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Im Elternhaus von Nick Behn (l.) ist die Schaltzentrale des alternativen Modelabels „The URA Collective“. Im regen Austausch mit Modedesignerin Nadine Wagner und dem Fotografen Flo Breitenberger nahm hier eine innovative und nachhaltige Idee in Sachen Mode Gestalt an. 

Start-Up-Unternehmen

Nachhaltige Mode als Geschäftsidee

Der Germeringer Nick Behn, Nadine Wagner aus Alling und Flo Breitenberger aus Breitbrunn wollen in einer Öko-Nische der Modebranche Fuß fassen. Dabei setzen sie auf Nachhaltigkeit, faire Produktionsbedingungen und biologische Materialen – sprich auf ökofaire Kleidung aus Reststoffen.

Germering– Für ihr Startup-Unternehmen sind die drei Endzwanziger sogar eine Woche nach China gereist, um die Produktionsbedingungen vor Ort genau unter die Lupe zu nehmen. Ihr Plan: „Wir wollen die Textilindustrie verändern, zeigen dass es auch anders geht, und unseren Teil dazu beitragen, dass die Menschen darüber nachdenken, möglichst keine Rohstoffe zu verschwenden sondern nachhaltig einzukaufen“, lautet ihre Überzeugung.

Bei der Umsetzung dieser Idee in die Tat kam den Jungunternehmern das Oktoberfest zu Hilfe. Nick Behn lernte auf der Wiesn einen Chinesen namens Ding kennen, der in einer Stadt im Westen Chinas nachhaltig ökologische Textilien für den Weltmarkt produziert. Seine Firma „Hemp Fortex“ entpuppte sich als Vorzeigebetrieb: Der Solarstrom wird auf den eigenen Firmendächern produziert, die Mensa bezieht ihr Gemüse von auf dem Firmengelände angelegten Beeten, im Landesinneren baut das Unternehmen Hanf für die Textilproduktion an. Die Zusammenarbeit zwischen den deutschen Ideengebern und der chinesischen Firma war geboren.

Die Grundidee des Startup-Unternehmens: Die von ihnen in Auftrag gegebenen T-Shirts und Sweatshirts werden aus ökologischen Reststoffen eben dieser Firma gefertigt. Sie nenne die Firma „uracollective“ – ura steht für „useful“ und „rag“, was übersetzt nützlicher Lumpen bedeutet. Aber: Fasst man ihre T-Shirts an und zieht sich eines über, denkt man beileibe nicht an Lumpen oder Resteverwertung: Man fühlt und sieht, dass sich die drei Jungunternehmer der Qualität und Nachhaltigkeit verschrieben haben.

Ende 2016 gingen sie mit ihrer Homepage und ihrem Shop online. Doch die Idee zur Firmengründung hatte Nick Behn schon vor rund fünf Jahren: „Ich hatte zahlreiche T-Shirts im Schrank, oft mit Logoaufdruck, doch die waren schon nach mehrmaligem Waschen nicht mehr besonders ansehnlich, obwohl sie locker über 30 Euro gekostet hatten.“ Er stellte sich die Frage: Warum nicht hochwertige T-Shirts produzieren, die nicht so schnell die Form verlieren, und noch dazu das Zeug dazu haben, ein echtes Lieblings-Shirt zu sein? Die Shirts und Sweater von uracollective sind zudem fast schon Unikate, weil nur geringe Auflagen aus den jeweils verfügbaren Stoffresten produziert werden können.

Nick Behn (28) nahm Kontakt mit seiner Schulfreundin Nadine Wagner (26) auf. Die Modedesignerin war schnell Feuer und Flamme für das Projekt. Sie zeichnete Muster, setzte sich an die Nähmaschine und fertigte erste Prototypen. Zwischenzeitlich hatte Nick Behn auch den Dritten im Bunde, Flo Breitenberger, beim BWL-Studium kennengelernt. Der Sportfotograf begeisterte sich für die Idee, sprang auf den Start-Up-Zug auf. Heute ist er für professionelle Modeaufnahmen und den Internetauftritt verantwortlich.

In der BR-Sendung „Heimatrauschen“ hatten die drei Jungunternehmer kürzlich ihren ersten Auftritt im Fernsehen. Sie nutzten die Möglichkeit, ihr Projekt bayernweit einem breiterem Publikum vorzustellen. „Das hat uns tatsächlich einen kleinen Verkaufsschub gegeben und zwar weit über unseren Freundeskreis hinaus“, sagt Nick Behn.

Für die Firmengründung nahmen die drei Freiberufler einen, wie sie sagen „höheren vierstelligen Betrag“ in die Hand – sie gingen also ordentlich in finanzielle Vorleistung für ihr Startup-Unternehmen. Von den Eltern gab’s dafür kein finanzielles Zuckerl. Aber Nicks Mama, Karin Zauner-Behn und Oma Franziska Zauner springen gerne beim Vertrieb in die Bresche: Sie machen die per Onlineshop georderten Shirts oder Sweater versandfertig.

„Meine Oma lieferte die ersten Teile in Germering sogar mit dem Radl aus“, erzählt Nick Behn. Nach anfänglicher Skepsis ob des unternehmerischen Risikos sind auch die älteren Generationen vom Projekt der Jungen überzeugt. (akk)

Service

Weitere Informationen zum Germeringer Startup-Unternehmen und ihren Produkten gibt es auch im Internet auf der Seite www.uracollective.com.

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