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Lebensretterin: Uli Steinbach.

2. Geburtstag

Sie rettete den Buben aus dem See

Germering - Ein Bub feierte gestern seinen 6. und gleichzeitig praktisch seinen 2. Geburtstag. Er war am Abend zuvor leblos im Germeringer See getrieben und fast ertrunken. Doch eine Germeringerin (45) zog ihn aus dem Wasser und rettete dem Buben damit das Leben.

Bestes Wetter, ein Sommerabend. Uli Steinbach aus Germering geht bei solchen Gelegenheiten oft zum See. So auch an diesem Montag. Sie sitzt etwa fünf Meter weit vom behindertengerechten Steg entfernt und liest ein Buch, wie sie dem Tagblatt erzählt. Kinder springen herum, spielen Fangen. Was Kinder halt so tun. Uli Steinbach selbst hat wegen des Gebüsches keinen freien Blick auf dem Steg. Wohl aber eine ältere Dame, die auf einer Bank sitzt. Als die Kinder etwa um 19.45 Uhr auf dem Steg herumspringen, ermahnt die ältere Dame die Kleinen. „Geh nicht so nah an die Kante, sonst fällst du rein“, soll sie zu einem der Buben gesagt haben. Die Kinder reagieren nicht auf die Vorsicht-Rufe der Frau. Also geht sie auf den Steg – und sieht, dass ein Bub mit dem Kopf nach unten im Wasser treibt. Die ältere Dame schlägt Alarm und macht damit Uli Steinbach aufmerksam.

Die Bauingenieurin springt sofort ins Wasser und zieht den Fünfjährigen an Land. Sie hat vor 25 Jahren eine Sanitäterausbildung absolviert. Das hilft ihr jetzt. Sie hält den aus Neufahrn bei Freising stammenden Buben kopfüber, um das Wasser aus seinem kleinen Körper zu befördern. Er ist schon ganz blau im Gesicht. Sie drückt die Brust des Buben, reanimiert ihn. Er bekommt einen Hustenreiz – und eine Art Schnappatmung setzt ein. Als Uli Steinbach den Buben auf den Rücken legt, ist die Wasserwacht schon da. Die Jugendgruppe war an diesem Abend ohnehin beim Üben am See, wie Rot-Kreuz-Chef Bertram berichtet. Der Bub beginnt zu schreien – spätestens jetzt ist klar, dass große Hoffnung besteht.

Jede Sekunde zählt

 Bei Badeunfällen zählt jede Sekunde. Der Rettungsdienst versorgt den Fünfjährigen weiter, ein Hubschrauber bringt ihn in eine Klinik. „Gegen 23.30 Uhr erhielt die Germeringer Polizei die äußerst positive Mitteilung, dass es dem Buben soweit gut geht und dass er heute Vormittag an seinem 6. Geburtstag das Krankenhaus schon wieder verlassen dürfe“, heißt es im offiziellen Bericht der örtlichen Beamten. Wie sich laut Polizei herausstellte, war die türkische Familie mit den Kindern nicht zum Baden an den See gekommen, sondern zum Picknick. Deshalb hatte der Bub auch keine Schwimmflügel an. Die Erwachsenen hatten das Kind offenbar einfach aus den Augen verloren.

Mutter in den Arm genommen

Die Mutter sei nach der Rettung völlig aufgelöst gewesen, berichtet Uli Steinbach. „Ich habe sie einfach in dem Arm genommen, um sie zu trösten.“ Neben den Rettern kam auch das Kriseninterventionsteam der Malteser in Gröbenzell. „Ich bin wirklich froh, dass es die gibt“, sagt Uli Steinbach. „Die haben das ausgezeichnet gemacht“, so die 45-Jährige, die selbst keine Kinder, aber einige Neffen hat. „Ich habe schon mal erlebt, wie ein Zweijähriger einfach ins Wasser ging. Der hat sich nichts gedacht, selbst noch nicht, als er bis zur Unterlippe im Wasser stand.

 Den habe ich damals auch vorsichtshalber rausgeholt.“ Bei der Polizei ist man sehr froh über die nach einem Unfall im Schwimmbad in diesem Jahr bereits zweite Wasser-Rettung eines Kindes. Es habe sich in diesem Fall um die Verkettung nicht unglücklicher, sondern glücklicher Umstände gehandelt, sagt Sprecher Andreas Ruch. Er will Uli Steinbach für die Rettungsmedaille vorschlagen und lobt seinerseits das Kriseninterventionsteam. „Die haben sich rührend gekümmert.“ Trotzdem: Auf dem Heimweg, als die Spannung abgefallen war, habe sie einfach nur noch geweint, erzählt Uli Steinbach. (st)

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