Die Hecke am Waldrand wurde mit schwerem Gerät abgeräumt. Merkur-Leser Moritz Möbius hat das Foto gemacht.
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Die Hecke am Waldrand wurde mit schwerem Gerät abgeräumt. Merkur-Leser Moritz Möbius hat das Foto gemacht.

Landwirt: „Das hätte man sensibler machen können“

Protest nach Abholzaktion am Harthauser Waldrand - Doch die Aktion war völlig legal

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Spaziergänger zwischen Harthaus und Streiflach haben sich vor einigen Tagen furchtbar geärgert: Mit schwerem Gerät wurde eine Schlehendorn-Hecke am Waldrand von Harthaus weggeräumt. Eigentümer ist ein Aubinger Landwirt. Die Aktion war völlig legal.

Germering – Moritz Möbius lebt seit 1972 in Harthaus und nutzt die Spazierwege zwischen Germering und dem Gut Streiflach regelmäßig. Was er vor kurzem beobachtet hat, hat ihn ebenso geschockt wie viele andere Germeringer Spaziergänger. Ein Arbeiter schob mit einer Raupe die seit Jahrzehnten am Harthauser Waldrand stehende Schlehendorn-Hecke weg. Das sei zwar möglicherweise rechtens gewesen, so Möbius. Er glaube aber, dass man das auch schonender hätte machen können.

„Das hätte man sensibler machen können“

So sah es noch 2015 an der Stelle aus.

Das Wegräumen der Hecke war in der Tat legitim. Der Aubinger Landwirt Johann Oberhauser, der das angrenzende Feld vor vier Jahren von der Landeshauptstadt gekauft hat, hat damit nur sein Feld auf die ursprüngliche Größe gebracht. Der Spazierweg sei früher weiter nördlich verlaufen und sei in den Jahren immer weiter nach Süden verlagert worden. Die Spaziergänger seien mittlerweile auf einem Streifen seines Eigentums gelaufen. Oberhauser gibt allerdings zu, dass die Abräumaktion unglücklich verlaufen ist: „Das hätte man auch sensibler machen können.“ Allerdings werde das alles bald wieder zuwachsen.

Dass ihm das Bild und der Zustand seiner Heimat etwas bedeutet, sieht man auch an folgendem Sachverhalt: Er hat vor eineinhalb Jahren die in der Nähe des Feldes stehende Marienkapelle auf eigene Kosten wieder instand setzen lassen. Johann Oberhauser erinnert auch daran, dass er rund um die Kapelle jährlich Blühflächen für Insekten auf rund zwei Hektar schaffe. Der Erhalt der Natur sei ihm wichtig.

Zustand aus dem Grundkataster wiederhergestellt

Thomas Wieser, Leiter des Sachgebiets Umwelt im Bauamt, bestätigt die Sichtweise von Oberhauser. Der Weg sei früher tatsächlich weiter im Norden verlaufen. Daran könne er sich noch aus seiner Kindheit erinnern. Man hätte die Verlegung zwar weniger heftig machen können, aber letztlich habe der Landwirt nur den im Grundkataster festgehaltenen Zustand wieder hergestellt.

Die wie Möbius und Wieser in Harthaus lebende Kräuterpädagogin Dagmar Doll ärgert sich ebenfalls darüber, dass die Hecke am Waldrand brachial zur Seite geschoben wurde: „Mir blutet das Herz! Sicherlich total legal. Kann man so machen, aber muss man nicht.“ Sie hat sich wegen der Abholzung Gedanken über die Zukunft der Landschaft zwischen Harthaus und Streiflach, vor allem die einer dort stehenden Hainbuche, gemacht.

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