Er verdankt der relativ unbekannten Kapselkoloskopie das Leben: Gunnar Eckardt.
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Er verdankt der relativ unbekannten Kapselkoloskopie das Leben: Gunnar Eckardt.

Germeringer hat Darmkrebs

Neuartige Untersuchung rettete sein Leben

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Die Darmspiegelung ist eine wichtige Möglichkeit zur Früherkennung von Darmkrebs. Doch nicht immer reicht sie aus, um ernsthaften gesundheitlichen Problemen rechtzeitig auf die Spur zu kommen. Gunnar Eckardt hat das erlebt.

Germering – Darmkrebsvorsorge wird in Deutschland ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Neben einem Stuhltest haben Männer ab 50 und Frauen ab 55 Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Auch Gunnar Eckardt aus Germering machte von den Möglichkeiten Gebrauch und ging dreimal zur Vorsorgeuntersuchung – immer mit negativem Befund. Erst eine so genannte Kapselkoloskopie hat Eckardt geholfen und wahrscheinlich das Leben gerettet.

Ende 2018, also nach den Vorsorge-Untersuchungen bekam der heute 86-Jährige Germeringer leichte Blutungen – Ursache unklar. Wieder wurde eine Darmspiegelung vorgenommen. Weil aber beim Hausarzt nur ein 1,50 Meter langer Schlauch zur Verfügung stand, konnte der Darm nicht vollständig untersucht werden.

Eckardt wurde ins Krankenhaus überwiesen, wo er die Prozedur mit einem 1,80 Meter langen Schlauch ein weiteres Mal über sich ergehen ließ. Wieder gab es kein Ergebnis. Der untersuchte Bereich des Darms war zwar in Ordnung, doch wegen Verschlingungen hatte der Schlauch nicht bis zum oberen Darmende vordringen können.

Eckardt ging nach Hause. Vollständig beruhigt war er nicht – zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Etwa einen Monat später fühlte er sich schwindelig und brach im Garten seines Hauses beinah zusammen. Mit starken Blutungen brachte ihn der Notarzt ins Krankenhaus, wo man feststellte, dass der Germeringer viel Blut verloren haben musste. Das für die Blutbildung wichtige Hämoglobin war im Keller. Der Wert lag bei 4,8 – normal ist für Männer ein Wert von 14,5.

Dass die Ursache irgendwo im Darm lag, war klar. Weil die früheren Untersuchungen erfolglos gewesen waren, führten die Ärzte nun eine sogenannte Kapselkoloskopie durch. Dabei schluckt der Patient eine mit zwei Kameras ausgestattete Kapsel. Auf ihrem Weg durch den Körper sendet sie laufend Bilder an ein Aufnahmegerät, das der Patient – ähnlich wie ein Langzeit-EKG – um den Hals trägt.

„Erst durch diese Untersuchung fand man die Übeltäter“, erzählt der Germeringer. Er hatte zwei geplatzte Geschwüre am oberen Ende des Dünndarms. Mit Hilfe von Bluttransfusionen verbesserte sich sein Zustand schnell. Operiert werden musste er nicht – die beiden Geschwüre verheilten von alleine.

„Das ist gerade nochmal gut gegangen“, sagt der 86-Jährige. Von der Möglichkeit einer Kapselkoloskopie hatte er bis dahin noch nie gehört. Die Untersuchung ist teuer und wird erst seit einigen Jahren von den Krankenkassen übernommen. Gunnar Eckardts Fazit: „Für die Entdeckung von Polypen und Darmkrebs im Dickdarm reicht wohl die normale Darmspiegelung, aber manchmal ist die Kapselkoloskopie das letzte Mittel – und der Lebensretter.“

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