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Volkmar Zimmers Reihenhaus ist vom Keller bis unters Dach angefüllt mit Objekten aus Holz. Aus dem Holz von jedem „Baum des Jahres" fertigt der Künstler ein Unikat.

Germeringer wurde ausgezeichnet

Ohne Holz geht bei ihm gar nichts

Germering - Eigentlich müsste Volkmar Zimmer in einem Holzhaus wohnen, denn Holz ist seine Leidenschaft. Unter anderem deswegen ist er jetzt von Ministerpräsident Horst Seehofer ausgezeichnet worden.

Mit einer selbst konstruierten Drechselbank fing vor rund 30 Jahren alles an. Seither fertigt Volkmar Zimmer ein Stück ums andere. Längst hat sich der 86-Jährige eine Profi-Drechselbank gekauft und produziert quasi am laufenden Band wunderschöne Objekte – jedes Stück ein Unikat. Mit seiner Arbeit haucht er jedem noch so unscheinbaren Stück Holz neues Leben ein, gibt ihm ein neues Gesicht und verleiht ihm einen ganz besonderen Ausdruck.

Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten

An der Drechselbank ist Volkmar Zimmer in seinem Element. Mit der Drehröhre bearbeitet er frei Hand jedes einzelne Stück mit viel Gefühl. 

Seit über 15 Jahren engagiert sich Volkmar Zimmer auch ehrenamtlich – jetzt erhielt er dafür das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten. Die Auszeichnung wurde ihm für seinen andauernden und nachhaltigen Einsatz für den Baum-, Wald- und Umweltschutz verliehen. Der Germeringer Holzkünstler bietet mehrmals im Jahr Führungen im Botanischen Garten und in der Germeringer Stadtbibliothek an, er hält Vorträge, beteiligt sich an Projekten an Schulen, begleitet mit seinen Objekten Ausstellungen.

Schon bevor man das Reihenhaus von Irmgard und Volkmar Zimmer betritt, kommt der Besucher an einem kleinen Holzlager, quasi an den Rohlingen vorbei. Drinnen im Haus dreht sich alles, vom Keller bis unters Dach, um Holz in allen Variationen und Formen.

„Als mein Sohn Forstwissenschaften studierte, wollte ich auch mehr über biologische Zusammenhänge erfahren“, erzählt Zimmer. Mit 60 Jahren besuchte er acht Semester lang Vorlesungen an der Forstbotanischen Fakultät der Münchner Universität und eignete sich umfangreiches Wissen an, das ihm beim Drechseln und bei seinen Führungen heute noch wertvolle Dienste leistet. Der gelernte Maschinenbauer ist begeisterter Konstrukteur und Perfektionist auf seine Art. Er will alles genau wissen, gibt sich nicht mit Halbwahrheiten zufrieden, will Fragen kompetent beantworten.

Gleichwohl ist ihm eines wichtig: Das richtige Gespür für das jeweilige Stück Holz, das vor ihm liegt, zu entwickeln und auch zu vermitteln. Verwachsungen oder Krankheiten der Hölzer veredelt er auf ganz akribische Art – so entstehen teils skurrile Objekte, die ihren ganz eigenen Charme und Zauber haben. Man könnte auch sagen: Volkmar Zimmer drechselt nach der Seele des Holzes, spürt sie auf und macht sie sichtbar.

„Ich wollte mit meinem Ruhestand etwas Sinnvolles anfangen und einfach aktiv bleiben“, erzählt er. Seine 86 Jahre sieht man ihm nicht an und er meint: „Das Holz hält mich halt jung.“

Er erkennt manche Hölzer am Geruch

400 gedrechselte Schnupftabakdosen haben im Treppenhaus ihren Platz gefunden.

Immer wieder wird er gefragt, was denn sein Lieblingsholz sei. Darauf hat er eine ganz einfache Antwort parat: „Holz, das nichts kostet, mag ich am liebsten“, sagt er und lacht. Er hat schon große Teile der Welt bereist und von fernen Kontinenten edle, skurrile, also hierzulande seltene Hölzer mitgebracht. „Damals ging das noch relativ einfach, und mein Handgepäck bestand immer überwiegend aus Holz.“ Bis heute hat er 654 verschiedene Holzarten in seine Drechselbank gespannt und etwas Einzigartiges daraus gemacht.

Natürlich kennt er jeden botanischen Namen seiner Hölzer, kann die Art, Gattung und Familie des Holzes benennen. „Aber das ist ja eigentlich nur ein Bruchteil, denn es gibt weltweit rund 30 000 verschiedene Holzarten – so gesehen stehe ich erst am Anfang“, meint er. Manche Hölzer kann er sogar mit verbundenen Augen erkennen: am Geruch.

Mit seinen Arbeiten will er zeigen, was im jeweiligen Objekt im Verborgenen steckt und vor allem will er eines: Mitteilen, dass Holz lebt und Bäume ein wichtiger Teil unseres Lebens, unserer Kulturlandschaft sind. Er will die Menschen sensibilisieren und mit seiner Arbeit – ob an der Drechselbank oder bei seinen Vorträgen und Führungen – die Achtung vor der Umwelt in den Fokus rücken.

von Angi Kiener

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