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Erstaunlich gut erhaltenen Schmuckstücke gehören zu den Funden aus der Steinbergstraße. OB Andreas Haas (l.) lässt sich von Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl deren Bedeutung erklären.

Stadtmuseum Zeit+Raum

Perlen aus dem frühen Mittelalter

Germering - Die Besiedlung des Stadtgebiets im frühen Mittelalter kann immer besser dokumentiert werden. Im Zeit+Raum-Museum hinter dem Rathaus wurde jetzt eine Sonderausstellung eröffnet, die aktuellen Funde aus den Grabungen an der Steinbergstraße zeigt.

Goldgefasste Amethyst-Ohranhänger gehören mit zu den bemerkenswertesten Funden.

Mit der Ausstellung „Unter dem Asphalt – Gräber des frühen Mittelalters in der Steinbergstraße“ schließe sich ein Kreis, sagte Robert Zeidler, Vorsitzender des Fördervereins Stadtmuseum, bei der Eröffnung am Dienstagabend: Bei der ersten Ausstellung im damals noch unfertigen Museum vor acht Jahren seien in der Krippfeldstraße entdeckte Funde aus dem 7. Jahrhundert gezeigt worden. Ehrenbürger Hermann Parzinger, selbst Prähistoriker, habe damals noch gezweifelt, ob damit schon ein frühmittelalterlicher Friedhof nachgewiesen sei. Viele der damals noch bestehenden Lücken seien jetzt geschlossen worden, meinte Zeidler: „Wir wissen jetzt zwar nicht alles, was im Frühmittelalter in Germering passiert ist, aber wir wissen jetzt mehr.“

Dieses Wissen präsentierte Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl. Er erinnerte daran, dass die ersten Funde schon im Jahr 1934 vom damaligen Lehrer Hacker gemacht wurden. Dieser meldete damals, dass bei einem Brunnenaushub an der Oberen Bahnhof-/Steinbergstraße Skelette von in Höckerstellung beerdigten Menschen entdeckt worden seien. Es folgten weitere Funde in den 1960er- und 1970er-Jahren im Gebiet rund um die Krippfeldstraße.

Die im vergangenen Jahr an der nahen Steinbergstraße entdeckten mindestens 17 Reihengräber vervollständigten dann das Bild. Die Stadtwerke stießen beim Ausbau der alten Wasserleitung, die im Zuge der Neubauten an der Steinbergstraße ersetzt werden sollte, auf die Skelette. Obwohl es in den vergangenen Jahrhunderten etliche Grabraubungen gegeben haben muss, wie Guckenbiehl feststellte, fand man in den Gräbern etliche, teils erstaunliche Beigaben. Am auffälligsten sind zwei goldgefasste Ohranhänger aus dem Grab einer um die 40 Jahre alten Frau. Neben ihr lag auch ein verrostetes Eisenstück, das als verzierte Riemenzunge eines Gürtels identifiziert werden konnte.

Die Nutzung der Reihengräber endete Guckenbiehl zufolge Ende des 7. Jahrhundert. Die ersten christlichen Ritualen folgenden Gräber in der Nähe von Kirchen stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Sie wurden bei der alten Dorfkirche St. Martin entdeckt. Der Stadtarchivar geht deswegen davon aus, dass sich unter der alten Martinskirche noch ein älteres Gotteshaus befindet.

Die zu den frühmittelalterlichen Gräbern gehörende Siedlung verortete Guckenbiehl im Gebiet des jetzigen Gewerbegebiets Germeringer Norden. Dort sind in den vergangenen Jahren im Zuge von Bauarbeiten größere Flächen erfolgreich archäologisch untersucht worden. Nachgewiesen wurden die Grundrisse etlicher frühmittelalterlicher Wohnhäuser. Auch sogenannte Grubenhäuser, also vollflächig in die Erde gebaute kleine Arbeitshütten, waren vorhanden. In ihnen wurde offensichtlich Metall und Textilien verarbeitet.

Einer der Gründe, warum in dieser Gegend Menschen siedelten, war das in geringer Tiefe leicht zu erreichende Grundwasser. Mehrere Brunnenfunde bestätigen dies laut Guckenbiehl. In einem wurden auch Pollenreste nachgewiesen, die das Bild der frühmittelalterlichen Landschaft deutlich machen. Es gab unter anderem Kiefern, Schwarzerlen, Buchen, Birken, Tannen und Fichten. Der Nachweis von Wacholder lässt zudem Weideflächen vermuten. Auch Getreideanbau und nahegelegene Feuchtgebiete können mit den Bodenproben dokumentiert werden.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung im Zeit+Raum-Museum hinter dem Rathaus kann bis zum 11. September an jedem Sonntag, 13 bis 17 Uhr, besucht werden. Am kommenden Sonntag, 19. Juni, ist das Stadtmuseum ausnahmsweise schon ab 10 Uhr geöffnet. Um 10, 14 und 16 Uhr werden spezielle Führungen angeboten.

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