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Olympia 1972 in München: Germeringerin war als Hostess dabei - ihr Dirndl hält sie in Ehren

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Von: Ingrid Zeilinger

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Blaues Dirndl, blaue Jacke, weiße Schürze, weiße Schuhe und Strümpfe: In diesem Gewand war Altrud Heinrich als Hostess bei den Olympischen Spielen. An die Zeit bei München 72 erinnert sie heute noch Olympia-Maskottchen Waldi und ein altes Poster.
Blaues Dirndl, blaue Jacke, weiße Schürze, weiße Schuhe und Strümpfe: In diesem Gewand war Altrud Heinrich als Hostess bei den Olympischen Spielen. © Wolfgang Pulfer/imu

Die Olympischen Spiele 1972 in München waren ein Höhepunkt für die Menschen im Landkreis. Einige waren hautnah dabei – in verschiedensten Funktionen. Altrud Heinrich war als Hostess an vielen Orten im Einsatz. Eines ihrer Dirndl hält die Germeringerin in Ehren.

Fürstenfeldbruck/Germering – Tosender Beifall, Anfeuerungsrufe, Begeisterung: Diese Emotionen spürt Altrud Heinrich noch heute. „Es ist so toll gelaufen, wie nie wieder eine Olympiade werden wird“, schwärmt die 82-Jährige über die schöne Seite der Spiele. Denn in München habe pure Freude geherrscht, dass die Stadt die Spiele ausrichten durfte. „Das war in die Herzen und Köpfe der Bevölkerung eingebrannt“, erzählt Heinrich, die damals selbst in der Landeshauptstadt lebte. „Das haben sie mit ihrer offenen Herzlichkeit und Begeisterung gezeigt.“

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Noch immer bekommt sie Gänsehaut, wenn sie von der Stimmung im Stadion erzählt. Nicht nur dort, auch auf dem Weg zur Umkleide oder anderen Stätten seien die Sportler beklatscht worden. „Der letzte kriegte immer noch einen Sonderbeifall.“ Als Zeichen, dass eben doch dabei sein alles ist.

Die damals 31-Jährige hatte sich als Freiwillige für die Spiele beworben. Die Firma Siemens suchte Hostessen, die ein neues Datensichtgerät präsentieren – eine Datenbank mit allerlei Infos rund um die Spiele. Nach dreiwöchiger Schulung war Altrud Heinrich bereit. Ihre Ausstattung: Zwei blaue Dirndl, eine blaue gesteppte Jacke, ein Tuch, zwei weiße Blusen, zwei weiße Schürzen, eine weiße Umhängetasche, zwei Paar Kniestrümpfe und ein Paar Schuhe. „Wir waren verpflichtet, die Dirndl auch anzuziehen, wenn wir privat in München unterwegs waren“, erzählt sie.

An die Zeit bei München 72 erinnert Altrud Heinrich heute noch das Olympia-Maskottchen Waldi und ein altes Poster.
An die Zeit bei München 72 erinnert Altrud Heinrich heute noch das Olympia-Maskottchen Waldi und ein altes Poster. © imu

Jeden Tag war sie an einem anderen Ort eingeteilt – und kam viel herum. Auch, weil ihre Kollegin die Arbeit am Gerät übernahm und sie sich umschauen konnte. Sie sollte Grace Kelly mit ihrer Tochter Stefanie auf die Ehrentribüne bringen. Prinz Philipp schüttelte ihr die Hand. Sie war in Riem beim Reiten, beim Bogenschießen im Englischen Garten. „Das hatte ich vorher noch nie gesehen.“ Sie gab viele Auskünfte, kümmerte sich um Menschen und traf auch einige Weltmeister und Olympiasieger. Einen freien Tag nutzte die ehemalige Turnerin, um sich die Wettkämpfe im Geräteturnen anzusehen – und war begeistert.

So sehr sich die Euphorie ins Gedächtnis eingebrannt hat, so präsent sind die Erlebnisse rund um das Attentat. Heinrich war an diesem 5. September als Hostess im Stadion. Am Abend wurden alle ins Pressehaus gerufen. Ein Nachrichtensprecher habe gesagt: „Alle Lichter aus, alles raus.“ Von oben beobachteten alle die Ereignisse, Informationen gab es nur wenige. Erst in der Nacht durften sie nach Hause gehen.

Als Hostess war Altrud Heinrich auch bei der Trauerfeier im Olympiastadion. Politiker und Prominenz seien im Halbrund zusammen gekommen. „Die Hostessen haben sich ohne Absprache an den Händen gefasst und eine Runde um die Trauergemeinschaft gebildet“, erinnert sie sich. Sie blickten auf die leeren Plätze im Stadion – „ein Schockgefühl“. Heinrich erinnert sich auch an die entsetzten Gesichter der Menschen, die die Trauerfeier auf dem Olympiagelände über Lautsprecher verfolgten und dann zur U-Bahn gingen.

Zumindest bei der Schlussfeier sei nochmal ein Hauch der schönen Spiele zu spüren gewesen. Sportler liefen ein, nahmen auch die eine oder andere Hostess in den Arm. „Auch das Publikum war wieder so offen.“ So behält sie beide Seiten in Erinnerung und hält eines ihrer Dirndl – eines hat sie an einen Sammler abgegeben – in Ehren. Zwar durfte sie es nach den Spielen nie mehr tragen, aber die blaue Jacke hat sie immer wieder mal angezogen.

Im Museum läuft derzeit die Ausstellung „Olympia 1972 – Traum und Trauma“. Infos online auf www.museumffb.de.

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