Germering

Rad-Direktroute an der Landsberger Straße

Der Wirtschaftsweg nördlich der Landsberger Straße soll künftig von Radlern durchgehend in zwei Richtungen befahren werden dürfen. Auf der Südseite soll dies zumindest abschnittsweise möglich sein. Mit entsprechenden Umbauten wird so eine Ost-West-Hauptachse für Radler verwirklicht.

Germering – Thiemo Graf vom Institut für innovative Städte präsentierte den Mitgliedern des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses seine Machbarkeitsstudie zur Schaffung der durchgehenden Radverkehrsverbindung entlang der Landsberger Straße. Er war vor einem Jahr damit beauftragt worden. Der seit zwei Jahren bestehende „Runde Tisch Radverkehr“ der Stadt hatte diesen und andere Vorschläge gefordert. Graf konzentrierte sich in seinen Untersuchungen auf die Landsberger Straße und die Schaffung einer weiteren Ost-West-Achse südlich der Bahnlinien.

Bei seinen Untersuchungen über die aktuelle Situation von Radlern entlang der Landsberger Straße auf der Nordseite hat Graf etliche Hindernisse aufgedeckt. Alleine der komplexe Kreuzungspunkt mit der Unteren Bahnhofstraße stelle Radfahrer vor erhebliche Probleme. Zur Erinnerung: Dort sind empfohlene Spuren für die Radfahrer rot eingefärbt. Graf: „Wir haben uns das vor Ort lange angesehen. Kaum ein Radler macht das, was planerisch vorgesehen ist.“ Viele weichen laut Graf auf die Infrastruktur für Fußgänger aus oder verhalten sich auf irgendeine Art illegal. Obwohl es dort wenig Unfälle gebe, bestehe doch erheblicher Handlungsbedarf.

Ein zweites großes Problem sei der Abschnitt zwischen der Oberen und der Unteren Bahnhofstraße. Wenn man von Westen her in Richtung Obere Bahnhofstraße fahre sei plötzlich Schluss, weil ab da die Einbahnstraßen-Regelung gelte. Graf: „Wir müssen es befahrbar machen.“ Auch die Einmündung der Oberen Bahnhof- in die Landsberger Straße müsse umgebaut werden.

Dass tatsächlich Bedarf für Veränderungen entlang der Landsberger Straße besteht, belegte der Planer mit Ergebnissen von Zählungen. An der Kreuzung mit der Unteren Bahnhofstraße habe man mehr Radler (55 Prozent) als Autofahrer registriert. Immerhin ein Drittel der Pedalritter sei dabei falsch in die Kreuzung eingefahren.

Obwohl sich Graf mit seiner Untersuchung vorrangig auf die Nordseite beschränkte, will er den Zwei-Richtungs-Radverkehr auch im Süden möglich machen – allerdings nur da, wo es wirklich geht: „An der Spange wird man deswegen keine neue Brückenbauwerke errichten.“

Die Vorstellungen des Experten wurde von den Stadträten teils durchgehend für gut empfunden. Wolfgang Andre (CSU) meinte, dass es höchste Zeit ist, was zu tun. Seine Bitte: „Machen wir Druck, damit schon nächstes Jahr was passiert.“

In einem nächsten Schritt sollen jetzt gemeinsam mit dem beauftragten Verkehrsplanungsbüro „Schlothauer und Wauer“ (früher Transver GmbH) die konkreten Schritte zur Umsetzung überlegt werden. Dann soll die Verwaltung die Bürger beteiligen und eine Planung mit Zeit- und Kostenschätzungen erstellen.

Wenn es nach den Vorstellungen von Thiemo Graf vom Institut für innovative Städte geht, werden Radler künftig vom Kreuzlinger Feld aus bis zum Bahnhof Harthaus die Vorfahrt haben: Die Achse Wiesen-, Frühlings-, Südenend-, Eisenbahn- und Stegmaierstraße soll als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Die Mitglieder des Planungsausschusses schlossen sich dem Vorschlag mehrheitlich an, der auch vom „Runden Tisch Radverkehr“ unterstützt wird. Lediglich Franz Hermannsdorfer (FWG/UBG) und Karin Sepp (ÖDP) lehnten dies ab. Fahrradstraßen sind Thiemo Graf zufolge ein relativ neues Instrument der Verkehrslenkung. In eine Fahrradstraße dürfen zunächst nur Radler einfahren. Dies könne man aber entweder durch „Anlieger frei“- oder „Kfz frei“-Schilder aufweichen. Im konkreten Fall sei „Kfz-frei“ die beste Wahl, weil man ja aus diesen Straßen Autos nicht verbannen könne. Eine solche Regelung gilt seit einigen Jahren auch für die Zufahrtsstraße zum Germeringer See.

 Eine Zählung hat Graf zufolge ergeben, dass sich der Verkehr auf dieser Achse schon jetzt zu mehr als 50 Prozent aus Radfahrern zusammensetzt. Das werde sich mit der Ausweisung zur Fahrradstraße steigern, ist sich der Experte sicher. Er ist sich auch sicher, dass mit der geplanten Bebauung des Kreuzlinger Feldes am Beginn der Fahrradstraße sich viele Neubürger für das Rad als Verkehrsmittel entscheiden werden. Damit Fahrradstraßen angenommen werden, müssen sie Graf zufolge entsprechend gestaltet werden. „Es genügt nicht, ein Schild anzubringen und Piktogramme auf die Fahrbahn zu malen.“ Während sich Verkehrsreferent Hermannsdorfer sträubte, an einer funktionierenden Verkehrsbeziehung mit durchgehendem Tempo 30 etwas zu ändern, sah dies Wolfgang Andre (CSU) ganz anders: „Es gibt zwar Argumente dagegen. Aber wenn die Experten sagen, dass es machbar sei, dann sollten wir es auch machen.“ Die konkrete Umsetzung der Idee soll von der Verwaltung planerisch vorbereitet werden. Die Bürger sollen intensiv beteiligt werden.

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