Ein großer Aufkleber auf der Motorhaube weist auf das neue Einsatzgebiet der Germeringer Polizei hin.
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Ein großer Aufkleber auf der Motorhaube weist auf das neue Einsatzgebiet der Germeringer Polizei hin.

Germering

Straftaten nehmen zu - falsche Polizisten trüben die Kriminalbilanz

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Die Germeringer Polizei hat im Vorjahr zwar eine Zunahme der Straftaten um rund elf Prozent auf jetzt 3411 für die fünf Kommunen des Einsatzgebietes hinnehmen müssen. Allerdings wurde mit 65,7 Prozent auch die bisher beste Aufklärungsquote erzielt.

Germering – Seit zwei Jahren ist die Polizeiinspektion (PI) an der Waldstraße neben Alling und Gilching auch für Eichenau und Puchheim zuständig. Die insgesamt rund 100 000 Bewohner können sich dabei über einen Aufklärungsquote der PI freuen, die zum sechsten Mal in Folge über 60 Prozent lag. Mit insgesamt 3411 Straftaten gab es laut Polizeisprecher Andreas Ruch zwar 350 mehr als im Jahr 2019. Allerdings ist auch die Aufklärungsquote wieder gestiegen. Die Beamten der PI konnten mehr 18,7 Prozent der Tatverdächtigen ermitteln.

Der Anstieg der Straftaten ging vor allem auf das Konto der Rauschgiftkriminalität. Ihr Anteil an allen Fällen legt mittlerweile mit 393 bei 11,4 Prozent. Dabei hat sich der Anteil der Jugendlichen und Heranwachsenden im Vorjahr fast verdoppelt. Als häufigstes Delikt nennt Ruch, der stellvertretender Leiter der PI ist, den Erwerb oder den Besitz von Marihuana.

Die Wohnungseinbrüche

Ganz anders sieht es bei den Wohnungseinbrüchen aus. Hier gab es einen Rückgang von rund 38 Prozent auf nur noch 18 Fälle. Aus Sicht von Ruch liegt dies vor allem am Lockdown. Ruch: „Die Täter sahen sich mit einer für sie neuen Situation an den Wohnobjekten konfrontiert, die sie so noch nicht kannten: Die Bewohner waren zuhause.“

Ebenfalls mit Corona verbindet der Polizeisprecher die Zunahme der Cyberkriminalität: „Wegen der geschlossenen Geschäfte sind so viele Leute wie nie im Internet auf Shoppingtour gegangen. Und dort tummeln sich immer mehr Ganoven mit betrügerischen Absichten.“

Spitzenreiter bei den einzelnen Bereichen waren wie in allen Jahren davor die Diebstähle – allerdings waren es im Vorjahr mit 706 Fällen 121 weniger als 2019. Fahrraddiebstähle waren mit 242 erneut Spitzenreiter der Statistik. Im Ranking auf Platz drei gestiegen sind mit 55 Vorfällen die Diebstähle aus Autos. Ladendiebstähle liegen mit 13 Prozent an der zweiten Stelle.

Gewaltdelikte

Ebenfalls gestiegen ist im Vorjahr die Zahl der Gewaltdelikte – dazu zählen Straftaten gegen das Leben ebenso wie Raub, Vergewaltigung und gefährliche oder schwere Körperverletzungen. Das Plus von rund 43 Prozent auf jetzt 123 Fälle ist vor allem einem Anstieg bei den Körperverletzungen geschuldet – es gab im Vorjahr keine Tötungsdelikte oder Raubüberfälle. Die Körperverletzungen sind laut Ruch zudem fast ausschließlich die Folge von Schlägereien unter Jugendlichen.

In etwa auf dem Vorjahres-Niveau geblieben sind dagegen die Vermögensdelikte –trotz des Vormarsches des Internet-Betrugs. „Mit Bedauern“ muss die PI aber auch zur Kenntnis nehmen, dass das Phänomen der „falschen Polizeibeamten“ auch im Dienstbereich verstärkt aufgetreten ist. Trotz einer intensiven Aufklärungsarbeit gelang es Trickbetrügern immer wieder, auf diese Weise Senioren um ihr Erspartes zu erleichtern. Ruch erinnert an zwei besonders drastische Fälle. Im Juni brachten vermeintliche Polizisten mit einem Anruf einen 90-Jährigen Eichenauer dazu, Goldbarren im Wert von über 600 000 Euro herauszugeben. Im September gelang es einem angeblichen BKA-Mitarbeiter, bei einer 74-jährigen Rentnerin aus Eichenau Geld und Goldbarren im Wert von über 100 000 Euro zu erbeuten.

Die Pandemie

Einen völlig neuen Aufgabenbereich hatte die Polizei zudem wegen der Pandemie: „Die Überwachung der sich stetig verändernden Rechtsverordnungen stellte eine Herausfordeung dar“, so Ruch. Nicht zu guter Letzt seien die kommunikativen Fähigkeiten jedes Einzelnen gefragt gewesen, um mit Fingerspitzengefühl die staatlichen Interessen mit den Sorgen, Nöten und Anliegen der Bevölkerung in Einklang zu bringen.

Dennoch kam die PI laut Ruch nicht umhin, über 700 Anzeigen wegen klaren Verstößen nach dem Infektionsschutzgesetz im Zuständigkeitsbereich des Landratsamt Fürstenfeldbruck zu schreiben. Die meisten betrafen Verstöße gegen die Kontaktbeschränkung und die Ausgangssperre.

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