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Nachwuchsprobleme: Abschied vom Männerchor Germering

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Von: Andreas Daschner

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Einen letzten Auftritt hatte der Germeringer Männerchor beim großen Abschiedsfest im Amadeussaal. © Daschner

Mit einem großen Fest verabschiedete sich der Männerchor Germering nach fast elf Jahrzehnten seines Bestehens von seinen zahlreichen Freunden und Anhängern. Nachwuchsprobleme lassen künftige Auftritte nicht mehr zu.

Germering – So ganz wollte Herbert Klückers den Kampf um einen seiner ältesten Chöre nicht aufgeben: „Als ich von der Auflösung erfuhr, war ich erschüttert, aber vielleicht lässt sich ja durch einen öffentlichen Aufruf durch den OB ein Jugendchor wiederbeleben“, sagte der Vorsitzende des Sängerkreises Fürstenfeldbruck beim Abschiedsfest im Amadeussaal der Stadthalle. Als eine Art Startkapital überreichte Klückers ein Gesangbuch an Herbert Schultes, den Vorsitzenden des Männerchors. An eine Zukunft zu glauben, fällt jedoch schwer.

Die verbliebenen 19 Sänger des am 27. März 1909 gegründeten Chores finden keinen Nachwuchs. Sie haben deshalb nahezu einstimmig beschlossen, künftig keine Auftritte mehr zu geben. „Eine mutige Entscheidung“, wie OB Andreas Haas meinte. „Denn nichts stimmt die Sänger eines so bekannten Chores trauriger, als wenn sie nicht mehr mit großer Begeisterung und aus voller Kehle immer und überall auf Konzertniveau zu singen vermögen.“

Dieses Nievau führte sogar zu zwei Plattenaufnahmen. Eine davon –  das Lied „La Villnella“ von Luigi Pigarelli, aufgenommen 1979 unter Chorleiter Max Eberl – hatte Haas im Archiv der Stadt entdeckt und samt Plattenspieler zur Abschiedsfeier mitgebracht. „Live klingt der Chor natürlich um ein Vielfaches besser“, sagte Haas, nachdem die Zuhörer der knisternden Aufnahme gelauscht hatten.

Davon konnten sich die Zuhörer dann auch selbst überzeugen. Denn natürlich gab der Männerchor zum Abschied noch einmal Stücke aus seinem Repertoire zum Besten. Lieder wie „Frisch gesungen“, „Auf, auf, Deandl, mach auf“ oder „Wer hier will mit uns fröhlich sein“ erinnerten noch einmal daran, warum der Chor über viele Jahrzehnte hinweg nicht mehr aus dem Kulturleben der Stadt wegzudenken war.

Auch der MGV Harmonie Puchheim und die Starzeltaler Sängerrunde aus Alling nahmen mit einigen Liedern Abschied von ihrem Patenchor. Schultes erinnerte in einem Rückblick an die 109-jährige Geschichte des Männerchores, der unter dem Namen „Frischauf Germering“ ins Leben gerufen worden war und erst später in Männerchor Germering umbenannt wurde.

Schwierige Zeiten wie die beiden Weltkriege, nach denen der Chor jeweils wiedergegründet werden musste, fanden ebenso Platz wie lustige Anekdoten. So erinnerte sich Schultes daran, dass die Sänger sich auch im Fußball versucht hatten. „Einmal haben wir sogar gewonnen – weil der Gegner ein Eigentor geschossen hat“, erzählte der Vorsitzende zur Erheiterung der Gäste.

Natürlich stand neben der Geselligkeit aber vor allem der Gesang im Mittelpunkt. Besonders unter Chorleiter Eberl nahmen die Sänger eine beachtliche Entwicklung. An einen von vielen Höhepunkten erinnerte Haas: an die Teilnahme am 34. internationalen Chortreffen 1980 in Wales. 7500 Zuhörer lauschten dem Chor dort mucksmäuschenstill. „Damals waren Sie der einzige deutschsprachige Männerchor, der aufgetreten ist“, sagte Haas. Die Stadt Germering haben die Sänger dabei würdig vertreten. Sie erreichten einen guten Mittelfeldplatz. Nicht nur wegen dieses Erfolges sagte der OB: „Wir werden unseren Männerchor vermissen.“

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