Harald Kux ist im Alter von 83 Jahrengestorben.

Nachruf

Politik, Kirche und Kultur haben sein Leben geprägt

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20 Jahre saß Harald Kux für die SPD im Gemeinde- und Stadtrat. Von 1972 bis 1992 gehörte er zu den Stützen der Fraktion. Jetzt ist er im Alter von 83 Jahren einem schweren Krebsleiden erlegen.

Germering– Ehefrau Renate Kux und seine zwei Söhne aus erster Ehe verlieren einen „liebenswürdigen und immer hilfsbereiten Menschen“. So beschreibt ihn die von der Trauer stark mitgenommene Witwe. Auch wenn die vergangenen Monate schwer gewesen seien, so Renate Kux, sei der Tod ihres Harald völlig unerwartet gekommen. Aber die vielen Operationen und eine notwendige Chemotherapie hätten ihn Tag für Tag schwächer werden lassen, erzählt sie: „Am Ende hatte er keine Kraft mehr.“

Der in Köln geborene und in Berlin aufgewachsene Harald Kux war Zeit seines Lebens ein politischer Mensch. Ein Grund dafür war aus Sicht seiner Frau das Geburtsjahr: „Er war Jahrgang 1932, hat Krieg, Flucht und Konzentrationslager erlebt.“ Dass er dann erst im Jahr 1971 der Germeringer SPD beitrat, mag auf den ersten Blick überraschen – aber ein politischer Mensch war er auch vorher schon.

Sein parteipolitisches Engagement ging einher mit turbulenten Zeiten. Es waren die Jahre vor der Gemeindegebietsreform von 1978. Als Kux 1972 erstmals in den Germeringer Gemeinderat einzog, war die Kommune noch von Unterpfaffenhofen getrennt. Bürgermeister war Josef Kistler (SPD). Nach dessen Tod organisierte Harald Kux den Wahlkampf für Peter Braun, der dann 1974 zum Rathauschef gewählt wurde.

Die vier Jahre später folgende Fusion führte zu einem großen Zerwürfnis in der SPD. Unterpfaffenhofens Rathauschef Rudi Bay (SPD) trat aus der Partei aus und wurde 1978 als Gegenkandidat von Peter Braun zum ersten Bürgermeister der neuen Großgemeinde gewählt. Kux war in dieser Zeit vor allem als besonnener Stratege und Organisator bekannt.

Vor vier Jahren würdigte die SPD dieses Wirken von Harald Kux und verlieh ihm die Willi-Brandt-Medaille – eine der wichtigsten Auszeichnungen der Partei. Überreicht wurde sie von Alt-OB Braun. Die damalige Reaktion des Geehrten: „Das viele Lob ist mir fast peinlich.“

Harald Kux war aber nicht nur in der Politik engagiert. Bis zuletzt war der Maschinenbauingenieur mit seiner Frau in der evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Kirche aktiv. Es war dort auch maßgeblich am Zusammenkommen der Partnerschaft mit der evangelischen Kirche von Balatonfüred beteiligt. Die Städtepartnerschaft mit der Kommune am Plattensee hatte er von Anfang an als Referent im Gemeinderat begleitet.

Kirche, Glauben und Kultur waren Harald Kux zeitlebens ebenso wichtig. Umso schöner war es für ihn laut Renate Kux deswegen, dass sie im vergangenen Jahr noch zum evangelischen Kirchentag nach Berlin fahren konnten. Vor allem eine Gesprächsrunde mit Ex-US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angelika Merkel und dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hätte ihren Mann sehr beeindruckt. Das Thema („Engagiert Demokratie gestalten: Zuhause und in der Welt Verantwortung übernehmen“) war aber auch wie geschaffen für einen immer sozial denkenden Demokraten wie Harald Kux.

Ein Besuch in Hamburg ebenfalls im vergangen Jahr sollte die letzte Reise des Verstorbenen mit seiner Ehefrau gewesen sein, ehe sein Leidensweg begann. Kux, der seine Berufskarriere bei Lufthansa begann, erfüllte sich damit einen letzten Traum: Er wollte einmal die Elbphilharmonie sehen und ihren Klang bei einem Konzert erleben. Es war ein grandioses Erlebnis, erzählt Renate Kux.  kg

Abschied nehmen

Die Trauerfeier für den Verstorbenen ist am Mittwoch, 13. Juni, um 15 Uhr in der Bonhoeffer-Kirche.

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