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Viele Mitarbeiter der Unternehmen im Gewerbegebiet KIM kommen aus Germering. Sie sind sauer auf den MVV. 

Linie aus Germering ins KIM in letzter Sekunde gerettet

Pendler fordern: Wir wollen unseren Bus wieder haben - und bekommen ihn wirklich zurück

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Der Fahrplanwechsel des MVV am 15. Dezember brachte für viele Menschen in Germering eine unschöne Überraschung mit sich: Der Verbund wollte die Linie 907 sreichen. Sie hat die Große Kreisstadt bisher mit dem Kraillinger Gewerbegebiet KIM verbunden, wo viele Germeringer arbeiten. Fahrgäste und Unternehmen im KIM waren stinksauer. Doch dann kam die Wende.

Update vom Montag, 16. Dezember: Die Linie wurde in letzter Sekunde doch noch gerettet. Sie fährt weiter wie gewohnt zum Kim. Dies gilt nun erstmal bis zum 28.2.2020. Vorausgegangen war eine Art Eilentscheidung der Verantwortlichen am Ende vergangener Woche, wie ein Sprecher des Brucker Landratsamts am Montag berichtete. Zwischenzeitlich wollen die Verantwortlichen über dauerhafte Lösungen nachdenken. (st)

Das war die ursprüngliche Berichterstattung: 

Germering - Bis zu drei Stunden am Tag dauerte der Arbeitsweg für Sebastian Inngauer früher. Die Strecke aus dem Osten Münchens zu seinem Arbeitsplatz im Kraillinger Gewerbegebiet KIM war eine Ochsentour. Deshalb zog der heute 26-Jährige nach Germering. Seitdem war er in unter 20 Minuten in der Firma. Doch damit ist es vorbei. Der MVV streicht die Buslinie 907, die Inngauer das Leben so erleichterte. „Das ist ein Hieb in die Magengrube“, so der Germeringer.

Am Morgen und am Abend ist der Bus voll, sagt eine Nutzerin

Wie viele Menschen genau davon betroffen sind, ist unklar. Wenige sind es aber nicht, meint eine Mitarbeiterin der Firma EOS. „Am Morgen und am Abend ist der Bus voll“, erklärt die junge Frau.

Das bestätigt auch Swen Switalla aus Puchheim. Er nutzt den Bus seit der Einführung der Linie im Dezember 2013. „Die Verbindung war ideal“, sagt der 51-Jährige. Zuvor ist der Puchheimer mit der S 4 nach Pasing, mit der S 6 nach Planegg und von dort mit dem Bus gefahren. „Eine halbe Weltreise.“ Auch weil die S-Bahn so unzuverlässig sei.

Der 51-Jährige ärgert sich zudem über die Informationspolitik des MVV. „Die Einführung der Linie wurde groß gefeiert.“ Über die Einstellung hingegen seien die Fahrgäste nicht informiert worden.

Die alternative Verbindung ist umständlich

Die Alternative, um mit dem ÖPNV ins KIM zu kommen, ist für die Fahrgäste eine Frechheit. Bisher dauerte die Fahrt vom Germeringer Bahnhof nicht mal eine Viertelstunde und war ab 1,50 Euro zu haben. Laut der Fahrplanauskunft des MVV muss man nach dem 15. Dezember zuerst mit dem Bus 260 nach Planegg, dort 20 Minuten warten und dann weiter mit der Linie 906.

Insgesamt dauert das eine Dreiviertelstunde. Und es werden 3,30 Euro fällig. „So bekommt man garantiert niemanden dazu, das Auto stehen zu lassen“, sagt einer der Fahrgäste, die die Linie 907 bisher nutzten.

Doch warum streicht der Münchner Tarifverbund die Buslinie überhaupt? Und das in einer Zeit, in der die Mobilitätswende in aller Munde ist.

MVV argumentiert mit schwachen Fahrgastzahlen

„Leider wurde die Linie in Summe nie sehr gut angenommen“, schreibt der Verbund. Genaue Zahlen werden nicht genannt – auch nicht, wie sie ermittelt worden sind. Die dürftige Informationspolitik begründet der MVV damit, dass die Zukunft der Linie lange unsicher gewesen sei. Die Entscheidung des zuständigen Landkreises Starnberg sei relativ spät gefallen.

Das macht es für das Unternehmen EOS, den größten Arbeitgeber im Kraillinger Gewerbegebiet nicht besser. „Die Streichung ist für die Verkehrsanbindung des KIM ein Verlust“, erklärt eine Sprecherin. Auch, weil die Verbindung eine beliebte Ausweichroute für Mitarbeiter aus München darstelle, die von der S 6 auf die „weitaus zuverlässigere“ S 8 ausweichen.

Für das Unternehmen mit seinen über 1000 Mitarbeitern bedeutete der nicht mehr fahrende Bus zudem einen Verlust an Attraktivität. Die Streichung der Buslinie kam auch für EOS wie aus heiterem Himmel. Ein solcher Wegfall werde zu Einschränkungen führen. „Wir sind hier auf die Unterstützung des MVV und der Lokalpolitik angewiesen“, so die Sprecherin. Es scheine aber unvermeidbar, dass Mitarbeiter aus Germering wieder auf das Auto umsteigen.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings. Wie der MVV mitteilt, wird eine Verlängerung der Buslinie 858 aus Germering bis ins KIM derzeit diskutiert.

Auch interessant: Langsam wird es ernst: Fragen und Antworten zur MVV-Tarifreform

Lesen Sie außerdem: Die S-Bahn in der Region FFB und ihre Probleme

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