muss nun an drei Tagen je acht Stunden soziale Dienste leisten und zudem eine Leseweisung.

sus

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